Zollschock aus den USA Exportnation Schweiz unter enormem Druck

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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In der Nacht zum Schweizer Nationalfeiertag haben die USA dramatische Fakten geschaffen: Ab dem 7. August 2025 erhebt sie Einfuhrzölle von 39 Prozent auf Importe aus der Schweiz. Das trifft die stark exportorientierte Tech-Industrie sowie auch die übrige Exportwirtschaft hart und gefährdet mehrere Zehntausend Stellen in der Schweiz.

Die USA erhebt Einfuhrzölle von 39 Prozent auf Importe aus der Schweiz.(Bild:  KI-generiert)
Die USA erhebt Einfuhrzölle von 39 Prozent auf Importe aus der Schweiz.
(Bild: KI-generiert)

«Der 1. August ist ein rabenschwarzer Tag für die knapp 330 000 Mitarbeitenden der Schweizer Tech-Industrie sowie die gesamte Schweizer Exportindustrie», sagt Swissmem-Präsident Martin Hirzel.

Die Schweiz verdient jeden zweiten Franken im Aussenhandel. Der Wohlstand aller sei in Gefahr. Es brauche nun ein Reformpaket, welches die Rahmenbedingungen für die Exportwirtschaft drastisch verbessert. Primär müsse der Zugang zu den übrigen Weltmärkten weiter verbessert werden. Allfällige Referenden gegen die jüngst abgeschlossenen Freihandelsabkommen mit Malaysia, Thailand und insbesondere den Mercosur-Staaten wären laut Swissmem unverantwortliche Rückenschüsse gegen die Tech-Industrie sowie die gesamte Schweizer Exportwirtschaft. Zudem dürfe es keine neuen Belastungen für die Unternehmen geben.

Massive direkte und indirekte Auswirkungen

Die Zölle treffen die Schweizer Tech-Industrie hart. Hinzu kommt, dass der US-Dollar seit Anfang Jahr gegenüber dem Schweizer Franken um 10 Prozent schwächer wurde. Die nun verhängten Zölle liegen um ein Vielfaches höher als die Zölle der internationalen Konkurrenten der Schweiz. Damit drohen kurz- oder mittelfristig die Exporte in die USA – im Durchschnitt 10-15 Prozent des Auftragsvolumens der Schweizer Tech-Industrie – wegzufallen. Denn in der Summe verunmöglichen es die neuen Zölle und der schwache US-Dollar, das US-Geschäft aus der Schweiz heraus zu betreiben. Die Unternehmen werden gezwungen, dieses ins Ausland zu verschieben – zum Beispiel in die EU, welche mit deutlich tieferen Zöllen belastet wird. Viele KMU werden das US-Geschäft komplett verlieren.

Betroffen ist nicht nur die Tech-Industrie, sondern alle anderen Exportbranchen ebenfalls. Gemeinsam bilden sie den zentralen Pfeiler des Schweizer Wohlstandes.

Ich bin fassungslos. Diese Zölle basieren auf keinerlei rationaler Basis und sind willkürlich. Dieser Entscheid gefährdet in der Industrie mehrere Zehntausend Stellen.

Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem

Wake-up Call für die Schweiz

In den vergangenen Wochen haben Bundesrat und Verwaltung alles getan, um ein positives Ergebnis zu erzielen und hatten mit der US-Administration eine Vereinbarung ausgehandelt, wurden jedoch durch den erratischen Entscheid des US-Präsidenten ausgebremst. Swissmem: «Für das grosse Engagement danken wir – nun müssen wir unbeirrt und mit kühlem Kopf weiterverhandeln. Dazu ist die Türe weiter offen.»

Aus Sicht von Swissmem wäre es falsch, gegenüber den USA Gegenmassnahmen einzuführen. Das würde der grössten Volkswirtschaft nicht schmerzen, da der Schweizer Markt für US-Exporte viel zu klein sei. Richtig und wichtig sei hingegen, dass die Schweiz zusammensteht und die Rahmenbedingungen zugunsten der Exportwirtschaft rasch und radikal verbessert werden. Denn die Schweiz verdient jeden zweiten Franken im Aussenhandel. «Es geht um den Wohlstand von uns allen», betont Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem. Folgende Schritte müssten nun folgen:

  • Der Zugang zu den übrigen Weltmärkten müsse weiter verbessert werden. Diese Strategie verfolge der Bund seit Jahren mit Erfolg, wie das Beispiel des Freihandelsabkommens mit Indien zeigt. Jüngst kamen die Abkommen mit Malaysia, Thailand und insbesondere den Mercosur-Staaten hinzu. Ohne erfolgreiche Exportwirtschaft fehle das Geld für soziale Sicherheit, Gesundheitswesen und Infrastruktur – mit negativen Konsequenzen auch für Binnenmarktsektoren wie das Gastgewerbe oder die Bauwirtschaft.
  • Die neuen bilateralen Verträge mit der EU gewinnen an noch grösserer Bedeutung – gerade auch wegen des Streitschlichtungsmechanismus. Der innenpolitische Prozess zu den Bilateralen III müsse nun zügig vorwärtsgetrieben werden.
  • Um die bereits unter Druck stehenden Firmen zu entlasten, müsse das Parlament die maximale Bezugsdauer für Kurzarbeitsentschädigung noch in diesem Jahr auf 24 Monate ausdehnen. Das könne Massenentlassungen verhindern.
  • In der Herbstsession müsse der Nationalrat das Kriegsmaterialgesetz (KMG) in der Fassung des Ständerats ohne Änderungen beschliessen. Andernfalls werde die Schweizer Rüstungsindustrie untergehen und die Schweiz einen Verhandlungspoker mit ausländischen Grossmächten verlieren.

Generell dürfe es keine neuen Belastungen für die Unternehmen geben. Das betreffe insbesondere neue Lohnnebenkosten oder kostentreibende Regulierungen. Der Ausbau der Sozialwerke müsse gestoppt und höhere Lohnnebenkosten verhindert werden, jede Verschärfung des CO2-Gesetzes oder ein Investitionsschutzgesetz seien laut Swissmem Gift. Martin Hirzel: «Wir müssen in der Schweiz nun alle zusammenstehen und die Exportindustrie retten.»

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