Exklusivinterview zur Swisstech Industriestandort Schweiz – eine Herausforderung?

Redakteur: Matthias Böhm

>> Die metallverarbeitenden Betriebe in der Zulieferindustrie müssen günstiger produzieren. Alexander Vietense, Präsident des SMZ, Schweizerischer Fachverband metallverarbeitender Zulieferer, stellt sich unseren Fragen. Der SMZ ist Verbandspartner der Swisstech, Europas zentraler Messe der Zulieferindustrie, die vom 20. bis 23. November 2012 in Basel stattfindet.

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«Innerhalb unserer Branche müssen wir näher zusammenrücken, damit wir dem Druck standhalten können», Alexander Vietense, Präsident SMZ.
«Innerhalb unserer Branche müssen wir näher zusammenrücken, damit wir dem Druck standhalten können», Alexander Vietense, Präsident SMZ.
(Bild: SMZ)

SMM: Herr Vietense, wie schätzen Sie die Zukunft des Schweizer Werkplatzes für die metallverarbeitende Industrie ein?

Alexander Vietense: Die wirtschaftliche Situation ist geprägt von grosser Unsicherheit. Die Verschuldung der Euro-Staaten, gepaart mit den massiven Sparbemühungen, hat stark negative Auswirkungen auf unser Land. In diesem Umfeld scheint es mir wichtig, dass wir uns auf unsere Stärken besinnen, wie Flexibilität, Geschwindigkeit und Verlässlichkeit. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Unternehmen dranbleiben und weiterhin in unseren Werkplatz investieren. Wir müssen an unseren Werkplatz glauben.

Seit Ende des vergangenen Jahres ist laut einer Umfrage der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich die MEM-Branche wieder am Zulegen. Leiden Schweizer Firmen immer noch unter der Frankenstärke?

A. Vietense: Die Frankenstärke zermürbt die Schweizer Firmen, insbesondere die kleineren und mittleren Betriebe. Der Einkäuferindex ist stark gesunken, Auftrags- und Margenverlust lassen ganze Industriezweige leiden. Problematisch ist das «Teuer-Image», das sich immer stärker festzusetzen scheint. Leider deutet auch nichts auf Faktoren hin, die zu einer positiven Änderung führen könnten.

Wie kann der SMZ gegen diesen Währungsnachteil den Mitgliedern zur Seite stehen?

A. Vietense: Es gibt kaum praktikable, kurzfristige politische Massnahmen gegen die Frankenstärke, die längerfristig keinen Schaden anrichten. Die Unternehmen selber sind gefordert und tun dies sehr gut. Allerdings sind weitere Produktivitätssteigerungs- und Kostensenkungsmassnahmen bald ausgeschöpft. Der Verband kann darauf hinwirken, dass auf politischer Ebene Massnahmen eingeleitet werden, die die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz langfristig verbessern. Verbandsintern müssen wir näher zusammenrücken und Synergien nutzen, damit neue Partner oder Märkte gefunden werden.

Im April haben sich elf Anlage- und Maschinenbauer zur Einkaufsgemeinschaft Memag zusammengeschlossen. Kann dies ein möglicher Weg sein, um günstiger zu produzieren?

A. Vietense: Ich finde solche Gemeinschaften grundsätzlich gut. Zu beachten ist, dass die geringen Mengen, die vielen unterschiedlichen Produkte oder bei Rohstoffen die vielen unterschiedlichen Legierungen zu einem sehr hohen Administrationsaufwand bei der zentralen Einkaufsstelle führen, die den günstigeren Einkaufspreis wieder neutralisieren. Im Weiteren ist es kontraproduktiv, wenn solche Einkaufsgemeinschaften in erster Linie im Ausland einkaufen und so die Schweizer Lieferanten schwächen.

Noch kurz zum Schluss: Was wünschen Sie sich für die «metallverarbeitende» Zukunft?

A. Vietense: Ich wünsche mir ein zukunftsorientiertes Handeln der metallverarbeitenden Gilde. Es gibt keinen Grund, sich zu verstecken oder nur das Negative zu sehen. Investitionen in den Werkplatz Schweiz sind zentral, um markt- und wettbewerbsfähig zu bleiben und die Attraktivität nicht nur zu erhalten, sondern sogar zu steigern.

Herr Vietense, vielen Dank für das Gespräch. <<

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