Swissmem Symposium 2015 Fachkräftemangel akzentuiert sich

Redakteur: Susanne Reinshagen

Bereits zum 13. Mal lud Swissmem zu ihrem Symposium an den Zürichsee. Dieses Jahr stellte man das Thema Fachkräftemangel ins Zentrum. Referenten aus Wirtschaft und Politik näherten sich dem Thema aus verschiedenen Richtungen und versuchten, mögliche Handlungsfelder aufzuzeigen, mit denen man dem Problem begegnen kann.

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Das Swissmem Symposium bietet gute Gelegenheit sein Netzwerk zu pflegen und zu erweitern.
Das Swissmem Symposium bietet gute Gelegenheit sein Netzwerk zu pflegen und zu erweitern.
(Bild: : Giulia Marthaler)

Auch dieses Jahr empfing strahlender Sonnenschein die Besucher des 13. Swissmem Symposiums in Zürich. Das Thema «Erfolgsfaktor Fachkräfte» stiess nicht nur bei den Unternehmern und Geschäftsführern auf Interesse, sondern auch bei vielen Personalverantwortlichen, die sich über moderne Konzepte des Personalmanagements in der MEM-Industrie informieren wollten. Sehr kompetent führte auch dieses Jahr wieder Reto Lipp, Wirtschaftsjournalist und Moderator bei SRF durch die Veranstaltung.

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Fachkräftemangel auf allen Bildungsstufen

Eröffnet wurde das Symposium durch Hans Hess, Präsident von Swissmem. Er stellte fest, dass der Fachkräftemangel sowohl bei KMUs (65 %) wie auch bei grossen Unternehmen (78 %) ein Thema ist und sich diese Problematik durch alle Bildungsstufen zieht, von der Berufsbildung bis zu den Akademikern.

Gründe für den Fachkräftemangel sieht Hess im demographischen Wandel. Jährlich verzeichnet die Branche 17 000 bis 21 000 Abgänge durch Pensionierungen, Frühpensionierungen oder Berufswechsel. Demgegenüber entscheiden sich etwa 4000 bis 5000 Personen pro Jahr, in die MEM-Branche einzusteigen. Diese Diskrepanz gilt es auszugleichen, was durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) zusätzlich erschwert wird. Es seien nun neue Personalstrategien gefragt, meint Hess und erachtet es als ganz wichtig, dass man bereits die jungen Menschen für die Technik begeistert. Dabei müssten sowohl Buben wie Mädchen angesprochen werden. Im Lehrplan 21 sieht Hess gute Ansätze, dass die MINT-Berufe gestärkt werden. Weiter müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden, damit auch mehr Frauen in der MEM-Industrie arbeiten wollen. Zudem sei es wichtig, die grosse Anzahl an Frühpensionierungen in der Branche zu reduzieren.

Zu wenig Teilzeitstellen

Wolfram Kägi, Geschäftsführer der B,S,S. Volkswirtschaftliche Beratung, hat den Fachkräftemangel mit Datenmaterial belegt. Er machte in einer Studie, die er im Auftrag von Swissmem durchgeführt hat, bei 5 von 11 MEM-Berufsfeldern eine klare Knappheitssituation aus. Diese sind: MEM-Ingenieure, MEM-Techniker, technische Fachkräfte, Maschinisten und MEM-Informatiker. Auch er sieht die Probleme ähnlich wie Hess in der Beschäftigungsstruktur der Branchen wie zum Beispiel den zu geringen Frauenanteil, zu wenige Teilzeitstellen und zu viele Frühpensionierungen.

Schutzklausel statt Kontingentierung

Mit viel Engagement hat sich Kareen Vaisbrot, Leiterin Arbeitgeberpolitik bei Swissmem, für den Erhalt der bilateralen Verträge ausgesprochen, die durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) gefährdet sind. In seinem Gesetzesentwurf zur Umsetzung der MEI sieht der Bundesrat eine Kontingentierung und Bewilligungspflicht für alle Kategorien von Einwanderern vor, kombiniert mit einem strikten Inländervorrang. Dies widerspreche dem Prinzip der Personenfreizügigkeit, die ein zentraler Bestandteil der bilateralen Verträge sei, erklärte Vaisbrot und erläuterte den Ansatz, den Swissmem bei der Umsetzung der MEI favorisiert: Mit der Anwendung einer sogenannten Schutzklausel soll das Prinzip der Personenfreizügigkeit unangetastet bleiben. Dieses Modell sieht vor, dass bis zu einer noch festzulegenden Obergrenze weiterhin die volle Personenfreizügigkeit mit den EU- und EFTA-Staaten gelten soll. Dazu soll der Bundesrat auf Verordnungsstufe ein sogenanntes Globalkontingent festlegen, das jeweils angepasst werden kann. Ist dieses ausgeschöpft, wird die Einwanderung von Arbeitskräften vorübergehend kontingentiert.

Licht am Ende des Tunnels

Peter Meier von der USP Consulting GmbH wagte auch dieses Jahr wieder eine Prognose zum Geschäftsverlauf der MEM-Industrie. Er sieht für die frühzyklischen Branchen erste Erholungstendenzen ab 2016. Für die spätzyklischen Branchen erwartet er eine Entspannung der Situation ein Jahr später. Weiter wies er darauf hin, dass die MEM-Industrie in Bezug auf die Absatzmärkte ein Klumpenrisiko habe. Etwa 80 % der Umsätze werden in Europa, den USA und China getätigt. Hier sieht Meier Chancen, indem man den Fokus auch auf andere Absatzmärkte legt. Konkret nannte er die Türkei, Vietnam, Indonesien und Mexiko.

Beispiele aus der Praxis

Am Nachmittag zeigten Martin Sauter, Geschäftsführer Sauter, Bachmann AG, Netstal, und Marcel Lenherr, Geschäftsführer der Wenzel Metromec AG aus Chur, welchen Herausforderungen sie bei der Suche nach Fachkräften gegenüberstehen und wie sie diesen begegnen.

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