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Technologiestandort Schweiz 2020: Ibor AG IBOR AG investiert für die Zukunft

Redakteur: Matthias Böhm

Der Unternehmerleitsatz «Investieren in der Krise» ist bei der IBOR AG gelebte Realität. Das 26 Mitarbeiter starke Unternehmen in Ettiswil LU hat 2020 zwei neue 5-Achsen-Grossbearbeitungszentren – eine Reiden RX12 mit 5-fach-Palettenwechsler und eine Matec 30 HV – in die Produktion integriert. Damit hat das Unternehmen die Kapazitäten deutlich erhöht und ist für grösser bauende Präzisionswerkstücke in der fertigungstechnischen Spitzenklasse positioniert, das alles im Formel-1-Tempo.

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Blick in die neue Reiden RX12, die mit 5-fach-Palettenwechsler auch Einzelteile mannlos bearbeiten kann, und das bis zu 5-achsig simultan.
Blick in die neue Reiden RX12, die mit 5-fach-Palettenwechsler auch Einzelteile mannlos bearbeiten kann, und das bis zu 5-achsig simultan.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Mit gleich zwei neuen Bearbeitungszentren startete die IBOR AG in das zweite Halbjahr 2020. «Ab Mitte Mai gingen die Aufträge relativ stark zurück, da mussten wir reagieren», sagte Marco Segattini (Mitglied der GL) gegenüber der Redaktion und führt fort: «Bremsen liegt uns nicht, also gaben wir Vollgas und investierten ausser in die budgetierte Reiden RX12 noch spontan in eine grosse Matec 30 HV. Heute können wir sagen, dass das die beste Entscheidung war, die wir je getroffen haben.»

2020: 2 Neumaschinen und 25 Neukunden

Manuel Meier (CEO): «Viele Unternehmen gingen in Kurzarbeit. Wir machten das Gegenteil und sagten: jetzt erst recht. Die Reiden RX12 war bereits fest eingeplant im Budget 2020, zusätzlich haben wir eine fast neue Matec kurzfristig angeboten bekommen und sofort investiert, obwohl die Auftragslage im Juni alles andere als vielversprechend war. Wir nutzten die spezielle Situation von 2020 im positiven Sinn aus. Wegen des geringeren Auftragsdrucks hatten wir genügend Zeit, die neuen Maschinen hervorragend in unseren Maschinenpark zu integrieren und die Mitarbeitenden dementsprechend auszubilden. Darüber hinaus haben wir über die Sommerzeit bei den CNC-Maschinen alle notwendigen Wartungen durchgeführt und arbeiteten unsere internen Projekte ab. Als wir fertig waren, zog es wieder richtig an. Wir haben bis Ende 3. Quartal 2020 sogar 25 Neukunden hinzugewinnen können. Das ist auch das Ergebnis unserer extrem schnellen Auftragsabwicklung im Formel-1-Tempo und unserer Zuverlässigkeit in puncto Liefertreue und Qualität. Wenn ein Kunde anfragt, bekommt er innerhalb von wenigen Stunden die Offerte, Liefertermin inklusive.»

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Palettenwechsler für mannlose Fertigung

Mit der Reiden wird der Maschinenpark der IBOR AG abermals um eine Fertigungstechnologie der Spitzenklasse erweitert. «Auf der Reiden können wir bis zu einem Durchmesser von
D = 1600 mm fräsen, bei 1/100 mm Toleranz am Werkstück. Damit wir in dieser Präzision fertigen können, haben wir die Grundgeometrie eine Woche mit einem auf WZM spezialisierten Vermessungsteam kalibriert.»

Die Reiden RX12 verfügt über einen 5-fach-Palettenwechsler. Direkt nach Inbetriebnahme liefen auch schon die ersten Aufträge auf der RX12. Marco Segattini: «Wir haben sie bereits einige Wochenenden mannlos fertigen lassen. Mit der Reiden erweitern wir unser Fertigungsspektrum erheblich. Wir können vermehrt komplexe, gross bauende kubische Werkstücke im Hochpräzisionsbereich fertigen.»

Rasterspannplatten und Spannblöcke neu in Eigenfertigung

Das zweite Gross-Bearbeitungszentrum – eine Matec 30 HV – ist unter anderem auf Plattenfertigung zugeschnitten. Hier kommt auch ein neues Produktsortiment der IBOR AG in den Fokus, wie M. Meier betont: «Alle unsere Werkzeugmaschinen sind mit Präzisions-Rasterspannplatten ausgerüstet, auf denen extrem schnell mit modularen Verfahren gespannt werden kann. Als wir in die neue Maschine investierten, waren die Rasterplatten so kurzfristig nicht lieferbar. Auch hier haben wir unsere schwächere Auftragslage genutzt: Wir fertigten die Rasterspannplatten einfach selbst auf unseren Maschinen. Das ist relativ anspruchsvoll, wegen der enormen Präzision die gefordert ist. Aber: Wir haben das Personal und die Maschinen für solche Projekte. Zu den Rasterspannplatten haben wir darüber hinaus Spannblöcke entwickelt, die seitlich über T-Nuten verfügen. In diesem neuen Produktsortiment haben wir bereits erste Aufträge erhalten und ausgeführt.»

CAM-Arbeitsplätze direkt an den CNC-Maschinen

Die CNC-Spezialisten der IBOR AG sind für den gesamten Fertigungs-Prozess verantwortlich. Um die Schlagkraft des Unternehmens nochmals zu erhöhen, wurde praktisch jede Werkzeugmaschine mit einem eigenen CAM-Arbeitsplatz direkt an der Maschine ausgestattet. Marco Segattini: «Bisher hatten wir die CAM-Systeme in der Arbeitsvorbereitung, unsere Mitarbeiter mussten bisher zum Programmieren ins Büro. Heute können sie direkt neben der Maschine programmieren. Das ist aus organisatorischer und fertigungstechnischer Sicht perfekt, weil man immer nah am Fertigungsprozess ist und ihn überwachen kann, während man programmiert.»

Auf die abschliessende Frage, welches Bauteilspektrum mit der neuen Reiden RX12 und der Matec 30 HV abgedeckt wird, antwortet Manuel Meier: «Das Teilespektrum entwickelt sich. Das ist ein fliessender Prozess. Wir mussten in der Vergangenheit Aufträge ablehnen, weil wir keine passende Maschine hatten. Die Fachspezialisten und Fertigungskompetenzen sind vorhanden. Jetzt haben wir auch die Maschinen dazu. Mit unserer Neuaufstellung und dem hervorragenden Maschinenpark sind wir sehr gut positioniert und blicken positiv in die Zukunft.

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