Extern zu fertigende Bauteile über eine digitale Plattform zu beschaffen, soll die Prozesse wesentlich vereinfachen und effizienter gestalten. Über den weitreichenden Nutzen einer Zusammenarbeit mit der innovativen Beschaffungsplattform CNC24 sprachen wir mit Willi Ruopp, CEO und Co-Founder.
Flexibel und weltweit beschaffen die Spezialisten der Plattform CNC24.com eine Vielzahl unterschiedlicher, spanend und umformend gefertigter, auch an Oberflächen nachbehandelter Bauteile.
(Bild: stefanhaehnel.com)
SMM: Herr Ruopp, wie kam Ihnen und Ihrem Team die Idee, eine Online-Beschaffungsplattform für Bauteile zu realisieren?
Willi Ruopp: Mein Co-Founder Marlon Gerat und ich kennen uns bereits seit der Schulzeit und uns verbindet eine lange Freundschaft. Marlon übernahm den CNC-Fertigungsbetrieb seines Vaters und erkannte schnell, dass der gesamte Fertigungs- und Beschaffungsprozess in der Industrie noch immer analog abläuft – mit Telefon, Zettel und Stift. Das brachte uns auf die Idee, diesen Prozess zu digitalisieren und zu skalieren. Wir wollten einen neuen Standard etablieren, um die Qualität zu steigern und die Einkaufsabteilungen zu entlasten. So gründeten wir im Jahr 2019 CNC24, eine Manufacturing-as-a-Service-Plattform für Präzisionsbauteile.
Marlons langjährige Erfahrung als Zerspanungsmechaniker und mein Hintergrund in Digitalisierung und Business Development ergänzen sich perfekt. Er verantwortet als Chief Supplier Quality Officer die Entwicklung unseres Lieferantennetzwerks und ist der fachliche Ansprechpartner für unsere Kunden.
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Wie hat sich CNC24 seit der Gründung entwickelt?
W. Ruopp: Seit unserer Gründung im Jahr 2019 sind wir stark gewachsen. 2022 haben wir erfolgreich unsere Series-A-Finanzierungsrunde über 8,25 Millionen Euro abgeschlossen und unsere Mitarbeiterzahl stieg über 50. Wir bedienen derzeit über 2500 Kunden und haben bereits über 50 000 Aufträge abgewickelt. Allein im letzten Jahr haben wir über 10 000 unterschiedliche Bauteile für unsere Kunden gefertigt und in unserem hauseigenen Messzentrum auf ihre Qualität geprüft. Unser Fokus liegt weiterhin auf Expansion, weshalb wir kürzlich grössere Räumlichkeiten mit einem erweiterten Messzentrum bezogen haben. Auf einer Gesamtfläche von 1200 Quadratmetern haben wir unsere Lagerkapazität verzehnfacht und bieten nun auch On-demand-Lieferungen von Bauteilen an.
Wie funktioniert das Konzept Ihrer Plattform – von der Bestellung bis zur Auslieferung an den Kunden?
W. Ruopp: Für die Anfrage von Bauteilen benötigen wir eine Fertigungszeichnung und idealerweise ein 3D-Modell. Alle weiteren Parameter wie Stückzahl, Liefertermin und benötigte Zertifikate werden im CNC24-Portal spezifiziert. Unsere KI-Matching-Algorithmen identifizieren die passenden Fertigungspartner aus unserem globalen Netzwerk von 500 Lieferanten, die regelmässigen Qualitätsaudits unterzogen werden. Die Qualitätssicherung erfolgt in unserem zertifizierten Messzentrum nach ISO 9001. Für unsere Kunden sind wir der Vertrags- und Ansprechpartner und übernehmen die gesamte Produktionsplanung und -überwachung bis zur Auslieferung.
Verfügt CNC24 über eine eigene Fertigung?
W. Ruopp: Rein rechtlich sind wir als Vertragspartner des Kunden Lieferant der Bauteile. Bei der Produktion setzen wir allerdings auf ein globales Partnernetzwerk. Über unser Messzentrum sowie ein grosses Team an Zerspanungsmechanikern und Ingenieuren, die selbst an der Maschine gestanden haben, stellen wir sicher, dass Bauteile in höchster Qualität geliefert werden.
Wie lange dauert üblicherweise die Beschaffung von der Auftragsvergabe bis zur Lieferung?
W. Ruopp: Die Produktionsdauer hängt stark von Stückzahl und Bauteilkomplexität ab. In der Regel liefern wir Bauteile jedoch in etwa 25 bis 30 Tagen aus.
Ihr Geschäftsmodell gründet sich auf einem Bedarf im deutschen Maschinenbau. Haben Sie auch Kunden ausserhalb Deutschlands und speziell in der Schweiz und welche Rolle spielt der Schweizer Markt für CNC24?
W. Ruopp: Ja, neben Deutschland zählen auch Österreich und insbesondere die Schweiz zu unseren Kernmärkten. Wir beliefern zahlreiche Schweizer Industriekunden wie Suhner, NTI, die Meisterfilter AG und das CERN.
Der Schweizer Markt ist für uns von grosser Bedeutung. Unsere erste Finanzierungsrunde wurde durch einen Schweizer Investor unterstützt. Wir bedienen bereits mehrere Kunden in der Schweiz. Unsere Kunden dort schätzen die Entlastung der Einkaufsabteilung durch unseren automatisierten Beschaffungsprozess und den Zugang zu globalen Fertigungskapazitäten in Europa und Asien.
Sie arbeiten mit einem internationalen Netzwerk zahlreicher Fertigungsbetriebe. Woher beziehen die meisten Kunden ihre Bauteile, was ist ihnen dabei wichtig?
W. Ruopp: Unsere jährliche Kundenumfrage hat ergeben, dass etwa 80 Prozent der Kunden ihre Bauteile in Europa beziehen. In Asien ist China nach wie vor der wichtigste Bezugspunkt von Fertigungsbauteilen. Gleichzeitig sehen wir, dass Indien aufgrund von Geopolitik und im Sinne der Supply-Chain-Resilienz immer interessanter wird.
Wie gewährleisten Sie beim Beschaffen über die Plattform CNC24 die Datensicherheit?
W. Ruopp: Datensicherheit hat für uns höchste Priorität. Alle Lieferanten von CNC24 unterliegen Vertraulichkeitsvereinbarungen. Wir haben zudem strenge Sicherheitsvorkehrungen in unserem Bestellprozess implementiert. Alle Daten werden mit einer End-to-End-Verschlüsselung (AES-256) übertragen. Zudem anonymisieren wir alle Fertigungszeichnungen, bevor wir sie an unsere Lieferanten weiterleiten. So kann vom Bauteil nicht auf den genauen Verwendungszweck beim Kunden geschlossen werden.
Stand vom 30.10.2020
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Welche Vorteile bringt eine digitalisierte Beschaffung Ihren Kunden und besonders den Einkäufern?
W. Ruopp: Unsere digitalisierte Beschaffung entlastet die Einkaufsabteilungen, die mit zunehmender Komplexität der Lieferketten, Preisdruck und personellen Engpässen konfrontiert sind. Durch das Onboarding von CNC24 erweitern unsere Kunden ihre Supply Chain auf einen Schlag um 500 auditierte Lieferanten mit vielfältigem Angebot an Fertigungskompetenzen.
Wir agieren dabei wie eine erweiterte Einkaufsabteilung, die für jedes Bauteil den idealen Fertigungspartner identifiziert und den gesamten Produktionsprozess überwacht. Da wir auch die Qualitätssicherung übernehmen, erhält der Kunde stets Bauteile, die direkt verwendet werden können.
Sind Sie damit eine Art Vorreiter in Sachen Digitalisierung in der Branche?
W. Ruopp: Unser Ziel ist, eine virtuelle «Giga Factory» aufzubauen, bei der alle wichtigen Prozesse rund um die Bestellung, Fertigung und Qualitätssicherung von Bauteilen automatisiert ablaufen. In der eher konservativ geprägten Maschinenbaubranche ist das noch nicht überall angekommen. In gewisser Weise leisten wir damit Pionierarbeit und zeigen mit unserer Beschaffungsplattform auf, welche Entlastung ein digitaler und automatisierter Beschaffungsprozess Einkäufern und Kunden bringt.
Unser Ziel ist, eine virtuelle ‹Giga Factory› aufzubauen, bei der alle wichtigen Prozesse rund um die Bestellung, Fertigung und Qualitätssicherung von Bauteilen automatisiert ablaufen.
Willi Ruopp, Co-Founder und CEO der Beschaffungsplattform CNC24.com
Der umfassende Service bedingt sicher einige Kosten. Wie sorgen Sie dafür, wettbewerbsfähig zu sein?
W. Ruopp: Eine Beschaffung über CNC24 ist nicht teurer als die direkte Bauteilbeschaffung beim Lieferanten. Wir matchen jedes Bauteil mit dem Lieferanten, der das ideale Setup an Maschinen und Fertigungs-Know-how hat, so werden Qualität und Kosteneffizienz garantiert. Zusätzlich gibt uns unser globales Netzwerk einen ausgezeichneten Überblick über die Marktpreise, wodurch wir wettbewerbsfähige Konditionen anbieten können. Weiterhin wird der Einkäufer durch CNC24 effizienter und kann ein deutlich grösseres Einkaufsvolumen pro Mitarbeiter bearbeiten. Zudem reduziert unser eigenes Messzentrum die Qualitätsprüfungskosten beim Wareneingang. Diese Massnahmen sorgen dafür, dass wir unseren Kunden im Schnitt 10 bis 20 Prozent an Kosten in der Beschaffung einsparen können.
Wie wählen Sie die Lieferanten aus? Welche Qualitätsstandards setzen Sie an?
W. Ruopp: Die Auswahl unserer Lieferanten erfolgt sorgfältig und beinhaltet umfassende Audits und einen Onboarding-Prozess. Wir haben einen ausgeklügelten Fragebogen entwickelt, mit dem wir Stärken und Schwächen potenzieller Lieferanten identifizieren. Zusätzlich führen wir online Audits durch und prüfen Lieferanten vor Ort.
Im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung identifizieren wir Fehlermuster und geben Lieferanten zudem Feedback zu jedem Auftrag. Da wir alle Bauteile selbst messen und prüfen, kennen wir jede Abweichung von der Kundenspezifikation.
Was unterscheidet Ihre Beschaffungsplattform von den Wettbewerbern?
W. Ruopp: Viele unserer Marktbegleiter setzen auf Instant-Kalkulatoren, um eine sofortige Preisauskunft zu gewährleisten. Davon nehmen wir bewusst Abstand. So können wir ein viel breiteres Portfolio an Fertigungsverfahren mit praktisch unbegrenzter Materialauswahl und zusätzlichen Oberflächenbehandlungen anbieten.
Der zweite Punkt ist unser Fokus auf Qualität. Der günstigste Preis nützt nichts, wenn die Qualität nicht stimmt. Daher haben wir uns von Beginn an entschieden, in ein eigenes Messzentrum zu investieren. Unsere niedrige Reklamationsquote bestätigt unser Konzept.
Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?
W. Ruopp: Wir werden weiterhin in innovative, zukunftsgerichtete Technologien und Digitalisierung investieren, um unsere Plattform kontinuierlich zu verbessern. Mit der Kapazitätserweiterung unseres Messzentrums haben wir den Grundstein für weiteres Wachstum gelegt. Wir planen die Eröffnung von Prüfzentren in Asien, um die Qualität schon in den Produktionsländern zu sichern.