Mit mehr als 1600 Ausstellern aus 45 Ländern hat am Montag die EMO Hannover 2025, Weltleitmesse der Produktionstechnologie, ihre Türen geöffnet. Zum Auftakt informierten EMO-Generalkommissar Carl Martin Welcker und KI-Experte Prof. Christian Brecher von der RWTH Aachen die internationalen Medien über die Perspektiven der Industrie und die Highlights der EMO 2025.
V. l. n. r.: Herr Dr. Heering, Herr Prof. Brecher und Herr Welcker.
(Bild: VDW)
Welcker versprach jede Menge Inspiration für Unternehmen sowie starke Impulse für das verarbeitende Gewerbe und die Zukunft der Metallbearbeitung. Er nutzte zugleich die Gelegenheit, bei der Politik bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen einzufordern, die industrielle Fertigung unterstützen statt behindern. Dies könne weltweit die Bereitschaft zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen deutlich erhöhen.
Die Erwartungen an die EMO Hannover 2025 sind hoch, so der EMO-Generalkommissar, zumal die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen derzeit die geschäftlichen Ambitionen eher bremsen. Die Industrie habe angesichts der weltpolitischen Grosswetterlage anhaltend mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen. Da sei die US-Zollpolitik nur ein weiterer Faktor, der die Unternehmen in Atem halte, «wobei wir nicht verhehlen wollen», betonte Welcker, «dass die Unsicherheit im Tarifbereich – zuletzt mit Zusatzzöllen auf Metallanteile in unseren Maschinen – jedes erträgliche Mass überschritten hat».
In diesen schwierigen Zeiten sei die EMO mehr als nur ein Schaufenster der technischen Superlative. Sie zeige Wege für die Industrie, selbst aktiv zu werden, Brücken zu bauen, Lösungen zu finden und in Zukunftstechnologien zu investieren. «Die Unternehmen müssen jetzt alles daransetzen, ihre weltweite Aufstellung und Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, um optimal vorbereitet zu sein, wenn der Konjunkturmotor wieder anspringt», zeigte sich der EMO-Generalkommissar kämpferisch.
EMO ist «Place to be» für die internationale Community der Metallbearbeitung
Ein wichtiger Auftrag der EMO ist es, die Akteure der Branche zusammenzubringen und Orientierung zu bieten. «Wir fördern den fachlichen Austausch mit Expertinnen und Experten sowie eine Entdeckungstour für frische Ideen, wechselnde Perspektiven und vielversprechende Geschäftsfelder.» Welcker nannte beispielhaft das EMO Economic Forum (Dienstag, 23. September, 14 bis 16 Uhr, Congress Centrum). Vertreter der wichtigsten Abnehmerindustrien, Automobil, Maschinenbau, Luftfahrt und Medizintechnik, diskutieren über wirtschaftliche und technologische Herausforderungen, erläutern ihr Strategien und präsentieren dafür Best-Practice-Beispiele.
Darüber hinaus hat die EMO erstmals ein Partnerland ausgerufen. Unter dem Titel «Alliance Country Canada@EMO2025» präsentieren sich kanadische Hersteller in Halle 12. Damit werde, so Welcker, der Schulterschluss mit Partnern demonstriert, die auch künftig an einem regelbasierten Welthandel interessiert seien.
Automatisierung und künstliche Intelligenz sind zentrale Themen
Die EMO Hannover 2025 benenne die wichtigsten Themen inmitten eines umfassenden Transformationsprozesses, so Welcker. Der Wettbewerb verschärfe sich, Imperialismus und Abschottung zerstörten Wertschöpfungsketten und internationale Arbeitsteilung, beschrieb er die aktuelle Situation. Steigende Kosten und Fachkräftemangel forderten die Unternehmen heraus. Gleichzeitig wachse der Bedarf an nachhaltigen Produkten. Als Fokusthemen auf der EMO Hannover 2025 sieht der Veranstalter VDW vor allem die Megatrends Automatisierung, Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung und KI (Künstliche Intelligenz). Der gegenwärtige Hype um KI dürfe indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die meisten Besucherinnen und Besucher andere, vor allem einfachere Problemlösungen im Fokus stehen.
Im Mittelpunkt des Interesses dürften nach Einschätzung des EMO-Generalkommissars vor allem Automatisierungslösungen stehen, die Effizienz und Qualität im Fertigungsprozess erhöhen. Sie gelten als Haupttreiber für Innovationen. Die Aussteller bieten ein grosses Spektrum an Lösungen, das von einfachen Plattenwechslern und Handlingsystemen bis hin zu Robotereinsatz und autonomen Fabriken reicht.
Aufbau von KI-Know-how gefordert
Indes dürfte ein Thema auf der EMO Hannover 2025 einen besonderen Stellenwert einnehmen: Künstliche Intelligenz. Welche Bedeutung KI für die Produktionstechnik hat, und in Zukunft haben könnte, umriss Prof. Christian Brecher, Inhaber des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinen am WZL der RWTH Aachen und Sprecher der Initiative «ProKI». Er sieht generative KI und Chatbots wie ChatGPT lediglich als sichtbaren Durchbruch für die breite Öffentlichkeit. Der Fokus von Investoren und Forschung hingegen werde sich auf industrienahe Anwendungsfälle richten, ist Brecher sicher. Eine grosse Wirkung verspricht er sich von Agentensystemen, die Aufgaben in der Produktion autonom ausführen, Entscheidungen treffen und Fertigungsprozesse optimieren können. Gerade Europa biete gute Voraussetzungen für KI-Entwicklungen und habe die Chance, Weltmarktführer für industrielle KI zu werden. «Bei uns liegen industrielle Daten in einer Breite und Tiefe vor wie in keiner anderen Region», so der Wissenschaftler. Starke KI-Forschung lege wichtige Grundlagen für die Zukunft.
Entwicklungen, «die Mut machen», sieht Brecher in Deutschland unter anderem in der Hightech-Agenda des Bundesforschungsministeriums, die KI und KI-Robotik als Leitthemen deklariert. Der Transfer in die Industrie und die Talentausbildung sollen demnach gestärkt werden. Grosse Investitionen in AI-Gigafactories wie etwa in Jülich schafften infrastrukturelle Grundlagen. Die Industrie rief Brecher auf, Netzwerke zu bilden, Datenräume zu öffnen und an Ökosystemen zu partizipieren. Daten seien ein Produkt, mit dem Geld verdient werden kann, so der KI-Experte. Er forderte grössere Risikofreude bei Investitionen sowie den Aufbau von KI-Know-how durch Talente und KI-Projekte. An die Politik richtete Brecher die Forderung, Forschung weiter zu stärken sowie Rechenpower Made in Europe weiter auszubauen und kostengünstig zur Verfügung stellen. Eine bürokratiearme Regulatorik könne motivieren, industrielle Datenräume zu öffnen und stärker in KI zu investieren. Europa biete alle notwendigen Zutaten, sagte Christian Brecher. Es brauche jetzt nur den Mut, gross angelegte KI-Initiativen zu starten. Dafür dürfte es wohl keinen besseren Ausgangspunkt geben als die EMO Hannover 2025.
Stand vom 30.10.2020
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Dort bieten beispielsweise die «AI + Digitalization Area» und der «AI Hub@EMO2025» einen guten Einstieg in das Thema. In Halle 6 werden Anwendungsszenarien und protypische Lösungen für KI in der Metallbearbeitung gezeigt.
Vielfältiges Rahmenprogramm bietet breiten Blick in die Produktion
Packende Themen zur Zukunft der Fertigungstechnik versprach der EMO-Generalkommissar auf der EMO Innovation Stage, die messetäglich in Halle 12 einlädt. In der Reihe «P.O.P.-Talk» wird unter anderem der bekannte Publizist und Podcaster Sascha Lob am Freitag zur KI im produzierenden Gewerbe – Wachstumsmotor oder Existenzbedrohung sprechen. Neben technischen Themen geht es unter anderem um die zentralen Herausforderungen des Industriestandorts Deutschland, wenn etwa die Managerin und Verlegerin Julia Jäkel als Mitinitiatorin der «Initiative für einen handlungsfähigen Staat» am Mittwoch, 24. September, spricht und darüber anschliessend mit EMO-Generalkommissar Welcker diskutiert.
Eine Rekordanmeldung von Schülerinnen und Schülern habe die Sonderschau Bildung zu verzeichnen, berichtet Welcker, die in Halle 7 von der Nachwuchsstiftung Maschinenbau gemeinsam mit 16 Partnerunternehmen organisiert werde. Sie bringe junge Talente mit Unternehmen, Technologien und Bildungsangeboten zusammen. Restlos ausgebucht sei die «EMO Startup Area» in Halle 6, in der Newcomer der Branche ihre Innovationen ins Schaufenster stellen. Höhepunkt sei die «EMO-Startup-Night» mit einem «Speed-Dating» am 23. September.
Die wichtigsten Themen zur richtigen Zeit bieten auch die verschiedenen Gemeinschaftsstände, etwa der globalen Initiative Umati, bei der es um die Vorteile der standardisierten Vernetzung von Maschinen geht. Die «Additive Manufacturing Area» richte sich an Besucherinnen und Besucher, die sich für den 3D-Druck begeistern. Das Fokusthema Nachhaltigkeit werde unter anderem auf dem Gemeinschaftsstand «Sustainability Area» in Halle 14 präsentiert. Hier geht es beispielsweise um praktische und einfach umzusetzende Beispiele über die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltiger Produktion.