Engineering: Effizienzgewinn dank PDM/PLM

Gas geben mit Engineering Change Management

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Im Rahmen des Benchmarks bewertete das Projektteam auch das Variantenmanagement mit der Idee, einen regelbasierten Variantenkonfigurator in «CIM Database» zu implementieren. Davon verspricht man sich in der Technik eine bessere Kontrolle der Varianz und eine Reduzierung der Variantenvielfalt: Heute legen die Verkäufer neue Produktvarianten im ERP-System an, ohne immer genau zu wissen, ob die gewünschte Konfiguration in dieser Form schon einmal gebaut wurde und technisch überhaupt machbar ist, wie Th. Hilfiker erläutert: «Erst durch die Variantenstückliste haben wir gemerkt, wie viele Kombinationsmöglichkeiten wir haben. Das geht in die Millionen.»

ERP-Integration via Webservices

Contact unterstützte Robatech bei der Implementierung der PDM/PLM-Lösung und der Migration des umfassenden Datenbestands, die dank der guten Vorbereitung durch das Projektteam nicht mehr als zwei Wochen in Anspruch nahm. Insgesamt wurden 90 000 «Solid-Edge»-Modelle und -Zeichnungen, 62 000 Artikelstämme und 230 000 Stücklisten-Positionen in CIM Database übernommen, das ab diesem Zeitpunkt die Führungsrolle bei der Anlage von Artikelstämmen und Stücklisten übernahm. Über die XML-basierte Schnittstelle werden die Stammdaten schon im Prototypenstadium an das ERP-System übergeben, um den Beschaffungsprozess frühzeitig auslösen zu können. Wenn der Artikel ERP-seitig für die Nullserie oder Serienfertigung freigegeben wird, synchronisiert die Schnittstelle den Status in beiden Systemen via Webservices. Informationen wie Artikelpreis, Lagerbestand oder Lagerort, die im ERP-System gepflegt werden, können die Konstrukteure im PDM/PLM-System einsehen.

Implementierung und Konfiguration der PDM/PLM-Lösung haben sehr gut funktioniert, wie Th. Hilfiker betont. «Schwieriger war es, die Anwender an die neuen Abläufe zu gewöhnen, da PDM für sie absolutes Neuland war.» Das Konzept der «Contact Workspaces» kam ihnen bei der Einarbeitung entgegen, da es ihnen eine lokale Arbeitsumgebung zur Verfügung stellt, ohne sich sofort detailliert um die Datenverwaltung und die Synchronisation mit dem PDM/PLM-Backbone kümmern zu müssen. «Das lokale Arbeiten hat Performancevorteile und ist weniger fehleranfällig, weil die Anwender alle CAD-Daten, die sie benötigen, in eine einheitliche Arbeitsumgebung laden können», erklärt Th. Hilfiker.

Verbesserte Datenkonsistenz und Prozessdurchgängigkeit

Robatech hat CIM Database vor rund einem Jahr produktiv geschaltet – mit mehr Funktionalität als ursprünglich vorgesehen. So wurde schon im ersten Projektschritt die Verwaltung der Projekte mit Project Office implementiert. Derzeit wird die Lösung zu einem umfassenden Multiprojektmanagement konzipiert, mit dem alle laufenden Projekte aus Managementsicht geplant und überwacht werden sollen. In einem weiteren Schritt sieht die Roadmap vor, die Aufgabenverteilung und die Zuordnung von Ressourcen zu den Projekten mit Project Office zu steuern. Th. Hilfiker geht davon aus, dass sich der Anwenderkreis durch den Einsatz des Projektmanagements deutlich erweitern wird.

Dank PDM/PLM-Einsatz haben sich Datenkonsistenz und Prozessdurchgängigkeit verbessert, was die Fehlerrate deutlich reduziert hat, wie Th. Hilfiker weiter ausführt. Früher kam es beispielsweise immer wieder vor, dass die vereinfachten 3D-Modelle der Auftragssysteme, die Robatech seinen Kunden in einem Portal als Step- oder IGES-Dateien bereitstellt, nicht mit dem Original übereinstimmten, weil jemand vergessen hatte, sie nach der letzten Änderung zu aktualisieren. Heute ist über CIM Database sofort erkennbar, dass das Modell nicht dem aktuellen Versionsstand des Artikels entspricht.

Kürzere Änderungsprozesse durch Automatisierung

Die Softwareplattform unterstützt den Änderungsprozess durch eine elektronische Änderungsmappe, in der änderungsrelevante Informationen wie die Verwendungsnachweise zusammengefasst und automatisch an die Prozessbeteiligten geschickt werden kann. Eine Pilotimplementierung des «Engineering-Change-Management»-Moduls wird gerade getestet.

Robatech geht davon aus, dass sich der Änderungsprozess durch die Automatisierung wiederkehrender Tätigkeiten wesentlich verkürzen lässt. Vor allem aber erlaubt die Integration des Änderungswesens in die PDM/PLM-Umgebung eine Entkopplung von Durchführung und Freigabe der Änderung im ERP-System. Thomas Hilfiker abschliessend: «Früher haben wir die Änderung dann gemacht, wenn die Produktion sie benötigte. Heute können wir sie vorbereiten und automatisch an das ERP-System übergeben, wenn zum Beispiel der Lagerbestand eines kritischen Bauteils eine bestimmte Grenze unterschreitet.» <<

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