Die Einschätzung der Aussichten für die Schweizer Konjunktur durch die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) hat sich gegenüber der Herbstprognose 2024 zum Ende des Jahres leicht verschlechtert. Hauptgrund für die Abwärtsrevision ist die harzige Entwicklung des internationalen Umfelds, vor allem in Deutschland und Frankreich.
Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2022-2026, ohne internationale Sportveranstaltungen; real in Millionen Franken (Linie, rechte Skala; Daten in grau und Prognose in petrol; Prozentzahlen unterhalb Grafik sind Jahreswachstumsraten).
(Bild: SECO, KOF)
Die bereits schwache internationale Konjunktur hat sich im vierten Quartal 2024 weiter eingetrübt. Die KOF hat in ihrer Prognose die Aussichten insbesondere in den für die Schweiz wichtigen europäischen Absatzmärkten nach unten revidiert. Die Nachfrageschwäche dürfte noch bis Mitte dieses Jahres anhalten, dann sollte sich die konjunkturelle Lage leicht verbessern. Während sich die binnenorientierten Branchen dank eines starken Konsums stabil entwickeln, leidet der exportorientierte Teil der Schweizer Wirtschaft unter der gedämpften internationalen Nachfrage und dem starken Franken.
Getrübtes BIP-Wachstum
Für die Schweiz prognostiziert die KOF ein um 0.2 Prozentpunkte tieferes reales sportbereinigtes BIP-Wachstum von 1.4 Prozent (nicht-bereinigt 1 Prozent) in diesem Jahr. Für 2026 bleibt die Prognose unverändert bei 1.7 Prozent (nicht-bereinigt 2.1 Prozent).
Pharmabranche bleibt Wachstumstreiber in der Schweiz – Ausrüstungsinvestitionen sinken erneut
Am stärksten von der konjunkturellen Schwäche betroffen sind die industrienahen Dienstleistungen sowie das Verarbeitende Gewerbe. Ausnahme ist die Pharmabranche, die weiterhin überdurchschnittlich wächst und der grösste Wachstumstreiber für die Schweizer Wirtschaft ist. Die konjunkturelle Schwächephase zeigt sich auch in den niedrigen Investitionsplanungen der Unternehmen. Entgegen den Erwartungen der KOF sind die Ausrüstungsinvestitionen im dritten Quartal 2024 erneut gesunken. Es ist ein breiter Rückgang über alle Kategorien hinweg, der im Einklang mit der europäischen Investitionsrezession seit Ende 2023 steht. Dagegen haben sich die realen Bauinvestitionen in diesem Jahr um 2.2 Prozent erhöht. Die KOF prognostiziert, dass die Bauinvestitionen in allen Sparten in diesem und im nächsten Jahr weiter zunehmen.
Steigende Arbeitslosigkeit erwartet – Löhne dürften nominal um 1.8 Prozent zulegen
Die internationale Konjunkturentwicklung wirkt sich zunehmend negativ auf den Schweizer Arbeitsmarkt aus. Das unterdurchschnittliche Beschäftigungswachstum führt zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit. Branchen mit internationaler Orientierung wie das Gastgewerbe und die Industrie, die ohnehin eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit aufweisen, dürften besonders zum Anstieg der Arbeitslosigkeit beitragen. Gemäss SECO steigt die Arbeitslosenquote bis zum Jahr 2026 auf knapp 3 Prozent. Die Durchschnittslöhne dürften in diesem Jahr nominal um 1.8 Prozent zulegen. Nach Abzug der Teuerung von geschätzt 0.5 Prozent resultiert ein reales Lohnwachstum von 1.3 Prozent.
Inflation fällt stärker als erwartet – SNB setzt Zinssenkungen fort
Die Inflation in der Schweiz ist in den letzten Monaten etwas stärker als erwartet gesunken und liegt seit September 2024 unter 1 Prozent. Hauptgrund hierfür waren tiefer als erwartete Erdölpreise. Nach der Leitzinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um 50 Basispunkte im Dezember erwartet die KOF einen weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte im März diesen Jahres. Damit läge der Leitzins bei 0.25 Prozent. Eine Senkung des Referenzzinssatzes sowie ein verlangsamtes Lohnwachstum dürften den Inflationsdruck bei den Mieten und den inländischen Dienstleistungen verringern. Entsprechend hat die KOF in ihrer Prognose die Inflationsaussichten für die Jahre 2025 und 2026 auf 0.5 Prozent respektive 0.6 Prozent gesenkt.
Zunehmende politische Unsicherheit erhöht Prognoserisiko
In vielen für die Schweiz wichtigen Volkswirtschaften ist das politische Umfeld unsicher. Dies dürfte die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Absatzregionen in verschiedener Hinsicht beeinflussen. In der Prognose wurden minimale Effekte der angedrohten Zölle der Trump-Administration gegenüber China, Mexiko und Kanada angenommen. Diese Effekte könnten jedoch höher ausfallen und mehr Staaten betreffen als angenommen. Dies könnte zu Vergeltungszöllen bis hin zu Handelskriegen führen, unter denen alle beteiligten Länder leiden und die den Welthandel deutlich schwächen dürften. Zudem würden zusätzliche Zölle die Inflation anheizen, was die Nationalbanken unter Umständen dazu zwingen würde, die Zinsen für längere Zeit auf einem höheren Niveau zu belassen. Geopolitische Konflikte wie eine weitere Eskalation des Krieges in der Ukraine oder im Nahen Osten sowie erneute Drohgebärden Chinas gegenüber Taiwan könnten zu Rohstoffpreisschocks führen, die den Welthandel belasten und zu Lieferkettenunterbrüchen führen könnten.
Stand vom 30.10.2020
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Als Aufwärtsrisiko könnten die Steuersenkungen und Deregulierungsmassnahmen der Trump-Administration zu einem Boom in den USA führen und damit – sofern die Handelsbeschränkungen begrenzt bleiben – die Weltwirtschaft stützen. Unerwartet niedrige Inflationsraten könnten den privaten Konsum in den USA und Europa ankurbeln. Zudem würden eine schnellere Erholung der Anlageinvestitionen aufgrund nachlassender Unsicherheiten sowie eine raschere Rückkehr zu einer expansiven Geldpolitik die weltwirtschaftliche Erholung beschleunigen.
KOF-Konjunkturbarometer
Im Dezember 2024 sackte das KOF-Konjunkturbarometer um 3.4 Punkte auf einen Stand von 99.5 Zähler (nach revidierten 102.9 im Vormonat) ab. Die Indikatorenbündel, die im KOF-Konjunkturbarometer enthalten sind, zeigen einheitlich eine negative Entwicklung. Insbesondere die Indikatoren für das Verarbeitende Gewerbe und für die übrigen Dienstleistungen sowie für das Gastgewerbe, für die Auslandsnachfrage und für die Konsumnachfrage geben nach.
Innerhalb des Produzierenden Gewerbes (Verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe) sind die Indikatoren für die Teilaspekte der Geschäftstätigkeit mehrheitlich unter Druck. Insbesondere die Indikatoren der Produktionstätigkeit, der Auftragslage sowie der Auslandsnachfrage müssen zurückstecken. Eine Ausnahme stellen die Indikatoren für die Situation der Lager dar, welche sich der negativen Entwicklung ein wenig entgegenstellen.
Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes weisen vornehmlich die Indikatoren für die Chemie- und Pharmaunternehmen, die Textilunternehmen sowie jene für die Unternehmen des Fahrzeug- und Maschinenbaubereichs ungünstige Perspektiven aus. Während die Aussichten für die Nahrungs- und Genussmittelproduzenten nahezu unverändert sind, zeigen sich günstigere Perspektiven für die Branche Holz, Glas, Steine und Erden.