Auf der AMB 2024 zeigte sich, wie stark die Digitalisierung und die «grüne Transformation» den Maschinenbau verändern. Dr. Tommy Kuhn, Geschäftsführer der DMG Mori Digital GmbH, sprach mit Nastassja Neumaier, stv. Chefredaktorin, über die Herausforderungen und Chancen dieser Entwicklung. Von KI-gestützten Assistenzsystemen bis hin zu energieeffizienten Fertigungslösungen – die Kombination aus Mechanik und Software verspricht eine spannende Zukunft für die Branche.
Raphael Kostas, Leiter Produktmanagement (links), und Dr. Tommy Kuhn, Geschäftsführer (rechts), DMG Mori Digital GmbH, bei der Präsentation von Celos X auf der AMB 2024. Dr. Tommy Kuhn: «Mit Celos X verfolgen wir die Vision, Maschinen so intuitiv bedienbar wie ein Smartphone zu machen. Ähnlich wie im App Store können Kunden Anwendungen herunterladen und nach Bedarf aktivieren. Das bietet nicht nur Flexibilität, sondern ermöglicht es auch, Maschinen über Jahrzehnte hinweg aktuell zu halten.»
(Bild: Nastassja Neumaier, VCG)
SMM: Dr. Kuhn, Sie sind seit sechs Jahren Geschäftsführer von DMG Mori Digital GmbH. Wie hat sich Ihr Weg in die Welt des Maschinenbaus gestaltet?
Dr. Tommy Kuhn: Ich komme ursprünglich aus der Softwareentwicklung, war lange Zeit im Finanzdienstleistungssektor tätig und wollte mehr Dynamik erleben. Mein Einstieg bei DMG Mori begann bei der Hausausstellung in Pfronten. Damals kannte ich das Unternehmen kaum, aber die Verbindung aus Hightech-Maschinenbau und innovativen Softwarelösungen hat mich sofort begeistert. Der Maschinenbau steht, was die Digitalisierung und die Nutzung von Software betrifft, noch am Anfang, besonders im Vergleich zu Branchen wie dem Finanzsektor. Aber genau das bietet uns die Chance, die Entwicklung aktiv mitzugestalten und Innovationen voranzutreiben – vor allem mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI).
Apropos KI: Welche konkreten Lösungen bietet DMG Mori bereits an?
Dr. Kuhn: Ein herausragendes Beispiel für künstliche Intelligenz im Werkzeugmaschinenbau sind unsere Assistenzsysteme. Bei «AI Chip Removal» identifiziert eine Kamera die genauen Stellen, an denen Späne entfernt werden müssen, und eine automatische Kühlmitteldüse entfernt diese mit einem gezielten Strahl, statt den gesamten Arbeitsraum mit Kühlflüssigkeit zu fluten.
Wie werden solche digitalen Lösungen von Ihren Kunden aufgenommen?
Dr. Kuhn: Die Resonanz auf digitale Tools im Allgemeinen ist sehr positiv. So wird beispielsweise unser Kundenportal, das wir vor einigen Jahren eingeführt haben, intensiv genutzt. Es ermöglicht den Kunden, direkt von der Maschine aus ein Service-Ticket zu erstellen oder Remote-Support zu erhalten. Über 90 Prozent der Serviceanfragen laufen mittlerweile digital. Das zeigt, dass die Akzeptanz für solche Tools hoch ist. Besonders im Bereich der KI stehen wir jedoch noch am Anfang, was das Vertrauen und den breiten Einsatz betrifft. Aber die Entwicklung ist vielversprechend.
Stichwort Vertrauen: Müssen Kunden alle Produktionsdaten offenlegen?
Dr. Kuhn: Nein, der Kunde entscheidet selbst darüber, welche Daten er mit uns teilen möchte und welche Daten er lieber für sich behalten möchte. Bei unseren cloudbasierten Lösungen hat jeder Kunde seine eigene geschützte Umgebung. Wir bieten aber auch «On-Premises»-Lösungen an, bei denen die Daten im Unternehmen des Kunden bleiben. Ein gutes Beispiel hierfür ist unsere Maschinen-Monitoring-Lösung DMG Mori Messenger.
Ein weiteres grosses Thema ist die «grüne Transformation». Welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei?
Dr. Kuhn: Unsere Kernstrategie, die «Machining Transformation», basiert auf vier Säulen: Prozessintegration, Automation, Digitalisierung und «Grüner Transformation». Diese Themen sind so eng miteinander verknüpft, dass sie nicht isoliert betrachtet werden können – und die Digitalisierung ist ein integraler Bestandteil von all dem. Gerade durch digitale Lösungen können wir im Bereich der Energieeffizienz enorme Fortschritte erzielen.
Ein Beispiel ist die Funktion ACF (Adaptive Coolant Flow), die durch eine Sensorik erkennt, was die ideale Kühlmitteldurchflussmenge für ein Werkzeug ist, und diese automatisch anpasst. Dadurch lässt sich die Leistungsaufnahme der Kühlmittelpumpe um bis zu 80 Prozent verringern.
Insgesamt bieten wir aktuell 13 solcher digitalen Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz an und können mit ihnen den Energieverbrauch von Maschinen um bis zu 40 Prozent reduzieren.
30 Jahre Hausausstellung vom 10. bis zum 21. Februar 2025 in Pfronten
Machining Transformation (MX) hautnah erleben
«Vor 30 Jahren öffnete DMG Mori in Pfronten erstmals seine Türen zur Hausausstellung – heute ist unser Event in Pfronten in der Branche Tradition. Wir starten gemeinsam in ein Jahr voller Innovationen und mit den vielfältigen Möglichkeiten unserer MX – Machining Transformation. Ich freue mich auf viele Gespräche und das persönliche Treffen mit unseren Kunden, Partnern und Besuchern aus aller Welt», gibt Irene Bader, Vorständin von DMG Mori, einen Ausblick auf das Event.
30 Jahre DMG Mori Hausausstellung in Pfronten – über 100 Jahre Präzision und Innovation am grössten europäischen Produktionsstandort.
(Bildquelle: DMG Mori Global Marketing GmbH)
«Für unsere Kunden geht es heute und in Zukunft darum, eine qualitätsorientierte, wettbewerbsfähige und nachhaltige Produktion zu gestalten. DMG Mori bietet mit jahrzehntelanger Erfahrung in Branchen wie Aviation & Space, Die & Mold, Semiconductor sowie im klassischen Maschinenbau Lösungen an, die auf dem Machining-Transformation(MX)-Leitbild basieren», so Cornelius Nöss, Geschäftsführer der DMG Mori Pfronten GmbH.
Prozessintegration erhöht die Effizienz durch Bündelung von Bearbeitungsschritten wie Fräsen, Drehen und Schleifen. Automation schafft eine kontinuierliche Maschinenverfügbarkeit und somit höhere Produktionskapazitäten. Die Digitale Transformation (DX) unterstützt mit den Celos-X-Widgets Technologiezyklen bei einer effizienteren Planung und der Simulation von Produktionsprozessen. Gemeinsam begünstigen diese Säulen und zusätzliche Massnahmen, wie die adaptive Kühlmittelzufuhr, die Grüne Transformation (GX), also eine nachhaltigere Produktion mit reduziertem Energieverbrauch.
Wie lässt sich die Integration digitaler Lösungen in bestehende Maschinenparks realisieren?
Dr. Kuhn: Wir bieten umfassende Retrofit-Lösungen an, um auch ältere Maschinen auf den neuesten Stand zu bringen. Das betrifft sowohl die Konnektivität als auch Software-Updates. Unser Ziel ist es, Maschinen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg nutzbar zu halten – mechanisch und digital. Mit unserem neuen Plattformansatz, Celos X, können Kunden Applikationen flexibel einsetzen und zahlen nur, wenn sie diese nutzen. So schaffen wir Mehrwert, ohne hohe Einstiegskosten zu verursachen.
Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Maschinenbaus aus?
Dr. Kuhn: Die Digitalisierung wird vom «nice-to-have» zum Muss. Ohne digitale Lösungen sind Automatisierung und Nachhaltigkeit langfristig nicht denkbar. Gleichzeitig bleibt der Mensch ein zentraler Faktor. Unsere Aufgabe ist es, Technologien so zu gestalten, dass sie intuitiv und effizient nutzbar sind. Und genau da kommt die Digitalisierung ins Spiel. Wir müssen Maschinen intelligenter machen, damit sie auch mit weniger Eingriffen durch den Menschen laufen können. Wir sprechen hier über autonomes oder zumindest assistiertes Fertigen, wo die Maschine selbst Entscheidungen treffen oder Vorschläge machen kann, basierend auf den Daten, die sie aus ihrem Betrieb sammelt. Ein langfristiges Ziel ist es zum Beispiel, die Programmierung von Maschinen zu automatisieren – beispielsweise direkt aus einem 3D-Modell. Aktuell arbeiten wir an Assistenzsystemen, die Programmierern bereits viel Arbeit abnehmen. Es ist vergleichbar mit der Entwicklung autonomer Fahrzeuge: Wir starten mit einfachen Assistenzsystemen, doch irgendwann könnten Maschinen nahezu selbstständig arbeiten.
Stand vom 30.10.2020
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Der Maschinenbau wird also komplexer, aber auch spannender. Wir stehen am Anfang einer Revolution, die Mechanik und Software zu einer unschlagbaren Einheit verbindet. Natürlich ist es eine riesige Herausforderung, weil es Veränderungen in der gesamten Wertschöpfungskette erfordert – von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zu unseren Kunden. Das Gute ist, dass die Branche verstanden hat, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Kooperationen mit Hochschulen, Start-ups, grossen Playern wie Siemens oder Heidenhain und auch branchenübergreifende Projekte wie Manufacturing X sind essenziell, um Innovationen voranzutreiben und gleichzeitig nachhaltiger zu werden. Und letztlich profitieren alle davon – die Kunden, die effizientere und umweltfreundlichere Maschinen erhalten, die Unternehmen, die wettbewerbsfähiger werden, und nicht zuletzt die Umwelt.