Internationalisierung

Der Weg zur Kern-Fusion

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Dringend benötigtes Kapital

Bei diesen Aussagen könnte Chen an Aixtron gedacht haben: Der Sonderanlagenbauer mit Chip-Herstellungs-Know-how hat sich auf die Fertigung von Anlagen zur Produktion von Leuchtdioden spezialisiert. Der schwache chinesische Markt macht Aixtron derzeit zu schaffen, vor allem nachdem im Dezember auch noch ein Grossauftrag aus China storniert wurde.

Die Aktie ist im Sinkflug und es wird wohl auch für dieses Jahr mit Verlusten gerechnet. Ein Angebot aus China kommt in dieser Phase gerade recht: Fujian Grand Chip Investment (FGC) bieten 676 Mio. Euro für 60 % von Aixtron. Vorstand und Aufsichtsrat begrüssen das Angebot. Es kommt zur richtigen Zeit, wie von Aixtron-Chef Martin Goetzeler zu hören ist. FGC werde Aixtron einen besseren Zugang zum chinesischen Markt ermöglichen und das dringend nötige Kapital für Forschung und Entwicklung beisteuern.

Ein anderer Wackelkandidat hat diese Phase schon hinter sich. Krauss-Maffei, Anbieter von Kunststoffmaschinen, wurde Anfang des Jahres vom chinesischen Chem-China gemeinsam mit den künftigen Teilhabern, der Beschaffungsfirma Guoxin und der Beteiligungsgesellschaft AGIC Capital, für 925 Mio. Euro übernommen. Frank Stieler, erst seit Kurzem Vorstandschef des Münchner Unternehmens, sieht nur Positives in der Übernahme; es sei allein schon ein Vorteil, dass es sich um einen industriellen Investor handele, der wisse, was er tue. Stieler vergleicht Chem-China mit der Deutschen Bahn, die auch selbstständig agiere, obwohl sie sich in staatlicher Hand befinde.

Wichtiger für Stieler ist es festzuhalten, dass der neunte der Chemie-Weltranglisten langfristig denke, bei seinen Einkäufen in zeitlichen Dimensionen von 30 Jahren. Ziel sei es, in China die komplette Wertschöpfungskette bei der Gummiteileproduktion anzubieten. Vor allem den riesigen Reifenmarkt hat man hier im Blick.

Beim italienischen Reifenhersteller Pirelli war man bereits ein Jahr zuvor eingestiegen. Stieler ist daher überzeugt, dass die Übernahme auch am Standort Deutschland für neue Arbeitsplätze sorge, weil die Anzahl der Aufträge und Projekte zwangsläufig steige, wenn man neue Märkte erschliesse. Einen Know-how-Abfluss befürchtet er nicht, geht aber auch nicht näher darauf ein, wie das gegebenenfalls verhindert werden kann. Und dann kommt wieder das bereits bekannte Argument: Der Gewinn für Krauss-Maffei liege darin, dass man schneller und qualitativer an chinesische Abnehmer komme, wenn man einen Chinesen als Investor habe.

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Doch Stieler schiebt noch ein weiteres strategisches Argument nach: Die eher einfache, niveaureduzierte Massenproduktionsphase in China gehe langsam dem Ende entgegen. Die Chinesen verlangten zunehmend hochwertige Produkte, die man aber auch nur mit hochwertigen Systemen wirtschaftlich fertigen könne. Das sei die Chance für deutsche Unternehmen wie Krauss-Maffei, mit ihren Premiumsystemen sofort den Fuss in der Tür zu haben. Sein Fazit, fast alle Unternehmen, die auf diese «gesunde» Weise mit Chinesen kooperieren, stehen danach besser da als vorher. MM

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