Der Beitrag gewährt einen kleinen Einblick, wenn es darum geht, Vollhartmetall-Werkzeuge mit Diamantschichten zu versehen. Hier stellen sich einige Herausforderungen an die Hersteller. Der Schweizer Hartmetall-Spezialist Extramet arbeitet seit Jahren eng mit Cemecon an solchen Hochleistungswerkzeugen. Voraussetzung dafür ist eine perfekte Kombination aus Substrat, Geometrie und Beschichtung. Dem Hartmetall als Basis kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
Beim Beschichten mit Diamant kommt dem Kobaltanteil im Hartmetall eine besondere Bedeutung zu. Er darf weder zu hoch noch zu niedrig sein.
(Bild: Cemecon)
«Hartmetall hat enorm gute Eigenschaften für Zerspanwerkzeuge: etwa Härte, Druckfestigkeit, Schlagfestigkeit, Biegebruchfestigkeit, Korrosionsbeständigkeit und mehr. In den vergangenen 30 Jahren hat man bei der Herstellung enorme Fortschritte gemacht und konnte das Verhältnis zwischen Härte und Zähigkeit entscheidend optimieren. So haben heutzutage Hartmetallwerkzeuge in fast allen Bereichen HSS-Werkzeuge ersetzt», sagt Bruno Süess, ehemaliger Direktor und heutiges Verwaltungsratsmitglied der Extramet AG. Er ist darüber hinaus Vorstandsmitglied im Schweizer Fachverband Pulvermetallurgie und Experte für Hartmetalle sowie deren Herstellung.
Auf die Zusammensetzung kommt es an
Hartmetall für Zerspanungswerkzeuge besteht hauptsächlich aus Wolframkarbid (WC) als Hartstoff und einem Bindermetall, in der Regel Kobalt (Co). Das Wolframkarbid sorgt für die Härte und das Kobalt für die Zähigkeit. Durch diese Kombination lassen sich die besten physikalischen und mechanischen Eigenschaften erzielen. Die genaue Zusammensetzung und auch die Ergänzung mit weiteren Legierungsbestandteilen sind dabei sehr flexibel und richten sich nach den Anforderungen in der Anwendung.
Härte wird primär über die WC-Korngrösse definiert
Die Härte eines Hartmetalls wird primär über die WC-Korngrösse reguliert: Je feiner das Korn, umso härter ist das Hartmetall. In der Zerspanung sind Hartmetalle mit Ultrafeinstkorn (0,2–0,5 µm) und Mikrokorn (0,5–0,8 µm) mittlerweile Standard.
Nanokorn (<0,2 µm) konnte sich bis dato nicht durchsetzen und kommt nur in ganz speziellen Anwendungen zum Einsatz. Die Herstellung ist gegenüber dem Nutzen, den die extrem kleinen Körner im Vergleich bringen, zu aufwendig.
«Aber Härte ist nicht alles: Für die Verschleissbeständigkeit ist auch entscheidend, wie gut die harten Wolframkarbid-Körner im Bindermetall Kobalt eingebettet, benetzt sind und sich dort verklammert haben. Denn ist das Kobalt nicht gut verteilt und die WC-Körner liegen dadurch direkt aneinander, lösen sie sich einfach aus der Matrix und es entsteht erhöhter Verschleiss», so Bruno Süess. «Für eine hohe Verschleissbeständigkeit muss man also eine perfekte Balance zwischen Körnern und Bindemittel finden, so dass das Wolframkarbid noch gut gebunden wird, aber der Kobaltanteil nicht zu hoch ist. Dieses Verhältnis ist heute gut kontrollierbar, so dass mittlerweile viele leistungsstarke Hartmetallsorten auf dem Markt zu finden sind.»
Spezielle Hartmetallsorte für Diamant-Beschichtungen
Die Zusammensetzung eines Hartmetalls ist entscheidend für dessen Beschichtbarkeit mit Diamantschichten. «Früher war die Haftung der Diamant-Beschichtung auf dem Hartmetall nicht so gut wie heute. Deswegen haben wir – Cemecon und Extramet – schon in den 1990ern eng zusammengearbeitet, um die Zusammensetzung des Hartmetalls anzupassen und somit die Haftung zu verbessern.»
«So entstand zum Beispiel eine spezielle Hartmetallsorte für die Diamant-Beschichtung mit ausgewählten Legierungsbestandteilen. In einem trilateralen Arbeitskreis, insbesondere bezogen auf die Anforderungen der Luftfahrtindustrie, konnten wir gemeinsam mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) grosse Fortschritte für Diamant-Werkzeuge erreichen», erinnert sich Bruno Süess.
Extramet: Kontinuierliches Wachstum auf aktuell 200 Mitarbeiter
Präzise, langlebige und nachhaltige Hartmetall-Lösungen für die Hightech-Industrie sind die Kernkompetenz von Extramet. Die hochwertigen Hartmetall-Werkzeugrohlinge sind die Basis für die Herstellung von hochpräzisen rotierenden Zerspanwerkzeugen für anspruchsvolle Anwendungen. Seit der Gründung 1980 im freiburgischen Plaffeien (Schweiz) hat sich Extramet vom ursprünglichen Drei-Mann-Betrieb zu einem breit diversifizierten und international tätigen Unternehmen mit über 200 Mitarbeitenden weltweit entwickelt. Bei der Produktion von stranggepresstem Hartmetall setzen die Experten auf Innovation, Präzision und Hochtechnologie und bieten massgeschneiderte Lösungen für individuelle Anforderungen. Höchste Präzision gepaart mit Hartmetall in Top-Qualität macht das Familienunternehmen zum idealen Partner für höchste Ansprüche in Hightech-Branchen. Das Extramet-Hartmetall kommt in der Luftfahrt- und Automobilindustrie, der Dental- und Medizintechnik, der Präzisions- und Mikromechanik sowie in der Lebensmittel- und Verpackungstechnologie zum Einsatz.
Ideale Bedingungen für Diamantbeschichtungen
Für eine gute Beschichtbarkeit ist es wichtig, dass das Korn nicht zu fein und dass nicht zu viel Kobalt im Hartmetall enthalten ist. «Mein persönlicher Favorit zum Diamant-Beschichten ist ein Mikrokorn-Hartmetall mit einer WC-Korngrösse von 0,8 bis 0,9 µm und 6 Prozent Kobalt», ergänzt Süess. Gerade wenn es um die Beschichtung mit Diamant geht, hat der Kobaltanteil besondere Bedeutung, da das Kobalt im Beschichtungsprozess aus der Oberfläche des Hartmetalls gelöst wird.
Stand vom 30.10.2020
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Dazu sagt Manfred Weigand, Produktmanager Round Tools bei Cemecon: «Ist der Anteil zu gering und löst sich damit zu viel Kobalt, halten die WC-Körner nicht mehr zusammen. Das Hartmetall versprödet zu stark und es ist keine gute Haftung mehr möglich. Bei einem zu hohen Anteil bleibt zu viel Kobalt übrig, das während des Beschichtens mit dem Kohlenstoff reagiert. Dann entsteht eine graphitische Phase (sp2) statt der harten Diamant-Beschichtung (sp3).»
Deswegen führt Cemecon entsprechende Eignungsprüfungen durch, bei denen das Hartmetall auf seine Beschichtbarkeit getestet wird.
Nur hochwertiges Hartmetall sorgt für Premium-Beschichtungen
Die Homogenität und somit die Qualität eines Hartmetalls hat erheblichen Einfluss auf das Beschichtungsergebnis und damit auch auf die Performance des Präzisionswerkzeugs. Mit hochwertigen Hartmetallen wird sowohl eine gute Haftung als auch eine gleichmässig beschichtete Oberfläche erzielt.
«Reinheit im Herstellungsprozess des Hartmetalls und gleichbleibend hohe Qualität gehören untrennbar zusammen. Das fängt bereits bei der Mischung des Pulvers an. Es sollte möglichst kurz einer Sauerstoffatmosphäre ausgesetzt sein, um Oxidation zu verhindern.
Eine schnelle Weiterverarbeitung des Pulvers ist dementsprechend wichtig, denn bei einer langen Lagerung oxidiert das Material. Sobald das Pulver gepresst und der Grünling vorgesintert ist, passiert diesbezüglich aber nicht mehr viel», erklärt Bruno Süess.
Ein weiterer Faktor für die Qualität – selbst innerhalb einer Charge – liegt im Sinterprozess. Wird dabei ein Teil der Grünlinge einer höheren Kohlenstoffkonzentration ausgesetzt als ein anderer, variiert der Kohlenstoffanteil bei den Hartmetall-Rohlingen und letztendlich auch bei dem geschliffenen Werkzeug. Diese Unterschiede können zu einer schlechten und/oder ungleichmässigen Haftung der Diamant-Beschichtung führen.
Fast kein Qualitätsunterschied bei recyceltem Hartmetall
Ressourcenschonung, Umweltschutz und CO2-Bilanz rücken wie in allen Branchen auch in der Hartmetall-Herstellung verstärkt in den Fokus. Auch mit Blick auf die Abbaugebiete und die dort herrschenden Bedingungen gewinnt das Recycling der verschlissenen HM-Werkzeuge zunehmend an Bedeutung.
Die Verfahren haben hier grosse Fortschritte gemacht, so dass der Recyclinganteil im Hartmetall in den vergangenen Jahren stetig angestiegen ist. Mit chemischen Verfahren können alle Komponenten des Hartmetalls in ihre Bestandteile – Wolframkarbid, Kobalt etc. – getrennt und wieder in die Rohprodukte überführt werden – und das bei geringerem Energieeinsatz.
«Viele Hartmetall-Hersteller, auch Extramet, verwenden heute ein Gemisch aus neuem und recyceltem Material. Qualitätsunterschiede zwischen hochwertigem Recyclat und neuem Pulver gibt es da heute nicht mehr», so Bruno Süess.
Hartmetall aus rein recyceltem Material ist bis dato kaum am Markt verfügbar, entsprechende Entwicklungen sind aber bereits angestossen. «Wir haben bei Cemecon auch schon Werkzeuge aus 100 Prozent Recyclat auf die Eignung zur Diamant-Beschichtbarkeit getestet. Zusätzlich haben wir auch den Rundlauf vor und nach dem Beschichten geprüft. Wir konnten nach allen Tests grünes Licht geben», ergänzt Manfred Weigand.
Grosse Herausforderungen für die Zukunft
Neben dem sinkenden Bedarf an Hartmetall aufgrund der Umstellung auf alternative Antriebe in der Automobilindustrie zählen sicherlich Auswirkungen der REACH-Verordnung (Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe) zu den grossen Herausforderungen, denen die Hartmetallindustrie gegenübersteht.
REACH: Kobalt (Co) und Nickel (Ni) auf roter Liste
REACH hat auch Kobalt (Co) und Nickel (Ni) auf die rote Liste gesetzt. So sind die Hersteller gezwungen, Kobalt und Nickel in der Hartmetallzusammensetzung zu minimieren bzw. ganz zu ersetzen, ohne die positiven Eigenschaften zu verändern.
Die Forschung konnte bereits in den letzten Jahren erfreuliche Resultate erzielen, doch gerade bei Lösungen für Zerspanwerkzeuge genügen die neuen Hartmetalle noch nicht den gewünschten mechanischen Anforderungen.