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Interview mit Josef Maushart - Fraisa SA Ethisch richtig, volkswirtschaftlich rational

Redakteur: Konrad Mücke

Wie agieren unsere KMU in der aktuellen Situation? Wie schützen sie sich und ihre Beschäftigten? Welche Erkenntnisse ziehen sie aus den Bedingungen? Welche möglichen Chancen sehen sie? Dazu sprachen wir mit Josef Maushart, Geschäftsführer bei Fraisa in Bellach.

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Wir halten unsere Belegschaft vollständig zusammen.
Wir halten unsere Belegschaft vollständig zusammen.
(Bild: SMM / Konrad Mücke)

SMM: Wie wurde Ihr Unternehmen von der Covid-19-­Pandemie insgesamt getroffen und wie hat Ihr Unternehmen reagiert?

Josef Maushart: Wir waren gerade zu Beginn des Jahres im Januar und Februar mit unserer Niederlassung in Shanghai von einem ersten Lockdown betroffen. Das hat uns frühzeitig sensibilisiert.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf Ihr Unternehmen. Können Sie Angaben machen bezüglich der Entwicklung des Umsatzvolumens und Auftragseingangs verglichen mit dem Vorjahr?

J. Maushart: Wir rechnen mit einer Unterschreitung des Budgets – angesetzt waren 100 Mio. CHF – um etwa 10 bis 15 Prozent. Das bedeutet, wir erreichen zwischen 85 und 90 Millionen Schweizer Franken statt der geplanten 100 Millionen. Damit bleibt auch der Gewinn nach Steuern (nach Swiss GAAP FER) noch im positiven Bereich, wir erzielen also einen – wenn auch kleinen – Gewinn.

Welche Massnahmen haben Sie innerhalb Ihres Unternehmens verwirklicht, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu schützen?

J. Maushart: Wir haben sehr früh erkannt, dass Masken wirksam sind, und haben das Tragen der Masken allgemein angeordnet. Zudem schützen wir einzelne Arbeitsbereiche, wo immer es möglich ist, durch Abtrennungen aus Plexiglas. Darüber hinaus messen wir bei allen Personen, die unsere Unternehmensgebäude betreten, die Körpertemperatur. Besuche von externen Personen haben wir in der ersten Welle und auch jetzt wieder auf ein Minimum beschränkt! Soweit möglich, arbeiten unsere Beschäftigten im Homeoffice. Allerdings gilt das nur für verwaltende und orga­nisatorische Tätigkeiten, in der Produktion lässt sich das selbstverständlich nicht realisie­ren.

Welche Vorkehrungen haben Sie in Ihrer Produktion getroffen?

J. Maushart:Wir desinfizieren regelmässig alle Gerätschaften. Für das Personal gilt eine Pflicht, Masken zu tragen, wann immer man sich bewegt. Wie bereits erwähnt, sind insbesondere in der Produktion einzelne Arbeitsbereiche mit Scheiben aus transparentem Kunststoff voneinander abgetrennt.

Wie haben Ihre Mitarbeiter auf die Massnahmen
reagiert?

J. Maushart: Die Meinungen sind durchwegs positiv. Die Mitarbeitenden schätzen, dass wir sie beim Selbstschutz unterstützen. Zudem geben wir Masken auch für den privaten Gebrauch ab! Wir haben sehr frühzeitig eine sehr grosse Menge davon beschafft.

Was ist aus Sicht Ihres Unternehmens notwendig, um die Pandemie so gut wie möglich zu überstehen?

J. Maushart: Wir halten unsere Belegschaft vollständig zusammen. Auch in der Kurzarbeit zahlen wir Löhne zu 100 Prozent. Damit gewährleisten wir, dass wir nach der Pandemie sofort im Vollbesitz unserer Kräfte sind. Gleichzeitig trägt das wesentlich zu einer angstfreien und positiven Stimmung unter unseren Beschäftigten bei!

Im Kontakt zu unseren Kunden haben wir uns zu einer speziellen Aktion entschieden. Bereits im Juni haben wir intern festgelegt, dass wir unsere Kunden in dieser schwierigen Phase mit einem Produkt mit nochmals verbessertem Preis-Leistungs-­Verhältnis unterstützen. Dieses Produkt ist zum ersten Oktober unter dem Namen «Favora limited Edition» lanciert worden. Es wird vom Markt äusserst positiv aufgenommen. Daraus ergibt sich eine Win-win-­Situation. Unsere Kunden arbeiten wirtschaftlicher. Wir haben mehr Arbeit für unsere Mitarbeitenden, können unsere Produktion laufen lassen. Zudem bekommen wir laufend Cash und können so unsere Liquidität sichern.

Die Covid-19-Situation ist eine absolute Ausnahme­situation. Welche positiven Erkenntnisse haben Sie aus der Situation gezogen?

J. Maushart: Covid-19 hat der digitalen Kommunikation einen Schub versetzt. Das hat die Notwendigkeit zu Reisen relativiert. So gibt es weniger Reisestress, auch unser Reisebudget wird geschont. Dank der Digitalisierung der Kommunikation ist es möglich, mehr Leute in Koordinationsprozesse einzubinden. Darüber hinaus sind weniger Reisen gut für die Umwelt. Wir sollten stets bedenken, dass etwa 20 Prozent unseres gesamten CO2-Äquivalents auf die geschäftlich bedingte Mobilität der Mitarbeitenden entfallen.

Was sind Ihre Erwartungen an Politik und Gesellschaft in Bezug auf die Covid-19-Pandemie?

J. Maushart: Ich bin im Kanton Solothurn als Kantonsrat und Mitglied der Finanzkommission aktiv.

Für mich steht jetzt im Vordergrund, dass wir die gesunden Betriebe, die jetzt unverschuldet in eine Schieflage geraten, vor dem Untergang retten. Das ist ethisch richtig und volkswirtschaftlich rational, damit wir nicht in eine Abwärtsspirale geraten. Der Bund hat dafür in Artikel 12 des Covid-Gesetzes die Grundlagen geschaffen. Die Kantone müssen sich daran aber hälftig beteiligen. Die Regierung des Kantons Solothurn wird diese Klausel anwenden, sofern das Parlament dem zustimmt!

Herr Maushart, vielen Dank für diese ausführlichen Informationen. SMM

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