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Wie gelingt der Automobilindustrie der Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie?
Neugebauer: Spagat ist vielleicht nicht mehr das richtige Bild, denn Ökonomie und Ökologie entfernen sich nicht mehr voneinander. VW-Vorstandsmitglied Professor Dr. Jochem Heizmann beschrieb in einem Vortrag eindrucksvoll, welcher Wettbewerbsvorteil sich aus einer konsequenten Nutzung und Umsetzung von Potenzialen einer ressourceneffizienten Produktion generieren lässt. So besteht der Golf 6 schon heute zu rund 40 Prozent aus wiederverwendeten Materialien. Im Komponentenbereich zeigte VW, dass Teile auch schon zu 100 Prozent aus Rezyklat bestehen können. Energetische Betrachtungen des Produkts «Auto» beginnen heute in der Designphase und überdecken die gesamte Lebensdauer des fertigen Produkts bis hin zur Wieder- und Weiterverwendung seiner Einzelteile.
Wie können Werkzeugmaschinenhersteller engagierte Anwender wie die Autoindustrie bei Öko-Kampagnen wie etwa «Think Blue» von VW unterstützen?
Neugebauer: Gerade die deutschen Werkzeugmaschinenhersteller orientieren sich heute bei ihren Produkten an der Nachhaltigkeit. Das betrifft die Entwicklung ressourceneffizienter Werkzeugmaschinen, das Energiemonitoring und das Energiemanagement. Dennoch braucht der Werkzeugmaschinenhersteller weiterhin den Endkunden, um dessen Prozess optimal zu gestalten. Ich glaube, dass letzten Endes die Automobilhersteller dabei die Innovationstreiber sind, von denen häufig die Initialzündung zur Verbesserung der Maschinen kommt. Der Werkzeugmaschinenproduzent spielt dabei die Rolle des Kooperationspartners.
Zum Stichwort Transparenz auf dem Gebiet Energieeffizienz: Wie können Hersteller und Betreiber den Energieverbrauch von Werkzeugmaschinen erfassen?
Neugebauer: Unser Spitzencluster mit den 75 jungen Forschern beschäftigt sich in einem grossen Schwerpunkt mit der Bilanzierung und Erfassung von Energieverbräuchen in der Entwurfs- und in der Betriebsphase von Werkzeugmaschinen, die «Virtual Reality» visualisieren soll. Ein Werkzeugmaschinenbetreiber kann in Zukunft bereits beim Entwurf in einer virtuellen Produktion sehen, bei welchem Betriebsmodus welche Energien in welchem Bereich verbraucht werden. Es ist noch Zukunftsmusik, doch ich rechne damit, dass es in zwei bis drei Jahren die ersten EDV-Lösungen dazu gibt.
Wie beurteilen Sie gemeinsame Aktivitäten der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie wie «Blue Competence»?
Neugebauer: Ich halte es für einen richtigen Weg, den die Branche aus einem Leidensdruck heraus beschreitet. Denn umfassende Lösungen erfordern einen nachhaltigen Entwicklungsaufwand. Die Hersteller können sich bei Blue Competence vorwettbewerblich austauschen, um so nachhaltige Lösungen fundiert anbieten zu können.
Das Interview führte Nikolaus Fecht, Fachjournalist aus Gelsenkirchen.
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