Interview mit Dr.-Ing Sebastian Schlund des Fraunhofer-Instituts

Industrie 4.0: Eine Wette auf die Zukunft

Seite: 2/4

Anbieter zum Thema

Welche Herausforderungen gibt es zu meistern, bis wir an diesem Punkt sind?

S. Schlund: Im Moment ganz präsent sind Themen wie Datenhoheit, Datensicherheit und Datenschutz, insbesondere vor dem Hintergrund der NSA-Affäre. Eine Herausforderung ist da sicherlich, Informationen und Daten herauszugeben, diese zu teilen und auch Dritten weiterzugeben. Weitere grosse Herausforderungen sind die Normung und Standardisierung. Wenn ich es schaffe, Objekte intelligent zu machen, dann müssen diese miteinander kommunizieren können, dazu brauche ich Standards. Ausserdem brauche ich eine Vorstellung, wie ich solche intelligente Systeme in der Praxis einsetzen kann. Es wird nirgendwo eine Industrie-4.0-Fabrik aus dem Boden gestampft werden können, das wird ein evolutionärer Prozess sein, der im Kleinen beginnt.

Sie haben das Thema Security angesprochen; wie schafft man hier Sicherheit für Hersteller und Anwender?

S. Schlund: Ich glaube, da spielen zwei Faktoren eine grosse Rolle. Das eine ist das Thema Vertrauen. Das funktioniert natürlich nur, wenn ich weiss, dass keiner Schindluder treibt mit den Informationen, die ich rausgebe. Dazu bedarf es Regeln. Der zweite Punkt ist die unterschiedliche Aufteilung von Machtpositionen in der Wertschöpfungskette. Im Automobilbereich haben die OEMs heute schon so eine starke Position, diese können bereits bis tief in die Zulieferkette vorgeben, was sie an Informationen haben möchten. In solchen Bereichen kann der «Industrie 4.0»-Gedanke schnell umgesetzt werden. Naturgemäss sind im Automobilbereich die Abhängigkeiten voneinander viel stärker als beispielsweise im Maschinenbau. Zudem ist die Anzahl der Marktteilnehmer überschaubar. In der Maschinenbaubranche braucht das sicherlich ein wenig mehr Zeit, aber auch das wird kommen.

Standardisierung von Schnittstellen und Protokollen ist wie erwähnt ein grosses Thema. Wie kann man hier Ordnung schaffen?

S. Schlund: Ich habe eine einfache Vorstellung von Standardisierung, welche auf zwei Möglichkeiten funktioniert. Einmal darüber, ob man gemeinsam einen Kompromiss entwickelt und sich auf diesen Standard einigt, der für die meisten funktioniert. Die zweite Möglichkeit wäre ein Produkt, das aufgrund seiner Dienstleistung so erfolgreich ist, dass alle anderen auch da drauf setzen. Bestes Beispiel hier ist die Firma Apple. Die schaffen mit ihren Produkten einen Mehrwert und können durch das geschlossene System so einen Quasi-Standard erzwingen. Welcher dieser beiden Bereiche sich durchsetzt, weiss man nicht, es wird aber auch davon abhängig sein, welche Akteure sich in welcher Richtung platzieren. Standards sind zwar wichtig, es wird aber nicht die alleinige Voraussetzung sein, dass das Thema richtig gut funktioniert.

(ID:42557281)