Trumpf Interview

Get connected: Die Smart Factory funktioniert nur als Gesamtkonzept

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Blechnet: Welche Trends sehen Sie in der Blechbearbeitung?

Mathias Kammüller: Immer wieder hören wir von unseren Kunden, dass die Losgrössen sinken und dass sie mit immer kürzeren Reaktionszeiten konfrontiert sind. Für uns Maschinenhersteller sehen wir daher einen Trend hin zu Lösungen, die noch mehr Flexibilität bieten und die Gesamtproduktivität steigern. Es geht nicht so sehr um noch schnellere einzelne Maschinen. Das ist auch wichtig. Aber unsere modernen Maschinen fertigen inzwischen so schnell, dass es hier nur noch wenig Potenzial für eine höhere Produktivität gibt. Anders sieht es bei den Prozessen vor und nach der Teilefertigung aus: Von der Bestellung über die Materialbeschaffung und Auftragseinlastung bis hin zur Rechnungsstellung gibt es viele Möglichkeiten, Zeit und Kosten einzusparen. Und daher richtet sich der Fokus stärker als bisher auf die Optimierung des gesamten Wertschöpfungsprozesses.

Blechnet: Vor wenigen Wochen haben Sie auf Ihrer Bilanzpressekonferenz die Trumpftochter Axoom vorgestellt. Klare Ansage war: „Für uns steht fest, dass wir die Smart Factory nicht Dritten überlassen werden, sondern die digitale Vernetzung selbst in die Hand nehmen.“ Axoom soll als offene, herstellerunabhängige Plattform den sicheren Datentransport sowie die Speicherung und Analyse von Daten ermöglichen. Gleichzeitig biete sie Module für die durchgängige Auftragsbearbeitung in einem Produktionsbetrieb. Auch hier geht es um die gesamte Wertschöpfungskette?

Mathias Kammüller:Ja, das ist richtig. Mit der Gründung von Axoom schauen wir über den eigenen Tellerrand hinaus und machen uns für eine neue, digitale, offene Geschäftsplattform stark, die die gesamte Wertschöpfungskette umfasst – und zwar herstellerunabhängig. Axoom macht nicht an Fabrikmauern Halt, sondern unterstützt Nutzer durchgängig, vom Lieferanten bis zum Kunden. Es ist ein neuer IT-Dienstleister, der die fertigende Industrie versteht. Wir – und darum auch Axoom – kennen die komplexe und wenig standardisierte Prozesswelt in kleinen und mittleren fertigenden Betrieben sehr gut. Auf diese Erfahrung und auf fundiertes Maschinen-Know-how baut Axoom, wenn das Unternehmen mithilfe von IT-Lösungen Prozesse in der Fertigung optimiert.

Blechnet: Wie sehen Sie den Markt rund um die Blechexpo und welche Entwicklung erwarten Sie?

Mathias Kammüller: Unser letztes Geschäftsjahr 2014/15 ist sehr erfreulich zu Ende gegangen. Wir konnten trotz des Wegfalls der Medizintechnik-Sparte den Gruppenumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 5 % auf 2,72 Mrd. Euro steigern. Wenn wir den Umsatz um die Medizintechnik bereinigen beträgt das Wachstum sogar 12,6 %. Positiv haben sich insbesondere China und Westeuropa entwickelt. Für das laufende Geschäftsjahr sehen wir viele geopolitischen Unsicherheiten sowie eine Abkühlung des Wachstums in China. Davon bleibt natürlich auch die Blechbranche nicht unberührt und so sind genaue Prognose schwierig. Langfristig bin ich mir sicher, dass der weltweite Blechbearbeitungs-Markt weiter wachsen wird. Dazu werden Schwellenländer, aber auch neue Technologien beitragen.

Blechnet: Herr Dr. Kammüller, vielen Dank für das Gespräch.

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