Forschung und Entwicklung - Marenco Swisshelicopter

Helikopter «Swiss made»

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Schwierige Investitionssuche

Die Investorensuche gestaltete sich für den Schweizer auch darum wohl schwieriger als gedacht. «Die Schweiz hat keine Investitionskultur mehr für innovative Maschinenprojekte», sagt Stucki. Obwohl aktuell Geld im Überfluss vorhanden ist, sei niemand willig, in neue Maschinen zu investieren. Mittel bekommen in der Schweiz vor allem Pharma- und Biotechnologieprojekte. Auch die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) hat im Jahr 2014 mehr für Forschung und Entwicklung im Bereich Biotech (14,4 Mio. CHF) und Medtech (10,5 Mio. CHF) ausgegeben als für Maschinen und Maschinenbau (8,3 Mio CHF). Das liegt wohl unter anderem daran, dass die Schweiz eine sehr starke Pharma- und Medizinalbranche besitzt. Mit seiner Idee und einem Businessplan klingelte Stucki bei diversen Investoren und blitzte Mal um Mal ab: Kein Markt, das ist unmöglich, das funktioniert nicht. Und das, obwohl das jüngste Heli-Modell im Marktsegment von 2,5 Tonnen vor 40 Jahren lanciert wurde – die Ecureuil von Airbus. Viele der Investoren seien eher bereit, in ein Medizinalprodukt zu investieren, von dem sie keine Ahnung haben. Für Stucki unbegreiflich. Dass Banken Milliarden an Strafen für Steuerhinterziehung bezahlen, aber kein Geld in grössere Projekte investieren, sei dann doch schon fast Hohn. «Früher haben Banken noch Grossprojekte finanziert. Heute bekommen junge Ingenieure, wenn überhaupt, maximal 100 000 CHF angeboten», sagt Stucki. «Als ich 1997 mein Ingenieurbüro gründete, musste ich zuerst 50 000 für eine Workstation und Software ausgeben. Wie soll ein ähnliches Projekt wie unser Heli realisierbar werden?», fragt der Ingenieur und gibt gleich die Antwort dazu: «Das geht nicht.» Dass Innovation der Schlüssel zum Erfolg der Schweiz sei, sagte auch Bundesrat Schneider-Ammann Anfang Jahr im Zentrum Paul Klee. Aber mit der Eröffnung eines Innovationsparkes ist es nicht getan. «Ohne Geld gibt es keine Innovation, da können Politiker noch lange ein zweites Silicon Valley herbeisehnen», ergänzt Stucki. «Die Schweiz verlässt sich darauf, dass ein Start-up-Unternehmen kommt, langsam wächst und so den Markt erobert», sagt er, «für komplexe Maschinen reicht ein Innovationspark jedoch nicht. Dann muss man nicht jammern, dass es im Land keine Innovation gibt.» Die Schweiz habe ein riesiges Potential, das nicht genutzt wird.

Nach sieben Jahren Suche (!) fand der Ingenieur in Russland seinen Investor. Und dafür musste Stucki nicht einmal das Land verlassen, er wurde in der Schweiz direkt angesprochen. Rund 80 schriftliche Kaufabsichten besitzt Marenco in der Zwischenzeit und jährlich werden es mehr. Der erste Heli Marke «Swiss made» bleibt indes in der Schweiz und geht an die Walliser Air Zermatt. <<

Autor: Sergio Caré

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