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Automationsstandort Schweiz Die unendliche Welt der Automation

Autor / Redakteur: Silvano Böni, stv. Chefredaktor / Silvano Böni

Automation. Ein riesiges Themenfeld mit zahlreichen Teilgebieten, von der Steuer- und der Regeltechnik, über die Antriebstechnik, die Robotik, die Sensorik bis hin zu Bereichen der Elektrotechnik gehört vieles dazu. Alle Themen aufzuzählen, würde bereits mehrere Zeilen füllen – alle führenden Schweizer Anbieter zu präsentieren, eine ganze Zeitschrift. Deshalb wird dieser Artikel den Fokus auf einige Highlight-Unternehmen legen und so einen kurzen, keinesfalls kompletten Überblick über den Automationsstandort Schweiz bieten.

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Ob Füllstand-, Durchfluss-, Druck- oder Temperaturmessung, Endress+Hauser-Technik verdient das Prädikat Weltklasse.
Ob Füllstand-, Durchfluss-, Druck- oder Temperaturmessung, Endress+Hauser-Technik verdient das Prädikat Weltklasse.
(Bild: Endress+Hauser)

ABB – der Automatisierungskonzern

Mit welchem Unternehmen könnte dieser Beitrag besser begin­nen als mit dem Schweizer Automatisierungskonzern schlechthin: ABB. Das heutige schweizerisch-schwedische Technologie­unternehmen wurde 1891 von Charles Brown und Walter Boveri unter dem Namen Brown, Boveri & Cie. (BBC) in Baden gegründet. Schon früh überzeugte die noch junge Firma mit zahlreichen Innovationen, von Transformatorenanlagen und Generatoren bis hin zum Bau des ersten Wechselstrom-Wärme­kraft­werks Europas oder der weltweit ersten thermoelektrischen Lokomotive. So verwundert es nicht, dass die BBC bereits 20 Jahre nach der Gründung der grösste Konzern der Schweizer Maschinenbauindustrie war.

Heute zählt das Unternehmen zu den führenden Technologieunternehmen der Welt und beschäftigt über 110 000 Mitarbeiter in 100 Ländern. Ob Robotik, Elektrifizierung, Industrie- oder Fertigungsautomation, kaum ein anderer Konzern ist so diversifiziert aufgestellt wie die schweizerisch-schwedische ABB.

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Stäubli – die Mechatroniker

Automatisierung ohne Stäubli? Unvorstellbar. 1892 in Horgen als kleine Textilmaschinen-Reparaturwerkstatt von Hermann Stäubli und Rudolf Schelling gegründet, ist Stäubli heute ein internationaler Konzern mit Hauptsitz in Pfäffikon. Dabei ging das Wachstum schnell vonstatten. Bereits 1909 errichtete das Unternehmen seine erste Produktionsstätte ausserhalb der Schweiz in Frankreich, gefolgt von Werken in weiteren europäischen Ländern sowie Nord- und Südamerika, Japan, China und Korea. Gestartet in der Textilindustrie, erweiterte Stäubli 1956 seine Kompetenzen im Bereich Anschlusslösungen. Zunächst mit Schnellkupplungen für pneumatische und hy­draulische Systeme, später auch für elektrischen Strom und Daten. 1989 folgte die Zusammenarbeit mit der Firma Unimation, einem Pionier im Bereich Industrierobotik, und später deren Übernahme. In den drei Geschäftsbereichen Connectors, Robotics und Textile ist Stäubli auch heute noch erfolgreich tätig. Mit über 5500 Mitarbeitern in über 50 Ländern auf 4 Kontinenten hat das Schweizer Traditionsunternehmen mittlerweile Weltruf erlangt.

Traco – die Stromprofis

Die Schlagader der meisten Automatisierungsanwendungen ist die Stromversorgung – und dies ist die Kernkompetenz von Traco Power aus Baar. Seit über drei Jahrzehnten gehört das Unternehmen zu den führenden Herstellern von DC/DC-Wandlern, AC/DC-Schaltnetzteilen sowie kundenspezifischen Stromversorgungslösungen.

Gegründet wurde das Familienunternehmen aber bereits 1944 durch Hans Caspar, einen ehemaligen Zahnarzt. Dazumal beschäftigte sich die Traco noch hauptsächlich mit dem Import und Vertrieb von Fotoapparaten, Radios, Tonbandgeräten und diversen elektronischen Bauteilen. Der endgültige Durchbruch gelang aber erst mit der Entwicklung eines eigenen Tonbandgeräts namens Dynavox. Dieses war so erfolgreich, dass in den 70er-Jahren der Geschäftsbereich Traco Electronic Company Limited für Eigenentwicklungen gegründet wurde – ein Meilenstein in der Firmengeschichte. Genau diese Sparte legte nämlich den Fokus auf komplexe Netzteile und Gleichspannungswandler, welche mittlerweile weltweit einen besten Ruf geniessen.

Schurter – die Elektroniker

Bleiben wir beim Strom. 1933 gründete Heinrich Schurter das gleichnamige Unternehmen in Luzern, den Spezialisten schlechthin für Komponenten für den Geräteschutz sowie für Geräteverbindungen, Schalter und EMV-Produkte «made in Switzerland». Für die Elektronikindustrie bietet das Unternehmen auch Dienstleistungen im Bereich der Leiterplattenbestückung an. Schurter beliefert heute über 100 000 Abnehmer in den Bereichen Industrieelektronik, Medizintechnik, Daten und Kommunikation, Luft- und Raumfahrt, Automobiltechnik sowie Energietechnik. Das Unternehmen beschäftigt rund 2000 Mitarbeitende in 17 Ländern und wird durch Familienmitglieder der dritten Generation geführt.

Maxon – die Antriebsweltmeister

Die wohl berühmtesten Antriebe der Schweiz kommen aus Sachseln. Sie waren bereits im tiefen Erdkern und im weiten Weltraum. Die Rede ist natürlich von der Maxon Motor AG. Gegründet 1961 als Interelectric AG, heute unter dem Namen Maxon weltbekannt, insbesondere durch die berühmten Gleichstrom-Antriebe mit eisenlosem Rotor und rautenförmiger Wicklung. Bereits in den Anfangsjahren baute das Unternehmen eine eigene Entwicklungsabteilung für elektromechanische Geräte auf. Dieser Schritt erwies sich als Glücksfall für die Sachsler, da sie ihr ursprüngliches Geschäft, nämlich die Herstellung von Scherfolien für Elektrorasierer, bald darauf aufgeben mussten. Die Tüftler bei Maxon brachten es zustande, in Rekordzeit ein ganzes Typenprogramm an Kleinst­motoren zu entwickeln, und patentierten gleichzeitig ihre wohl wichtigste Erfindung der gesamten Firmengeschichte: das Herstellungsverfahren für den eisenlosen Rotor mit der ebenfalls patentierten, rautenförmigen Wicklung. Das Fehlen von besagtem Eisen im Rotor erhöhte den Wirkungsgrad um fast das Doppelte gegenüber herkömmlichen DC-Motoren und machte die Kleinst­antriebe so zu leistungsstarken und trägheitsarmen Kompaktwundern, welche unter anderem bereits auf zig Marsmissionen zuverlässig ihren Dienst verrichten durften.

Sensirion – die Feinfühligen

Aus dem Sensorikbereich könnte man hier unzählige, traditionsreiche und weltführende Unternehmen aufführen. Ein vergleichsweise junges ist die Sensirion AG. Diese wurde erst 1988 als ETH-Spin-off Moritz Lechner und Felix Mayer gegründet und gehört bereits jetzt zu den führenden Herstellern digitaler Mikrosensoren und -systeme. Das in Stäfa ansässige Unternehmen beschäftigt mittlerweile Mitarbeitende in den USA, Südkorea, Japan, China, Taiwan sowie Deutschland. Als wichtigster Meilenstein der Firmengeschichte gilt wohl die Entwicklung der patentierten CMOSens-Technologie. Diese ermöglicht eine intelligente Systemintegration von Sensorelement, Logik, Kalibrierungsdaten und einer digitalen Schnittstelle auf einem einzigen Chip.

Wandfluh – die Hydrauliker

1946 gründet Ruedi Wandfluh im Alter von 21 Jahren eine mechanische Werkstätte in Frutigen – heute weltbekannt als Wandfluh AG, Hersteller von kundenspezifischen Hydraulikventilen, Elektronik, Software bis hin zum kompletten hydraulischen Systembau. Der Weg dorthin war jedoch steinig und schwer. Noch nicht einmal 30-jährig, starb Ruedi Wandfluh und die Zukunft der noch jungen Firma stand bereits auf der Kippe. Seine Frau Gertrud, ihres Zeichens Haushaltslehrerin und Mutter dreier Kinder, entschied sich jedoch, die Firma weiterzuführen. Sie war es ebenfalls, die einige Jahre später entschied, in Entwicklung, Produktion und Verkauf von Hydraulikventilen einzusteigen – und sie legte somit die Grundlage für alle weiteren Erfolge für das heutige Unternehmen, welches fast 400 Mitarbeiter beschäftigt, weltweite Produktions- und Vertriebsstätten besitzt und aus dem Hydraulikbereich nicht mehr wegzudenken ist.

Endress+Hauser – die Messspezialisten

Zu den absolut führenden Schweizer Spitzenunternehmen muss man auch Endress+Hauser zählen, auch wenn die Firma genau genommen 1953 im deutschen Lörrach gegründet wurde. Die Initianten: der 29 Jahre junge Schweizer Ingenieur
Georg H. Endress und der 58-jährige Deutsche Banker Ludwig Hauser. Das ungleiche Paar führte das Unternehmen in erfolgreiche Zeiten, die bis heute anhalten. Ob Füllstand-, Durchfluss-, Druck- oder Temperaturmessung, Endress+Hauser-Technik verdient das Prädikat Weltklasse. Dies bezeugen auch die fast 8000 Patente, die das Unternehmen mittlerweile hält. Hauptsitz der Gruppe ist das schweizerische Reinach. Fast 14 000 Mitarbeiter auf allen Kontinenten sind für das Familienunternehmen tätig und erwirtschaften zusammen einen Umsatz von fast 2,5 Milliarden Euro.

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