Swissmem Symposium 2015

Fachkräftemangel akzentuiert sich

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Familienfreundlichkeit als Trumpf

Marcel Lenherr legte dabei den Fokus auf den Standort des Unternehmens. Der Spruch «Dort arbeiten, wo andere Ferien machen» ziehe schon lange nicht mehr, meinte er, denn die Randregionen hätten mit der Abwanderung von Fachkräften in Wirtschaftszentren zu kämpfen. Die Unternehmen müssten sich daher etwas einfallen lassen, damit sie attraktiv bleiben. Bei der Wenzel Metromec AG habe man schnell gemerkt, dass Familienfreundlichkeit ein Trumpf sei, erklärte Lenherr. So bietet das Unternehmen zeitlich und örtlich flexible Arbeitsbedingungen an.

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Lehrlinge als «Leuchttürme»

Martin Sauter betonte, dass ein gut ausgebautes Lehrlingswesen dem Fachkräftemangel entgegenwirken könne. Der Kampf um gute Talente nehme zu, darauf habe sich ein Unternehmen einzurichten. Die Sauter, Bachmann AG setzt dabei auf einen top ausgestatteten Arbeitsplatz mit modernem Maschinenpark und bietet den Auszubildenden hochstehende und spannende Arbeiten, für die sie die Verantwortung zu übernehmen haben. Zudem setzt das Unternehmen auf sogenannte «Leuchttürme». Das sind Lehrlinge, welche die Firma und den Beruf ausserhalb des Unternehmens repräsentieren. So hat bei Sauter, Bachmann zum Beispiel Patrick Küng, Ski-Abfahrtsweltmeister, die Lehre als Polymechaniker absolviert. Auch die Teilnahme an den Berufsweltmeisterschaften sieht Sauter als gutes Mittel, das Unternehmen als Ausbildungsort bekannt zu machen.

Generationenübergreifende Personalpolitik

Mit der Frage, wie man ältere Mitarbeiter im Arbeitsprozess halten oder wieder integrieren kann, beschäftigte sich Volker Stephan, Leiter HR, ABB Europa. Er stellte fest, dass gerade der grösser werdende Anteil der Berufstätigen über 50 von vielen Unternehmen nicht optimal genutzt wird. Die Unternehmen sollten das Alter als eine Dimension von Vielfalt ansehen und als Chance nutzen. 50+-Programme lassen dabei aber oft einen generationenübergreifenden Ansatz vermissen. Sie wirken eher zielgruppenorientiert isolierend als übergreifend integrierend. Aber gerade hier sieht Volker Stephan den Erfolg: Die optimale Nutzung aller Personalressourcen muss generationenübergreifend betrachtet werden.

Warnung vor Akademisierungsfalle

Den Abschluss der Veranstaltung machte Rudolf Strahm, alt Nationalrat und ehemaliger Preisüberwacher. Pointiert gab er einen Überblick über das Bildungssystem der Schweiz und brach eine Lanze für das duale Bildungssystem. Er zeigte auf, dass gerade in Ländern, in denen es kein duales Berufsbildungssystem gibt, die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist. Daher warnt Strahm davor, immer mehr junge Menschen an die Universitäten zu schicken. Mit dem Prinzip «Kein Abschluss ohne Anschluss» stelle gerade das Schweizer Bildungssystem auf allen Bildungsstufen Weiterbildungsmöglichkeiten bereit, erklärte Strahm. Zurzeit fehle es gemäss Strahm an einem koordinierten Vorgehen auf diversen Stufen des Bildungswesens. Dies sei unbedingt notwendig, um dem Fachkräftemangel entgegenwirken zu können. Die verschiedenen Akteure wie Bund, Kantone, Bildungsanbieter, Unternehmen und Verbände müssen hier an einem abgestimmten Massnahmepaket arbeiten. Ziel müsse es sein, nicht auch in eine Akademisierungsfalle zu laufen, wovor Strahm auch in seinem gleichnamigen Buch warnt. <<

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