Jahresergebnis 2021 Feintool mit positivem Ergebnis, Übernahme Kienle + Spiess

Von Anne Richter

Trotz des sehr herausfordernden Marktumfelds konnte Feintool das Geschäftsjahr 2021 mit einem starken Umsatzwachstum und einem Betriebsergebnis (EBIT) von rund sechs Prozent abschliessen, der Umsatz stieg um 19,5 Prozent. Grünes Licht für die Übernahme von Kienle + Spiess gab es von der Kartellbehörde.

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Feintool ist ein international agierender Technologie- und Marktführer in den Technologien Feinschneiden, Umformen und E-Blechstanzen zur Verarbeitung von Stahlblechen.
Feintool ist ein international agierender Technologie- und Marktführer in den Technologien Feinschneiden, Umformen und E-Blechstanzen zur Verarbeitung von Stahlblechen.
(Bild: Feintool)

Die Kartellbehörde hat dem Kauf der Kienle + Spiess GmbH durch die Feintool-Gruppe zugestimmt. Der Vollzug des am 6. Dezember 2021 unterzeichneten Kaufvertrags wurde damit am 28. Februar 2022 um 24 Uhr umgesetzt. Mit dem Kauf der europäischen Kienle + Spiess GmbH stärkt Feintool ihre Marktstellung im Bereich der Elektrifizierung als Zukunftstechnologie entscheidend. Kienle + Spiess GmbH liefert Rotoren und Statoren für hocheffiziente elektrische Antriebe. Rotor und Stator bilden die leistungserzeugenden Kernkomponenten eines Elektromotors oder eines Generators. Das Unternehmen Kienle + Spiess ist einer der führenden Zulieferer auf diesem Gebiet. Mit der Übernahme baut Feintool ihr jüngstes Standbein des Elektroblechstanzens signifikant aus und positioniert sich als einer der bedeutenden europäischen Hersteller von Motorkernen für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und Hybride (HEV), Industrieantriebe und regenerative Energien.

Von zahlreichen Herausforderungen geprägtes Geschäftsjahr

Die anspruchsvolle Situation mit Unsicherheitsfaktoren und die damit verbundene nur schwierig prognostizierbare gesamtwirtschaftliche Entwicklung führte zu einem schwierigen Geschäftsjahr 2021. Der coronabedingten Nachfrageschwäche folgte eine rasche Wiederbelebung der Konjunktur zum Jahresbeginn. Gegen Mitte des Jahres geriet der Aufschwung ins Stocken. Lieferengpässe, Preissteigerungen und Auswirkungen der Pandemie führten dazu, dass weltwirtschaftliche Wachstumsprognosen korrigiert werden mussten. In der für Feintool wichtigen Automobilindustrie entstand die Situation, dass das Angebot mit der Nachfrage nicht mehr Schritt halten konnte. Die Branche wurde mit einem weltweiten Mangel an Computerchips und zusätzlich mit sehr hohen Stahlpreisen konfrontiert. Dies führte in der zweiten Jahreshälfte zu deutlichen Umsatzeinbrüchen, Millionen von Fahrzeugen konnten nicht fertiggestellt und verkauft werden.

Trotz dieser sehr herausfordernden Rahmenbedingungen konnte sich die Feintool-Gruppe gut behaupten und das Geschäftsjahr 2021 mit einem deutlichen Zuwachs bei allen relevanten Kennzahlen abschliessen. Das Mengenwachstum hat zu einer besseren Auslastung der Werke und damit zu einer höheren Profitabilität geführt. Unsere Segmente und Regionen sind gut und flexibel aufgestellt und haben trotz der dauernden Geschäftsschwankungen erfreuliche Resultate erwirtschaftet. Die Geschäftsentwicklung zeigte jedoch Unterschiede in regionaler und technologischer Hinsicht.

Markant höherer Umsatz

Der konsolidierte Gruppenumsatz stieg um 19,5 Prozent auf CHF 588,1 Mio. Die Hälfte des Wachstums war ein Mengenwachstum und die andere Hälfte des Anstiegs kam von höheren Materialpreisen und damit verbunden von höheren Verkaufspreisen. Während das Segment Fineblanking Technology im Pressen- und Servicegeschäft einen Umsatzrückgang von 14,7 Prozent auf CHF 37,7 Mio. verzeichnete, konnte das Segment System Parts mit dem Serienteilegeschäft – währungsbereinigt – um 20,6 Prozent auf CHF 559,8 Mio. gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zulegen.

Die Feintool-Gruppe erwirtschaftete einen EBIT von CHF 33,9 Mio., was einer EBIT-Marge von 5,8 Prozent entspricht. Darin enthalten sind negative Einmaleffekte in Höhe von CHF 0,5 Mio. Ohne Einmaleffekte betrug das operative Ergebnis CHF 34,4 Mio., was einer operativen EBIT-Marge von 5,9 Prozent entspricht. Das operative Ergebnis des Segments System Parts stieg auf CHF 46,2 Mio., einer Marge von 8,3 Prozent entsprechend. Das Segment Fineblanking Technology erlitt einen operativen Verlust, was auf die nach wie vor zurückhaltende Investitionsbereitschaft des Marktes zurückzuführen ist. Insgesamt resultierte unter Einbezug der Einmaleffekte ein Konzerngewinn von CHF 19,2 Mio. Die Umsatzrendite betrug somit in diesem Zeitraum 3,3 Prozent. Daher wird anlässlich der Generalversammlung am 28. April 2022 eine Dividende von CHF 1 pro Aktie zur Ausschüttung an die Aktionäre beantragt.

Eckwerte zur Kapitalerhöhung

Zwecks Refinanzierung der Überbrückungsfinanzierung für den Erwerb der Kienle + Spiess GmbH und für die Zuführung von Mitteln für zukünftige Investitionen ist eine Kapitalerhöhung im Umfang von CHF 200 Millionen geplant. Der Ausgabepreis ist im Zeitpunkt der Publikation dieser Medienmitteilung noch nicht bekannt. Die Bezugsrechte sollen vollumfänglich gewährt werden und es ist ein Handel mit Bezugsrechten vorgesehen. Die UBS fungiert als Global Coordinator und Joint Bookrunner, die Zürcher Kantonalbank als Joint Bookrunner.

Nachhaltigkeitsziele gesetzt

Der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt ist für Feintool ein zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Die Gruppenleitung hat im Berichtsjahr Ziele zur nachhaltigen Entwicklung in den Bereichen Umwelt, Innovation und Mitarbeitende gesetzt. So werden bis ins Jahr 2030 die CO2-Emissionen (Scope 1 und 2) um 50 Prozent reduziert und der Umsatzanteil von CO2-freundlichen Anwendungen auf 70 Prozent gesteigert. Für die Mitarbeiter will das Unternehmen 2022 eine erfolgreiche Umsetzung des globalen Talentmanagement-Programms erreichen und einen Talentpool aufbauen, um als Arbeitgeber Nachwuchskräfte zu fördern. Eine vollständige Berichterstattung erfolgt mit dem Nachhaltigkeitsbericht 2021, welcher Ende April 2022 publiziert wird.

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Optimistisch in die Zukunft

Die Herausforderungen, die zur globalen Chipkrise beigetragen haben, werden Feintool auch 2022 begleiten. Das Unternehmen stellt sich weiterhin auf kurzfristige, pandemiebedingte und von Region zu Region unterschiedlich ausgeprägte Herausforderungen ein. Dazu gehören Engpässe in den Lieferketten oder die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise. Die Lieferengpässe lösen sich laut Prognosen nur allmählich auf. Es wird erwartet, dass es bei den wirtschaftlichen Aktivitäten ab dem zweiten Quartal wieder zu einer normalen Auslastung kommt. Mit Nachholeffekten, die wiederum zu einer zeitweisen Überlastung führen, muss gerechnet werden.

Feintool geht optimistisch in die Zukunft: Trotz aller Herausforderungen bleibt die internationale Automobilindustrie ein Wachstumsmarkt, für welchen technologische Kompetenzen und Innovationsstärke entscheidend sind. Der Markt wird Feintool dank ihrer klaren Transformationsstrategie auf Erfolgskurs halten.

Guidance: Deutliche Umsatzsteigerung bei leicht tieferer Profitabilität

Die Erholung dürfte sich im Geschäftsjahr 2022 fortsetzen. Jedoch werden auch die Unsicherheiten in den weltweiten Lieferketten andauern. Insbesondere die für die Automobilindustrie relevante Halbleiterknappheit sowie die Unsicherheit bei den Rohstoff- und Energiepreisen belasten die Branche. Vorbehältlich unvorhergesehener Umstände erwartet Feintool für das Gesamtjahr 2022 einen Umsatz von über CHF 800 Mio. sowie eine EBIT-Marge von über 3 Prozent.

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