Interview mit Jörg Ellerkmann (Head of Sales & Service, TRUMPF Schweiz AG) «Predictive Maintenance bringt hohe Trefferquote»

Von Matthias Böhm 4 min Lesedauer

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Mit fast 600 Mitarbeitenden gehört Trumpf Schweiz zu einem der grösseren Industrieunternehmen. Im Interview zeigt Jörg Ellerkmann (Head of Sales & Service, TRUMPF Schweiz AG) auf, wie sich der Schweizer Markt im Bereich der Blechbearbeitung entwickelt und welche Rolle TRUMPF Schweiz im Bereich der Technologieentwicklung, Produktion, Vertrieb und Service, im Rahmen der Konzentration auf den Standort Grüsch, konkret einnimmt. Eine besondere Herausforderung ist die konsequente Weiterentwicklung von Automationslösungen, die zukünftig auch Fehlermeldungen selbstständig beheben kann, mittels Einsatzes von KI.

Jörg Ellerkmann (Head of Sales & Service, TRUMPF Schweiz AG): «Insbesondere für unseren technischen Kundendienst ist die Nähe zur Entwicklung sehr wertvoll. Kurze Wege, kurze Abstimmung sowie schnelle Reaktionszeit und umgehende Problemlösungen sind wesentliche Vorteile, die auch unseren Kunden nutzen.»(Bild:  Trumpf Schweiz AG)
Jörg Ellerkmann (Head of Sales & Service, TRUMPF Schweiz AG): «Insbesondere für unseren technischen Kundendienst ist die Nähe zur Entwicklung sehr wertvoll. Kurze Wege, kurze Abstimmung sowie schnelle Reaktionszeit und umgehende Problemlösungen sind wesentliche Vorteile, die auch unseren Kunden nutzen.»
(Bild: Trumpf Schweiz AG)

Sie haben den Vertriebsstandort in Baar nach Grüsch verlegt und sind jetzt mit dem Vertrieb näher an der Entwicklung und Produktion. Welche Vorteile ergeben sich dadurch aus Ihrer Sicht, auch für

J. Ellerkmann: Wir stellen uns den Anforderungen im Maschinenbau, stetig, und mit klaren Massnahmen: Unseren Schweizer Standort haben wir konsolidiert und wir sind ins Hauptwerk nach Grüsch (GR) umgezogen. Insbesondere für unseren technischen Kundendienst ist die Nähe zur Entwicklung sehr wertvoll. Kurze Wege, kurze Abstimmung sowie schnelle Reaktionszeit und umgehende Problemlösungen sind wesentliche Vorteile, die auch unseren Kunden nutzen. Natürlich hat die Standortkonsolidierung auch dazu geführt, dass wir umfangreiche Kosten wie eine hohe Büromiete einsparen konnten. Als Konsequenz daraus sind wir nun in der Lage unsere Preise für Ersatzteile im Schnitt um 15 Prozent zu senken. Diese Preisanpassung ist mehr als ein finanzieller Vorteil – sie ist Ausdruck unseres Engagements für eine langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit. Unsere Ersatzteile stehen weiterhin für höchste Qualität, schnelle Verfügbarkeit und zuverlässigen Service.

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Welche Technologiebereiche aus Ihrem Segment werden derzeit nach wie vor besonders gut nachgefragt und woran liegt das aus Ihrer Sicht?

J. Ellerkmann: Besonders gefragt sind zurzeit unsere Produkte abseits des Mainstreams, also spezielle Biegetechnik (Panelbender), Rohrlasermaschinen und unsere Evergreen Technologie: Die Kombimaschine, also eine Kombination von Laserschneiden, Stanzen und Umformen.

Welche Rolle hat die Digitalisierung in den letzten zehn Jahren eingenommen? Welche Lösungen in diesem Sektor stossen auf besonders grosses Interesse bei den Kunden?

J. Ellerkmann: Schlussendlich ist es für unsere Kunden von zunehmender Bedeutung neben dem Materialfluss im Produktionsprozess auch den dazugehörigen Datenfluss unter Kontrolle zu haben. Unser MES-System «Oseon» erfüllt hierfür die Anforderungen und wird kontinuierlich weiterentwickelt. In der Zukunft erwartet der Kunde von uns, dass wir uns aktiv bei ihm melden, noch bevor die Maschine ausfällt. Mit Predictive Maintenance sind wir z.B. bei unseren Lasermaschinen schon heute in der Lage einen Ausfall mit hoher Trefferquote vorhersagen zu können. Hier haben wir viel Geld investiert: Daten sammeln, Daten analysieren und dann die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.

Welche Rolle spielen automatisierte Prozesse im Bereich der Blechbearbeitung, wo sind sie heute bereits Standard und wo sehen Sie noch Potential? Welchen Einfluss haben Automationslösungen auf Produktivitätssteigerung und Prozesssicherheit?

Jörg Ellerkmann (Head of Sales & Service, TRUMPF Schweiz AG): «Automatisierung mag zunächst banal erscheinen, doch die Kombination aus niedrigen Stückzahlen, einem breiten Produktspektrum und hoher geometrischer Komplexität erfordert massgeschneiderte Lösungen anstelle einer universellen Automatisierungslösung.»(Bild:  Trumpf Schweiz AG)
Jörg Ellerkmann (Head of Sales & Service, TRUMPF Schweiz AG): «Automatisierung mag zunächst banal erscheinen, doch die Kombination aus niedrigen Stückzahlen, einem breiten Produktspektrum und hoher geometrischer Komplexität erfordert massgeschneiderte Lösungen anstelle einer universellen Automatisierungslösung.»
(Bild: Trumpf Schweiz AG)

J. Ellerkmann: Automatisierung mag zunächst banal erscheinen, doch die Kombination aus niedrigen Stückzahlen, einem breiten Produktspektrum und hoher geometrischer Komplexität erfordert massgeschneiderte Lösungen anstelle einer universellen Automatisierungslösung. Dazu zählen beispielsweise unser vollautomatisierter, flexibler Laserautomat, der mühelos Bauteile bis zu 12 mm verarbeitet, sowie unsere Industrieroboterlösungen, die Bauteile hauptzeitparallel vom Palettenwechsler entnehmen können. Zudem bieten unsere Scara-Systeme (Portallösungen) die Möglichkeit, gleichzeitig zwei Teile zu sortieren. Hierbei kommt es auf die individuelle Anpassung an, und mit Unterstützung unserer TRUMPF Consulting können wir vor Ort wertvolle Beiträge leisten.

Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen, um Automationsprozesse in der Blechbearbeitung zu realisieren?

J. Ellerkmann: In Zukunft wird von Automationsprozessen die sogenannte Autonomie verlangt: Wie kann sich die Anlage – infolge einer Störgrösse – selbstständig aus der Situation (z.B. während einer Nachtschicht) befreien? Welche Hilfen könnten hierfür verwendet werden (Stichwort KI). Eine weitere wichtige Anforderung: Verkettung von aufeinanderfolgenden Prozessen: TRUMPF widmet sich auch diesen Themen bereits intensiv. So präsentierten wir auf der Blechexpo im Herbst 2025 in Stuttgart die nahtlose Verkettung einer Kombimaschine mit einem Panelbender. Dadurch wird der Schnitt und das Kanten perfekt nacheinander abgearbeitet.

Idealerweise werden ihre Technologien den Markbedürfnissen entsprechend entwickelt. Wie haben sich die Bedürfnisse ihrer Kunden in den letzten Jahren verändert und wie hat Trumpf darauf mit welchen Entwicklungen reagiert?

J. Ellerkmann: Der Fachkräftemangel stellt eine erhebliche Herausforderung dar, die durch die Einführung einfacher Programmierungsmethoden angegangen werden kann. Darüber hinaus ist die Reduktion der Teilekosten entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Hoch automatisierte und verknüpfte Anlagen mit hoher Verfügbarkeit ermöglichen es, die Kosten pro Bauteil selbst in Hochlohnländern zu senken. In diesem Kontext steigt die Preissensitivität, und es ist wichtig, den Cashflow aufrechtzuerhalten. Daher erweitern wir unser Produktportfolio kontinuierlich um Einstiegssegmente und bieten attraktive Finanzierungslösungen. Zudem rückt die Total Cost of Ownership (TCO) zunehmend in den Vordergrund, was auch eine Senkung der Ersatzteilpreise umfasst.

In diesem dynamischen Umfeld gewinnen Services an Bedeutung. Unsere Performance Checks und SmartView-Tools ermöglichen es uns, unsere Kunden hinsichtlich ihrer Produktionsgestaltung umfassend zu beraten. Zusätzlich bietet das Smart Factory Consulting wertvolle Unterstützung, um die Effizienz und Produktivität in der Fertigung zu steigern.

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