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Innovations-Trends Hannover Messe 2017: Wo sich Hypes mit Leben füllen lassen

| Autor: Karin Pfeiffer

Während für manche Industrie 4.0 noch als Hype gilt, kommen die Automatisierer bereits mit tragfähigen Ideen auf die Hannover Messe und zeigen: Intelligent verknüpft lassen sich aus den Daten in digitalen Netzwerken neue Werte kondensieren - und abschöpfen.

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Die Hannover Messe steht dieses Jahr unter dem Motto „Integrated Industry – Creating Value“ und will zeigen wo der Mehrwert von Industrie 4.0 liegt.
Die Hannover Messe steht dieses Jahr unter dem Motto „Integrated Industry – Creating Value“ und will zeigen wo der Mehrwert von Industrie 4.0 liegt.
(Bild: Hannover Messe 2017)

Bis zu elf Billionen Dollar wirtschaftlichen Mehrwert könnte uns das Internet der Dinge bis zum Jahr 2025 weltweit bringen – das wären dann in etwa elf Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, um eine Hausnummer für diese astronomische Grössenordnung zu nennen. Zu diesem Ergebnis kam zumindest vor gut einem Jahr eine McKinsey-Studie, die über 100 Anwendungsfelder untersuchte. Den potenziell grössten Einfluss hat das Internet of Things (IoT) demnach in Fabriken, in denen offenbar alleine bereits bis zu 3,7 Billionen Dollar zusätzlicher Schöpfwert mit Konzepten wie Industrie 4.0, IoT, Smart Factory & Co. schlummert.

Wo aber steckt dieser Mehrwert? Das weite Produktspektrum der Automatisierungswelt von intelligenter Sensorik über elektronische Komponenten wie kabellosen Steckverbindern und smarten Filtern bis hin zu Datenbrillen und Augmented Reality erzeugen erst allmählich eine Vorstellungskraft, was alles machbar werden könnte.

Dass es dabei längst nicht mehr überwiegend um konsumnahe Produkte wie Smartwatches geht, soll die Hannover Messe dieses Jahr unter dem Motto „Integrated Industry – Creating Value“ zeigen: vernetzte Produktion, Cloud-Lösungen, Supraleiter, Hochleistungs-Chips für Echtzeit-Kommunikation, Antriebstechnik der Zukunft – viele technologische Highlights, die jedes für sich schon Zusatznutzen bieten. Wo aber sitzt das „Nochmehr“ an Mehrwert, das sich nicht nur die Analysten vor allem vom Ansatz einer Industrie 4.0 versprechen?

Wartung just in time: Keine Kosten durch Stillstand

Offenbar nicht mehr so sehr in den einzelnen Produkten, sondern in deren Ausrichtung auf die Anwendungen. Und hier öffnen sich womöglich viele neue Welten. Integrated Energy ist so ein Mehrwert-Thema, das viele Anbieter beschäftigt. So präsentiert sich ABB aktuell mit dem Konzept ABB Ability, einer digitalen Schaltanlage als Schlüsselkomponente der Stromnetze von morgen und ausgerüstet mit intelligenten elektronischen Geräten, um ein Beispiel zu nennen.

Condition Monitoring wiederum gilt schon länger als wirksamer Hebel und stand bereits im Fokus vieler MDA-Messen in Hannover. Im Zuge der Digitalisierung mausert sich die Zustandsüberwachung von Anlagen nun allmählich zur Predictive Maintenance, der vorausschauenden Wartung. Klug ausgewertet ermöglichen die in Echzeit gewonnenen Daten den Service von Komponenten genau dann, wenn es erforderlich ist: nicht zu spät, nachdem die Maschinen stillsteht, nicht kostenintensiv in zu kurzen Wartungsintervallen – Just-in-time-Wartung gewissermassen.

Wie das funktioniert, ist auf der Hannover Messe etwa mit einer Schaeffler-Lösung für Wälzlager oder bei der Bosch Rexroth AG mit ihrem Tool Odin (Online Diagnostic Network) zu sehen. Das System soll eine Fehlererkennungsrate von 99 Prozent bieten, was bisherige Methoden kaum zu leisten vermögen. Bosch Rexroth hat selbst bereits 20 seiner Anlagen an Odin angebunden, bei denen der Stillstand „richtig Geld kosten würde“, so Dr. Steffen Haack, Vorstandsmitglied Bosch Rexroth, kürzlich auf einer Pressekonferenz. Diesen sollen sämtliche eigenen Anlagen und viele Kundenverträge folgen. „Nicht das Sammeln und Speichern der Daten ist der Zweck, wir nutzen selbstlernende Algorithmen“, so Dr. Haack und ergänzt: „Wir wollen mit Wartungsaufträgen Geld verdienen.“ Siemens wiederum will mit Mindsphere eine offene Cloud-Plattform vorstellen und als Herzstück eines IoT-Betriebssystems positionieren, das neben vorausschauender Wartung auch Energiedaten-Management und Ressourcenoptimierung ermöglicht.

Predictive Maintenance wird in einigen Unternehmen allmählich Realität, das haben auch die ersten Ergebnisse einer Studie von Roland Berger ergeben. Demnach sind 40 Prozent der befragten Unternehmen dabei, einen Piloten aufzubauen. Osram ist so ein Vorreiter aus der Índustrie: „Industrie 4.0 begann bei uns vor einigen Jahren als wir unsere hochautomatisierte Autolampenfertigung in Berlin zusätzlich mit Embedded Systemen ausgestattet haben“, erklärt Dr. Frank Sroka, verantwortlich für die Industrie-4.0-Fertigung bei Osram. „Das ermöglicht bedarfsabhängige Wartungszyklen und vorausschauende Reparaturen.“

Anwender wie Osram können sich Impulse holen auf der Hannover Messe, wo viele Automatisierer Applikationsszenarien aufbauen: „Damit die Digitalisierung von Produktion und Energie flächendeckend voranschreitet, muss die Industrie die Nutzenargumentation noch deutlicher führen als bisher“, erklärt Dr. Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe AG, in einer Messe-Veröffentlichung.

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 Karin Pfeiffer

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Journalistin