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Japan, ein Land im Umbruch
Japan ist flächenmässig der viertgrösste Inselstaat der Welt und besteht im Kern aus vier Hauptinseln, auf die sich auch die Bevölkerung konzentriert. Mit über 127 Millionen Einwohnern liegt Japan auf Platz zehn der bevölkerungsreichsten Länder der Erde. Allerdings ist diese Zahl trügerisch, denn die japanische Bevölkerung schrumpft.
Im Jahr 2005 verzeichnete Japan erstmals mehr Sterbefälle als Neugeburten oder Zuzüge. Entwickeln sich diese demografischen Variablen weiterhin konstant in die eingeschlagene Richtung, wird Japans Bevölkerung bis 2050 um etwa zwölf Prozent auf 100,5 Millionen Menschen schrumpfen. Dieser sich in rasantem Tempo vollziehende demografische Wandel wirkt sich in vielfacher Weise auf Japans Gesellschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft und die sozialen Sicherungssysteme aus. Eine Stärkung der Immigration ist zurzeit kein Thema. Dazu Roger Zbinden, Head Swiss Business Hub Japan: «Ein kulturelles Phänomen ist der tiefe Anteil der ausländischen Bevölkerung, der unter zwei Prozent liegt. Es fehlt eine klare Immigrationspolitik, ein Thema, das in Öffentlichkeit und Politik kaum debattiert wird.»
20 Jahre andauernde Wirtschaftskrise
Seit 20 Jahren steckt die Wirtschaft von Japan in einer Krise – so wird es in vielen Publikationen suggeriert. Neulich publizierte der Tagesanzeiger einen Artikel mit der Kernbotschaft, dass Japan auf eine weitere Rezession zusteuert. Im dritten Quartal ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) auf Jahresbasis umgerechnet um 3,5 Prozent geschrumpft. Das sei der schlimmste Wirtschaftseinbruch seit dem verheerenden Tsunami vom Frühling 2011.
Japan leidet wie die Schweiz unter einer starken Landeswährung. Durch den starken Yen sind die Exporte eingebrochen. Weiter proklamieren die westlichen Ökonomen, dass Japan unter einer Vielzahl von ökonomischen Plagen leidet: Der Arbeitsmarkt sei verkrustet, die Bevölkerung überaltert und die Wirtschaft zu wenig innovativ.
Der subjektive Eindruck widerspiegelt diese Aussagen nicht. Die Infrastrukturen in Japan sind topmodern: die Strassen und öffentlichen Verkehrsmittel sind auffallend sauber und auf dem neusten Stand. Auch die Organisation und Disziplin der Japaner bezüglich der Nutzung des öffentlichen Verkehrs war bemerkenswert. Die Teilnehmer des YPP waren sich einig: Bezüglich der Sauberkeit und Disziplin können die Schweizer noch viel lernen.
In Bezug auf die Innovation muss sich Japan nicht verstecken: an den Universitäten werden neue technische Produkte entwickelt und zudem generieren die technischen Hochschulen hervorragende Ingenieure. Des weiteren gibt es in Japan – im Gegensatz zur Schweiz – keinen Ingenieurmangel. Das liegt vor allem auch an der Wertschätzung gegenüber den «handwerklichen» Berufen. Dieser Umstand könnte in Zukunft zu einem wesentlichen Wettbewerbsvorteil werden.
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