Mitarbeiterführung Führungskräfte beachten die «fleissigen Bienen» zu wenig

Autor / Redakteur: Hans-Peter Machwürth / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Führungskräfte konzentrieren sich bei ihrer Führungsarbeit oftmals nur auf die sogenannten High- und Low-Performer in ihrem Führungsbereich. Recht wenig Beachtung schenken sie hingegen den Mitarbeitern, die schlicht ihre Aufgaben erfüllen. Dabei halten genau diese «fleissigen Bienen» den Betrieb am Laufen und leisten den grössten Beitrag zur Wertschöpfung.

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Anstatt sich nur auf die Low- und High-Performer zu konzentrieren, sollten Führungskräfte die „normalen“ Mitarbeiter nicht zu sehr vernachlässigen.
Anstatt sich nur auf die Low- und High-Performer zu konzentrieren, sollten Führungskräfte die „normalen“ Mitarbeiter nicht zu sehr vernachlässigen.
(Bild: © FotolEdhar - Fotolia)

Im Betriebsalltag konzentriert sich die Aufmerksamkeit vieler Führungskräfte auf die Mitarbeitergruppen der Low- und High-Performer:

  • die Low-Performer – also die Mitarbeiter, deren Arbeitseinstellung und -verhalten nicht den Erwartungen entspricht, weshalb man ihnen, salopp formuliert, regelmässig auf die Füsse treten muss. Und:
  • die High-Performer – also die Mitarbeiter, die fachlich fit und hochmotiviert sind und bei Bedarf auch eigenständig neue Problemlösungen entwerfen. Denn diese Mitarbeiter sind meist recht selbstbewusst und karriereorientiert. Ausserdem fordern sie von ihren Führungskräften Information und wenn nötig aktiv eine Unterstützung.

Die «fleissigen Bienen» bei Führungsarbeit mehr beachten

Eher wenig Beachtung schenken die Führungskräfte hingegen meist den «grauen Mäusen», die kompetent und ausdauernd sowie ohne zu murren und grosse Forderungen zu stellen, ihre Arbeit verrichten. Sich mit diesen Mitarbeitern zu befassen, besteht für die Führungskräfte auch kein Anlass: Sie funktionieren ja.

Dabei bestünde hierzu Anlass. Denn die «grauen Mäuse» oder sachgemässer formuliert «fleissigen Bienen» machen in der Regel mindestens zwei Drittel der Beschäftigten aus. Sie sind zudem zwar nicht das Herz und Hirn, aber das Rückgrat jedes Unternehmens. Und sie leisten aufgrund ihrer Zahl und Zuverlässigkeit meist den grössten Beitrag zur Wertschöpfung der Organisation. Also sollten Führungskräfte diesen Mitarbeitern auch die verdiente Beachtung schenken – auch wenn es darum geht, die Leistung ihres Bereichs zu steigern.

Zum Steigern ihrer Leistung sind die «fleissigen Bienen» in der Regel fähig und bereit. Unter folgenden Voraussetzungen:

  • Ihre Führungskraft nimmt die (Leistung der) «fleissigen Bienen» überhaupt wahr und wertschätzt sie,
  • sie sucht den Dialog mit ihnen und
  • ihre Anforderungen und Erwartungen sind realistisch.

Das Rückgrat der Organisation stärken

Anders ist es, wenn Führungskräfte die «fleissigen Bienen» mit überzogenen Forderungen konfrontieren wie: «Im kommenden Jahr muss Ihr Output um 50 Prozent steigen». Eine solche Forderung wird als Affront erlebt. Nicht nur, weil die «fleissigen Bienen» sie als Ausdruck mangelnder Wertschätzung ihrer bisherigen Arbeit erfahren, sondern auch weil sie wissen: Wenn ich diese Vorgabe auch nur annäherungsweise erfüllen möchte, dann bedeutet das so viel Mehrarbeit, dass ich noch spät abends hier sitze, wenn mein Lebenspartner die Kinder ins Bett bringt. Das heisst: Die «fleissigen Bienen» erleben einen so überzogenen Anspruch auch als mangelnde Rücksichtnahme auf ihre persönlichen Interessen. Also beginnen sie (innerlich) zu rebellieren und zu opponieren. Das heisst, das Rückgrat der Organisation wird geschwächt.

Anders reagieren diese Mitarbeiter jedoch, wenn sich eine Führungskraft mit ihnen zusammensetzt und zum Beispiel sagt: «Herr Maier, Sie haben bisher von 100 Angeboten im Schnitt 27 in Aufträge umgewandelt. Eine gute Quote. Erachten Sie es unter gewissen Umständen als möglich, im Schnitt 30 von 100 Angeboten in Aufträge umzuwandeln?» Dann antwortet jede «fleissige Biene» ja. Dasselbe gilt, wenn die Führungskraft sagt: «Frau Müller, erachten Sie es als machbar, künftig in den Verhandlungen mit Kunden ein Prozent höhere Preise zu erzielen? Dadurch würde unsere Umsatzrendite von fünf auf sechs Prozent und unser Gewinn um 20 Prozent steigen.» Auch hierauf antwortet jeder gute Mitarbeiter «unter gewissen Voraussetzungen ja».

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