Das «Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence» (TUM MIRMI) der Technischen Universität München (TUM) und das Unternehmen Neura Robotics gründen mit dem «TUM RoboGym» Europas grösstes Forschungs- und Trainingszentrum für Robotik im wissenschaftlichen Bereich. Unter der Leitung der TUM MIRMI-Professoren Lorenzo Masia und Achim Lilienthal sollen dort ab Mitte 2026 hunderte Robotersysteme für ihren Einsatz im Alltag weiterentwickelt und KI-unterstützt trainiert werden.
Humanoide Roboter stehen im Mittelpunkt des «TUM RoboGym (powered by Neura)».
(Bild: Neura Robotics)
Der neue Robotik-Hub «TUM RoboGym (powered by Neura)» entsteht im «TUM Convergence Center» des Münchner Flughafens. Die Kooperationspartner werden auf einer Fläche von 2300 Quadratmetern – mit dem Ziel, die Fläche zeitnah zu erweitern – gemeinsam an der nächsten Generation humanoider Roboter forschen. Geplant ist u. a. ein KI-unterstütztes Training robotischer Systeme. Die daraus generierten Daten werden TUM MIRMI und Neura Robotics grösstenteils der Robotik-Community in einem offenen Ökosystem zur Verfügung stellen. Perspektivisch soll das «RoboGym» auch Industriepartnern und Start-ups offenstehen.
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Die Partner investieren zum Start gemeinsam rund 17 Millionen Euro in das Vorhaben, wobei Neura Robotics mit einer Summe von rund 11 Millionen Euro den Grossteil der Investition trägt. Die im «RoboGym» generierten Daten fliessen grösstenteils in das «Neuraverse» – Neuras zentrale, hardwareübergreifende Plattform für Trainingsdaten. Mehr souveräne Daten für das «Neuraverse» bedeuten präzisere KI-Modelle und leistungsfähigere Roboter. Prof. Achim Lilienthal ist überzeugt: «Das Zusammenwirken von High-End-Robotiktechnologie und akademischer Forschung in Künstlicher Intelligenz der Spitzenklasse wird der Entwicklung einen gewaltigen Schub geben.»
Prof. Lorenzo ist Direktor des «TUM RoboGym» und Executive Direktor des TUM MIRMI. Mit dem Forschungs- und Trainingszentrum möchte er «ein wichtiges Gegengewicht zu Wettbewerbern aus den USA und China» setzen und «einen neuen synergetischen Ansatz sowie ein einzigartiges Kooperationsmodell zwischen Wissenschaft und Industrie» anstossen.
(Bild: Astrid Eckert, TUM)
Für den Direktor des «TUM RoboGym» und TUM MIRMI Executive Direktor Prof. Lorenzo Masia bietet die Kooperation die Chance, künftige Entwicklungen in der Robotik weltweit mitzubestimmen: «Europäische Souveränität ist in Zeiten des geopolitischen Wettbewerbs zwischen Ost und West enorm wichtig. Mit diesem Forschungs- und Trainingszentrum schaffen wir für unsere Forschenden und Studierenden eine einzigartige Infrastruktur in Europa, in der sie neue Ansätze in Robotik und KI erleben, entwickeln und erlernen können und so beim Eintritt in den Arbeitsmarkt zu einem starken Kern europäischer Expertinnen und Experten werden.»
Aus menschlichen Bewegungen wertvolle Daten gewinnen
TUM-Präsident Prof. Thomas F. Hofmann betont: «Humanoide Roboter haben den Status von Science Fiction längst verlassen. Schon in naher Zukunft werden sie fester Bestandteil unseres Alltags sein und die Menschen bei vielen Aufgaben unterstützen. Zusammen mit Neura Robotics arbeiten wir an der TUM daran, diese Entwicklung zu beschleunigen und neben der Funktionalität vor allem auch die Sicherheit des Zusammenlebens von Mensch und Roboter zu gewährleisten.»
Gründer und CEO David Reger von Neura Robotics wird im «TUM RoboGym» unter anderem seine humanoiden Roboter zur Verfügung stellen.
(Bild: Neura Robotics)
Der Gründer und CEO von Neura Robotics, David Reger, sagt: «Der entscheidende Wettbewerbsfaktor in der intelligenten Robotik ist nicht mehr die Mechanik, er liegt in den Daten. Wer über hochwertige, realitätsnahe Trainingsdaten verfügt, definiert das Tempo. Genau hier bringen wir bei Neura Robotics unsere Stärke ein: Mit dem weltweiten Aufbau von ‹Robotergyms› und der Vernetzung von Trainingsdaten über unsere Plattform ‹Neuraverse› schaffen wir skalierbare Trainingsinfrastrukturen für physische KI. Gemeinsam mit der TUM verbinden wir exzellente Forschung mit unternehmerischer Umsetzungskraft. So setzen wir neue Massstäbe in der intelligenten Robotik und stärken nachhaltig die technologische Führungsrolle Deutschlands und Europas in einer der zentralen Zukunftstechnologien unserer Zeit.»
Anders als bei Sprachmodellen wie ChatGPT sei es in der verkörperten KI nicht möglich, auf fast beliebig viele Daten aus dem Internet zurückzugreifen und mit ihrer Hilfe zu lernen. Web-Videos seien kaum zu finden, in denen etwa Roboterarme eingesetzt werden, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. Zudem sei auch noch unklar, wie gut sich Bewegungen aus Videos herauslesen lassen. Simulationen seien zudem meist zu unpräzise und können etwa Reibungskräfte, die in der realen Welt vorhanden sind, nicht zuverlässig reproduzieren.
Prof. Achim Lilienthal ist wissenschaftliche Koordinator des «TUM RoboGym (powered by Neura)».
(Bild: Astrid Eckert, TUM)
«Das sind die Gründe, weshalb es ein Trainingszentrum braucht, in dem Menschen den Robotern einzelne Fähigkeiten beibringen, etwa eine Schachtel zu falten oder Bauteile zusammenzustecken», sagt Prof. Lilienthal. «Die Roboter werden im ‹RoboGym› allgemeine Fertigkeiten erlernen, die sie dann selbständig auf spezielle Aufgaben übertragen können». Die Voraussetzung dafür seien sehr viele Datensätze, die ab Mitte 2026 im «RoboGym» von menschlichen Roboter-Trainern erstellt werden.
(neu)
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Stand vom 30.10.2020
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