Credit Suisse und Swiss Global Enterprise Exportstimmung bei KMU so gut wie noch nie

Redakteur: Sergio Caré

Die Stimmung bei den exportorientierten Schweizer KMU ist so gut wie noch nie. Gemäss der aktuellen Umfrage von Switzerland Global Enterprise rechnen sie mit steigenden Exporten. Der positive Trend aus dem Vorjahr setzt sich somit fort und erreicht neu ein rekordhohes Niveau.

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Steigende Exporte nach Deutschland, USA und China: Vor allem die MEM-Industrie schaut positiv ins Jahr 2018.
Steigende Exporte nach Deutschland, USA und China: Vor allem die MEM-Industrie schaut positiv ins Jahr 2018.
(Bild: S-GE)

Zürich – Die Stimmung bei den exportorientierten Schweizer KMU ist seit Beginn der Erhebung im Jahr 2010 auf Rekordniveau. Ein positives Bild zeichnet die aktuelle Umfrage von Switzerland Global Enterprise (S-GE). 62 Prozent aller KMU rechnen im 1. Quartal 2018 mit weiter steigenden Exporten. Der positive Trend aus dem Vorjahr setzt sich somit fort und erreicht neu ein rekordhohes Niveau. «Eine Exportstimmung auf Rekordniveau spiegelt die hervorragende Ausgangslage für Schweizer KMU. Vor allem die MEM-Industrie darf wohl auf einen starken Aufschwung hoffen, nachdem sie in den letzten Jahren sehr gelitten hat», sagt Alberto Silini, Leiter Beratung bei Switzerland Global Enterprise. Laut Silini profitiere die gesamte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie von der Erstarkung des Euro. Alle MEM-Bereiche konnten im vergangenen Jahr zulegen. «Für die Schweizer Wirtschaft ist das ein positives Zeichen. Es zeigt, dass die Produkte wieder konkurrenzfähiger sind und nach wie vor mit Schweizer Innovation, Qualität und Präzision überzeugen können», präzisiert er.

Exportbarometer zeigt nach oben

Ein ähnlich positives Bild zeigt das Exportbarometer der Credit Suisse. Dieses liegt erneut weit in der Wachstumszone. Für 2018 rechnet die Credit Suisse mit einem Exportwachstum von 4 Prozent. Nachdem die Schweizer Industrie 2015 und 2016 vor allem wegen des Euro-Wechselkurses stark gelitten hatte, dürfte sie 2018 zu einem dynamischen Treiber für die gesamte Schweizer Wirtschaft avancieren. «Die Exportaussichten für 2018 sind ausgezeichnet», sagt Sascha Jucker, Ökonom bei der Credit Suisse. «Das Exportbarometer der Credit Suisse liegt auf einem höheren Stand als in den Boomjahren 2004 bis 2007. Wir gehen davon aus, dass die Erstarkung des Euro auch 2018 anhält. Das und eine höhere Inflation in den wichtigsten Absatzmärkten hilft zusätzlich, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer KMU zu stärken», ergänzt der Ökonom weiter.

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Getrieben wird diese Zunahme vom breit abgestützten Industriewachstum in Europa und den USA. Positiv ist auch der Ausblick auf die Währungs- und Preisentwicklung. Während die Erstarkung des Euro nachhaltig bleiben sollte, stärkt auch eine höhere Inflation in den wichtigsten Absatzmärkten die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer KMU. Gemäss Einschätzung der Credit Suisse dürfte die Erstarkung des Euro gegenüber dem Schweizer Franken nachhaltig sein. Die Wechselkursentwicklung dürfte sich daher auch 2018 positiv auf die Margen der Exporteure auswirken.

Frankreich entwickelt sich positiv …

«Für die Exporteure bleibt Deutschland mit Abstand der wichtigste Absatzmarkt. Die exzellenten Aussichten bieten den KMU jetzt aber auch eine ideale Gelegenheit, neue Märkte zu entdecken», sagt Alberto Silini vom S-GE. Die exzellenten Aussichten bieten den KMU jetzt aber auch eine ideale Gelegenheit, neue Märkte zu entdecken.» Dahin wollen 78 Prozent der befragten KMU in den ersten sechs Monaten des neuen Jahres Waren oder Dienstleistungen ausführen. Auf dem zweiten Platz ist Frankreich mit 64 Prozent der Nennungen. Danach kommen die USA mit 54 Prozent, gefolgt von Italien und Österreich mit je 53 Prozent. 43 Prozent der Schweizer KMU werden im nächsten Halbjahr nach China, Spanien und Grossbritannien exportieren. Mit 41 Prozent folgen Skandinavien und die Niederlande. Auch in Bezug auf die Wichtigkeit der Exportdestinationen per Ende 2018 schwingt Deutschland oben aus. 47 Prozent der befragten KMU nennen unser Nachbarland – gemessen am Volumen – als den wichtigsten Exportmarkt. Des Weiteren gehören auch die USA, China und Frankreich zu den wichtigsten Zielmärkten für die Schweizer KMU. Wenn Unternehmen noch nicht in diese Märkte exportieren, möchten sie diese 2018 angehen. 16 Prozent geben an, in China neu aktiv zu werden. Attraktiv bleiben auch die USA, wohin 15 Prozent exportieren wollen, gefolgt von Russland, Frankreich und Brasilien mit je 13 Prozent. Vor allem der westliche Nachbar Frankreich dürfe durch die starke Marktposition Deutschlands nicht aussen vor gelassen werden. «Das Bruttoinlandprodukt befindet sich in Frankreich seit 2013 im Wachstum», bestätigt Silini auf Nachfrage. Das Land biete mit seinen knapp 67 Millionen Einwohnern einen gros­sen Markt, vor allem auch für die MEM-Industrie. «Die französische Industrie hat einen hohen Modernisierungsbedarf und muss sich mit neuen Technologien und Maschinen ausrüsten», erklärt er. Für Schweizer MEM-Firmen sei dies ein grosses Wachstumspotenzial.

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… China (weiterhin) auch

Die chinesische Wirtschaft befindet sich noch immer im Wachstum und bleibt für Schweizer Exporteure interessant. «Im Jahr 2017 exportierte die Schweizer Wirtschaft Waren im Wert von 16,7 Milliarden Franken nach China und Hongkong», sagt Silini. Einerseits biete China einen grossen Markt, in welchem auch Nischenprodukte einen Platz finden. Andererseits profitieren Schweizer Unternehmen vom Freihandels­abkommen mit China. «Sie haben damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten aus Ländern, die mit China kein Freihandelsabkommen abgeschlossen haben», so der Leiter Beratung beim S-GE. Das sei vor allem für die MEM-Branche von Bedeutung: Aufgrund des Freihandels­abkommens mit China werden in den kommenden Jahren 92 Prozent aller Produkte der MEM-Industrie von Zöllen befreit sein.

Währungseffekte stärken Wettbewerbsfähigkeit

Positive Währungseffekte haben 2017 zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Export beigetragen. So legte der Euro gegenüber dem Franken von 1,07 auf bis 1,17 zu. Für die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Schweizer KMU sind der Euro und der US-Dollar die mit Abstand wichtigsten Handelswährungen. Da Exporte und Importe oft in diesen Fremdwährungen fakturiert werden, übernehmen die Schweizer Unternehmen die Währungsschwankungen und somit auch die Währungsrisiken eins zu eins. «Während also eine Abschwächung des Euro die Marge der Exporteure verkleinert, wirkte sich diese neue Aufwertung entsprechend positiv auf die Geschäftslage der Schweizer KMU aus», fügt Silini hinzu.

Neben den Wechselkursen spiele auch die Entwicklung der Preise im Absatzmarkt eine entscheidende Rolle. 2017 stiegen die Preise für Industriegüter in Europa und den USA stark an. In der Schweizer Industrie fielen die Preissteigerungen bisher nur schwach aus. Dadurch gewannen 2017 viele Schweizer Exporteure an Wettbewerbsfähigkeit. Für die Schweizer KMU werde die richtige Preispolitik eine Herausforderung bleiben, meint Silini. Trotz der leichten Währungserholung sind die Schweizer Produkte und Dienstleistungen teurer als ähnliche Angebote aus dem Ausland. «Schweizer Unternehmen müssen in vielen Märkten einen klaren Mehrwert ihres Produktes aufzeigen, um exportieren zu können. Wie gross der Spielraum für die Preisgestaltung ist, kommt auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an und muss jedes Unternehmen selber einschätzen», fügt er hinzu. Die Erwartungen der Unternehmer, der Euro-Wechselkurs sowie die gute Konjunkturlage in den wichtigsten Märkten deuten aber weiterhin auf eine positive Geschäftsentwicklung im Jahr 2018 hin. -sc- SMM

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