Die Auftragslage der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG entwickelte sich im dritten Quartal 2025 deutlich besser als erwartet. Ursächlich für dieses Zwischenhoch sind neue Grossprojekte aus dem Ausland, die teilweise auch von Unternehmen mit Start-up-Charakter stammen und mit entsprechenden Chancen und Risiken verbunden sind.
(Bild: Maschinenfabrik Berthold Hermle AG)
Vor allem durch die Grossprojekte aus dem Ausland stieg der Auftragseingang des schwäbischen Werkzeugmaschinen- und Automationsspezialisten in den ersten neun Monaten 2025 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum konzernweit um 4,7 Prozent auf 353,0 Mio. Euro (Vj. 337,1 Mio. Euro). Aus dem Ausland gingen neue Bestellungen in Höhe von 255,8 Mio. Euro ein (Vj. 218,3 Mio. Euro), das entspricht einem Plus von 17,2 Prozent. Der inländische Auftragseingang dagegen lag mit 97,2 Mio. Euro um 13,2 Prozent unter dem Vergleichswert (Vj. 118,8 Mio. Euro). Die bereits im ersten Halbjahr zu beobachtende Nachfrageschwäche im Inland habe sich wegen der Erosion der Qualität des Industriestandorts Deutschland und auf Basis der unverändert extrem unsicheren Rahmenbedingungen im dritten Quartal fortgesetzt. Die grosse Diskrepanz zwischen der Entwicklung im In- und Ausland vergrösserte sich folglich weiter.
Zum Stichtag 30. September 2025 belief sich der Auftragsbestand des Hermle-Konzerns auf 124,4 Mio. Euro und übertraf damit sowohl den Vorjahreswert von 103,8 Mio. Euro als auch das Niveau vom Jahreswechsel (31.12.2024: 98,7 Mio. Euro).
Der erfreuliche Auftragseingang, der auch im Oktober noch anhielt, werde sich aufgrund von kurzen Lieferfristen voraussichtlich vor allem im vierten Quartal 2025 auf das Geschäftsvolumen auswirken. In den ersten drei Quartalen nahm der Hermle-Konzernumsatz um 10,0 Prozent auf 327,3 Mio. Euro ab (Vj. 363,8 Mio. Euro). Verantwortlich dafür war der Rückgang des Inlandsvolumens um 32,5 Prozent auf 91,1 Mio. Euro (Vj. 135,0 Mio. Euro). Der Auslandsumsatz vergrösserte sich in der Berichtsperiode leicht um 3,2 Prozent auf 236,2 Mio. Euro (Vj. 228,8 Mio. Euro), unter anderem aufgrund von Vorzieheffekten wegen bevorstehender Zollerhöhungen bei Kunden aus den USA. Stabilisierend wirkte sich auch das wachsende Servicegeschäft aus.
Als Folge der geringeren Auslastung nahm das Hermle-Betriebsergebnis von Januar bis September 2025 wie erwartet überproportional ab. Im dritten Quartal verlangsamte sich der Rückgang allerdings, weil die Vergleichsbasis aufgrund der verhaltenen Entwicklung im zweiten Halbjahr 2024 niedriger war. Die Finanz- und Vermögenslage des Unternehmens blieb unverändert solide. Per 30. September 2025 wies Hermle im Konzern ähnlich wie am Vorjahresstichtag eine Eigenkapitalquote von mehr als 70 Prozent und hohe liquide Mittel aus.
Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte beliefen sich im Berichtszeitraum auf 18,5 Mio. Euro (Vj. 32,9 Mio. Euro) und konzentrierten sich auf die laufenden Projekte zur Standortsicherung. Der Fokus lag auf der Fertigstellung einer neuen Grossteileproduktion am Standort Zimmern ob Rottweil, die Anfang Oktober in Betrieb genommen wurde, sowie dem Bau eines neuen Anwendungszentrums am Firmensitz in Gosheim. Die Arbeiten dort kommen gut voran: Bis zum Jahreswechsel soll das Dach des neuen Gebäudes geschlossen sein.
Hermle stellt Kontinuität im Vorstand sicher
Jürgen Oswald wird zum 1. November 2026 neuer Finanzvorstand der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG.
(Bild: Maschinenfabrik Berthold Hermle AG)
Der Aufsichtsrat der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG hat Jürgen Oswald (49) mit Wirkung zum 1. November 2026 zum Mitglied des Vorstands bestellt. Er übernimmt die Position von Günther Beck (65), der am 31. Oktober 2026 mit Auslaufen seines Vertrags aus Altersgründen aus dem Gremium ausscheiden wird. Damit setzt Hermle seine langfristige Nachfolgeplanung fort und sorgt frühzeitig für einen reibungslosen Übergang und Kontinuität im dreiköpfigen Vorstandsgremium. Diesem gehören weiterhin Benedikt Hermle (Produktion, Service, Personal) und ab dem 1. Januar 2026 Kai Bacher (Vertrieb, Konstruktion & Entwicklung) an.
Jürgen Oswald arbeitet seit 2022 bei Hermle, zunächst als Leiter Controlling und seit dem 1. Januar 2025 als Generalbevollmächtigter. Ab 1. November 2026 wird er im Vorstand die Ressorts Finanzen, Informationsverarbeitung und Materialwirtschaft übernehmen. Sein Dienstvertrag, der zunächst für drei Jahre läuft, wurde diese Woche unterzeichnet. Vor seiner Tätigkeit für Hermle studierte Jürgen Oswald Betriebswirtschaft und Wirtschaftsrecht und verantwortete unterschiedliche Funktionen in internationalen Industrieunternehmen.
Günther Beck begann seine 30-jährige Karriere bei Hermle 1994 als Leiter des Rechnungswesens und wurde im selben Jahr in den Vorstand der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG berufen. Er scheidet mit Auslaufen seines Dienstvertrags zum 31. Oktober 2026 aus.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Hermle dankt Günther Beck im Namen des gesamten Aufsichtsrats ausdrücklich für seine ausserordentlichen Leistungen und den hohen Einsatz und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft. «In den vergangenen Jahrzehnten», so Dietmar Hermle weiter, «hat er massgeblich zum Erfolg der Hermle AG beigetragen. Zugleich freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit Jürgen Oswald. Er bringt umfangreiche Erfahrungen aus verschiedenen Funktionen unter anderem auch bei Maschinenbauunternehmen mit und ist ein höchst kompetenter Nachfolger.»
Stand vom 30.10.2020
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Ende September 2025 beschäftigte Hermle weltweit 1649 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das waren 49 Personen mehr als vor Jahresfrist (30.9.2024: 1600) und 46 mehr als Ende 2024 (31.12.2024: 1603). Neueinstellungen gab es für die Bereiche Service und Automation sowie punktuell in einigen Auslandsgesellschaften. Der Grossteil des Zuwachses resultierte aber aus der Übernahme von Auszubildenden und Dual Studierenden mit erfolgreichem Abschluss, unter anderem im Bereich IT, und der Neubesetzung der entsprechend frei gewordenen Stellen. Damit bekennt sich das Unternehmen weiterhin zu seiner regionalen Verantwortung und sichert sich auch in Zukunft eine hochmotivierte und kompetente Belegschaft. Am Stichtag absolvierten 153 junge Menschen ihre Ausbildung oder ein Duales Studium bei Hermle, 21 mehr als ein Jahr zuvor (Vj. 132).
Da die neuen Auftragseingänge aus dem Ausland überwiegend bis zum Jahresende 2025 geliefert sein sollen, werde sich die Auslastung im vierten Quartal spürbar erhöhen. Deshalb wurde die Kurzarbeit ab Ende September voraussichtlich bis zum Jahreswechsel aufgehoben. Im ersten Quartal 2026 sind dann erneut Bremstage und Kurzarbeit geplant, da Hermle in das nächste Jahr aus heutiger Sicht wieder mit niedrigem Auftragsbestand starten wird.
Das Unternehmen gibt an, dass sich die Aussichten für das laufende Jahr durch den unerwartet starken Bestelleingang des dritten Quartals, der auch bis in den Oktober hinein anhielt, deutlich verbessert haben. Hermle hat deshalb die Prognose für 2025 angehoben und rechnet nun mit einem Umsatz, der knapp das Vorjahresniveau erreichen oder im günstigen Fall leicht darüber liegen kann. Bislang wurde ein Rückgang in einer Spanne vom oberen einstelligen Prozentbereich bis 15 Prozent erwartet. Wegen der vielfältigen Belastungen aus bürokratischen Auflagen und nicht umgesetzten Reformversprechungen, Lohn- und Energiepreissteigerungen, des Drucks auf den Industriestandort Deutschland sowie Währungsverschiebungen werde das Betriebsergebnis allerdings trotzdem um 25 Prozent bis 30 Prozent abnehmen. Bisher wurde eine Verringerung um 40 Prozent bis 80 Prozent erwartet.