ICE-Wartung mit flexibler, mobiler Schraubstation >> 250 000 Verschraubungen in einem Jahr – statt in zehn

Redakteur: Luca Meister

Tausend Kilometer und mehr legen die Fernzüge der Deutschen Bahn täglich zurück. Solche Langstrecken müssen die mobilen Schraubstationen von Atlas Copco Tools, die die Bahn zu Wartungsarbeiten einsetzt, zwar nicht bewältigen. Sie lassen sich aber problemlos entlang der rund 200 Meter langen Züge verfahren. Ausgerüstet sind die Stationen mit der kompletten Schraubtechnik für eine prozesssichere Montage und Drehmomente bis zu 400 Newtonmeter. Sämtliche Arbeiten werden dokumentiert, das Vier-Augen-Prinzip kann entfallen.

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Ein wesentlicher Vorteil der Tool-Station ist die integrierte Werkerführung. Sie zeigt die Anzugsreihenfolge (siehe nächsten Screenshot 1, Beispiel Lagerdeckel) sowie den Arbeitsfortschritt leicht erkennbar an (siehe übernächsten Screenshot 2: vollendeter Arbeitsschritt an den vier Schrauben der Schleifscheibe). Gespeichert werden zudem die konkreten Anzugswerte. Um eine eindeutige Zuordnung zu erhalten, gibt der Mitarbeiter zuvor Zug- und Wagennummer sowie die jeweilige Achse und Zug-Seite an. Alle Werte werden auf einem Server gespeichert und ausgedruckt zur Dokumentation abgelegt.
Ein wesentlicher Vorteil der Tool-Station ist die integrierte Werkerführung. Sie zeigt die Anzugsreihenfolge (siehe nächsten Screenshot 1, Beispiel Lagerdeckel) sowie den Arbeitsfortschritt leicht erkennbar an (siehe übernächsten Screenshot 2: vollendeter Arbeitsschritt an den vier Schrauben der Schleifscheibe). Gespeichert werden zudem die konkreten Anzugswerte. Um eine eindeutige Zuordnung zu erhalten, gibt der Mitarbeiter zuvor Zug- und Wagennummer sowie die jeweilige Achse und Zug-Seite an. Alle Werte werden auf einem Server gespeichert und ausgedruckt zur Dokumentation abgelegt.
(Bild: Deutsche Bahn)

Bei Montagearbeiten an den Laufwerken ihrer Züge steht Sicherheit bei der DB Fernverkehr AG an oberster Stelle. Dem Vier-Augen-Prinzip folgend, müssen Arbeiten immer von zwei Werkern durchgeführt werden, um z.B. den Anzug von Verschraubungen mit dem geforderten Drehmoment sicherzustellen. Eine Herausforderung für die Instandhalter waren deshalb die inzwischen sehr kurzen Ultraschallprüfzyklen der Radsatzwellen an den ICE-Zügen. «Auf rund 250 000 Verschraubungen kamen wir früher in zehn Jahren – jetzt erreichen wir diese Zahl jedes Jahr», berichtet Tobias Kurz, Fertigungsmeister Laufwerk/Bremse am Standort Frankfurt am Main, wo täglich – vor allem in den Nachtstunden – Zuggarnituren des ICE 3 und ICE T entsprechend geprüft werden. Angesichts der bis zu 200 Meter langen Fernzüge ist die Durchführung der Arbeiten auch eine logistische Herausforderung, muss doch das Schraubequipment über diese Distanz flexibel einsetzbar sein.

Elektronischer Drehmomentschlüssel zieht auf 400 Newtonmeter an

Die Deutsche Bahn setzt deswegen heute sechs Tool-Stations von Atlas Copco Tools ein – mobile Schraubstationen, die für eine prozesssichere Montage «alles an Bord» mitführen. Mit zwei Tensor-ST-Schraubern für den Anzug mit Drehmomenten von bis zu 50 bzw. 100 Newtonmeter und einem akkubetriebenen, elektronischen Drehmomentschlüssel des Typs ST-Wrench für bis zu 400 Newtonmeter – allesamt dokumentationsfähig – werden viele Arbeiten am Laufwerk erledigt. «Für die Ultraschallprüfung an den Radsatzwellen müssen wir mehrere Teile demontieren», erläutert Kurz: «Erst den Lagerdeckel, dann diverse Anbauteile – wie etwa die Schleifscheibe, über die der Stromfluss zur Schiene ermöglicht wird – und zum Schluss die Druckplatte, die das Lager fixiert.» In umgekehrter Reihenfolge muss nach der Prüfung wieder montiert werden.

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Prozesssicherheit für Bahn und Mitarbeiter

Da die Atlas-Copco-Werkzeuge drehmomentgesteuert und drehwinkelüberwacht anziehen, ist die Montage heute absolut prozesssicher. «Das ist angesichts der hohen Zahl an Verschraubungen sowohl für das Unternehmen als auch für den einzelnen Werker ein entscheidender Vorteil», betont Tobias Kurz. «Denn nun können wir über die protokollierten Werte nachweisen, dass die Verbindungen korrekt angezogen wurden.»

Allein bei den Wellenprüfungen eines ICE 3 sind das jeweils vier Verbindungen mit 250 Newtonmeter an der Druckplatte, weitere vier mit 75 Newtonmeter an der Schleifscheibe und sechs mit 100 Newtonmeter beim Lagerdeckel. Hinzu kommen Verschraubungen bei der Montage von Anbauteilen – die Tool-Station passt sich flexibel den Anforderungen an.

Erleichtert werden die Montagearbeiten durch die Werkerführung über den Monitor der Schraubstation. Hier ist Schritt für Schritt der Arbeitsablauf dokumentiert, jede bereits angezogene Verbindung über die grüne Markierung schnell und einfach zu erkennen. «Über die Drehwinkelüberwachung können wir zudem ausschliessen, dass eine der Schrauben mehrfach und eine andere gar nicht angezogen ist», betont der Fertigungsmeister. Die so gewonnene Prozesssicherheit erlaubt deshalb die Ausführung dieser Arbeiten mit nur einem Mitarbeiter – unter Verzicht auf das Vier-Augen-Prinzip. «Neben der Leistungsfähigkeit der Schraubwerkzeuge versetzte uns das überhaupt erst in die Lage, pro Jahr die rund 250 000 Verschraubungen zu schaffen.»

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