Studie von Bain & Company

Energieeffizienz ist der Wettbewerbsfaktor der Zukunft

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Energieeffizienz wird zur Pflicht

Auch die staatlichen Lenkungsinstrumente entwickeln sich weiter und machen Energieeffizienz zu einem Compliance-Thema: Seit der Einführung der Ökosteuer in Deutschland 1999 können produzierende Unternehmen einen Spitzenausgleich geltend machen. Davon profitierten 2012 rund 100.000 Firmen. Für 2013 und 2014 wird der Spitzenausgleich nur noch gewährt, wenn ein Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001 oder ein EU-Ökoaudit zumindest begonnen wurden. Ziel dieser Normen ist es, Organisationen beim Aufbau von Systemen und Prozessen zur Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu unterstützen. Ab 2016 müssen Unternehmen ein Energie- oder Umweltmanagementsystem verpflichtend nachweisen. Ähnlich ist die Situation in der Schweiz. Im Rahmen der Energiestrategie 2050 sollen Unternehmen, die sich durch Zielvereinbarungen zu Energiesparprogrammen verpflichten, von finanziellen Anreizen profitieren.

Plus zwei Prozent Rohmarge

Obwohl Energieeffizienz kein reines Kostenthema mehr ist, sind Einsparungen Pflicht. Die Bain-Studie zeigt, dass in der Bilanz eines durchschnittlichen Produktionsunternehmens rund fünf Prozent direkte Energiekosten stehen. Davon können in der Regel bis zu 30 Prozent binnen drei Jahren eingespart werden. Hinzu kommen weitere Einsparungen bei den indirekten Energiekosten, die sich auf noch einmal 50 Prozent der direkten Kostensenkungen addieren – aufgrund reduzierter Wartung, geringeren Materialeinsatzes und weniger Abfallstoffe. Ein gutes Risikomanagement ist ein weiterer wichtiger Punkt. Denn wer den Energieverbrauch seines Unternehmens genau kennt, kann die hohe Volatilität der Energiepreise besser absichern und mit sogenannten Demand-Response-Programmen sogar davon profitieren.

„Im Schnitt können produzierende Unternehmen durch ein Energieeffizienzprogramm bis zu zwei Prozent Profitabilitätssteigerung erzielen, energieintensive Unternehmen sogar noch mehr“, schlussfolgert Dr. Kim Petrick, Co-Autor der Studie und Energieexperte bei Bain & Company. „Das ist eine so signifikante Grössenordnung, dass Energieeffizienz mittelfristig über die Zukunft des Produktionsstandorts Europa mitentscheiden wird.“

Zahlreiche positive Begleiterscheinungen

Diese Einschätzung teilen auch Vorreiter wie GE, Dow oder BASF. Der Chemiekonzern Dow hat nach eigenem Bekunden seit Beginn seines Effizienzprogramms 1995 insgesamt 24 Milliarden US-Dollar eingespart. GE und BASF verweisen auf zahlreiche weitere Vorteile: Sie sind attraktiver für Investoren, Kunden und Bewerber und haben engagiertere Mitarbeiter sowie eine geringere Personalfluktuation. Darüber hinaus hat sich die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten verbessert. Zudem berichten sie, dass die gestiegene Sensibilität im Unternehmen gegenüber dem Thema Energieeffizienz auch zu Produktverbesserungen geführt hat. Und nicht zuletzt entstehen neue Geschäftsideen rund um Produkte und Services, die den Kunden helfen, selbst energieeffizienter zu werden.

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