Morning Talk Innovationen für die Praxis

Redakteur: Anne Richter

>> Erfolg werden Schweizer Medizintechnikunternehmen nur mit innovativen Produkten haben, die auch in der Praxis Bestand haben. Aus diesem Grund haben der Hersteller von Operationstischen Schaerer Medical und das Inselspital in Bern eine Zusammenarbeit vereinbart. Beim Morning Talk am 1. Mai 2012 werden das Inselspital und die Schaerer Medical AG die Kooperation vorstellen.

Anbieter zum Thema

(Bild: Schaerer Medical)

«Wir wollen eine führende und technologisch hoch entwickelte Position im Operationssaal einnehmen», verweist Hans Rudolf Sägesser, Geschäftsführer von Schaerer Medical, auf eine Vision des Operationstischherstellers. Das Unternehmen gehört zu den fünf führenden Herstellern mobiler Operationstische weltweit, in der Schweiz steht es an erster Stelle. Eine ständige Weiterentwicklung der Produkte in enger Zusammenarbeit mit Chirurgen gehört zur Geschäftsstrategie und ist auch ein Grund für den Erfolg des Unternehmens.

Kooperation zur Weiterentwicklung der Operationstische

Seit einigen Monaten kooperiert der OP-Tisch-Produzent mit dem Inselspital in Bern und setzt damit quasi eine lange Tradition fort: Schon den ersten Operationstisch entwickelte Schaerer Medical vor hundert Jahren in Zusammenarbeit mit Chirurgen vom Berner Inselspital. So arbeitete das Unternehmen jahrelang mit Prof. Dr. Emil Theodor Kocher zusammen, der 1909 als erster Chirurg den Nobelpreis für Medizin erhielt. Anlässlich des Jubiläums «100 Jahre Schaerer Operationstische» laden nun die Schaerer Medical AG und das Inselspital gemeinsam zu einem Morning Talk ein und werden hier die Kooperation vorstellen. Der Anlass wird am 1. Mai 2012 im Inselspital stattfinden. Gleichzeitig eröffnet eine kleine, 1-monatige Jubiläumsausstellung von Operationstischen beim Haupteingang des Inselspitals. Dieser Anlass ist in Zusammenarbeit mit dem Medizinhistorischen Institut von Bern entstanden.

«Wir stellen Produkte für eine sehr spezifische Anwendergruppe her», erklärt H. R. Sägesser die Kooperation und ergänzt: «Wir wollen anwenderorientierte Produktentwicklungen und dafür brauchen wir die Kooperation mit praktizierenden Operateuren und Anästhesisten.» Bestimmte Operationen können sich auf viele Stunden erstrecken, in denen der Patient regungslos liegt und die von den Ärzten höchste Konzentration und Anspannung verlangen. Ergonomie und Aufbau der Tische sollen so konstruiert sein, dass sie einen möglichst einfachen Ablauf der Operationen ermöglichen und so wenig wie möglich Belastung für den Patienten bedeuten.

Weltweiter Export,lokale Fertigung

In 75 Länder auf allen Kontinenten der Welt exportiert Schaerer Medical seine Produkte, wobei besonders die Wachstumsmärkte der BRIC-Staaten inklusive Südafrika und Südkorea im Fokus des Unternehmens sind. Weltweit werden die Operationstische geliefert, doch lokal werden sie produziert – echt «Swiss Made». Direkt im Unternehmen findet zwar nur die Montage statt, doch etwa 80 Prozent der Zulieferer sind in der Schweiz zu Hause, 40 Prozent der Zulieferer sind sogar in einem Umkreis von 30 km ansässig. «Wir haben es auch mit ausländischen Unternehmen probiert, doch Qualität und Liefergeschwindigkeit sprechen einfach für lokale Unternehmen», erläutert H. R. Sägesser die Entscheidung für Schweizer Lieferanten und führt fort: «Ausserdem haben wir festgestellt, dass es besser ist, beim Lieferanten an erster oder zweiter Stelle der Prioritätenliste zu stehen wie es bei Schweizer Lieferanten der Fall ist, als irgendwo die Nummer 100 zu sein.»

Inhousefertigung für schnellere Reaktion auf Kundenwünsche

Ein Operationstisch besteht aus rund 500 zumeist Einzelteilen (Biege- und Gussteile, Dreh- und Frästeile sowie Zubehörteile aus Kunststoff und die Polster) und bei 600 Operationstischen liegt die Produktionskapazität bei Schaerer Medical. Die Losgrössen liegen dann eher im zwei- oder dreistelligen Bereich. «Wir machen keine Kompromisse bei der Qualität», sagt H. R. Sägesser zu den Anforderungen an die Lieferanten. Ausserdem stehen kurze Lieferfristen und eine Zertifizierung nach ISO 13485 auf dem Anforderungskatalog des OP-Tischherstellers.

Für die Zukunft ist es geplant, einen Teil der Produktion im Haus durchzuführen. «Hier geht es vor allem um die Prototypenfertigung, bei der wir uns schnellere Reaktionszeiten erhoffen und Abhängigkeiten reduzieren wollen. Wir wollen auch die Kompetenz für verschiedene Kerntechnologien wie beispielsweise Drehen und Fräsen und Elektronikfertigung im Haus haben», erklärt H. R. Sägesser den Entscheid.

Heute sind bei Schaerer Medical 40 Mitarbeiter in der Schweiz beschäftigt und 15 in den USA – wo auch gefertigt wird. Insgesamt sind 5500 Schaerer-OP-Tische weltweit installiert. Der Marktanteil liegt in der Schweiz bei 40 Prozent und bei fünf Prozent weltweit.

Inselspital: Innovative Technologien

Das Inselspital ist ein international renommiertes Universitätsspital, bekannt für seine Vorreiterrolle in der Behandlung komplexer Erkrankungen, das schon immer an der Spitze des medizinischen Fortschrittes stand. So ist es führend in patientenfreundlicher minimalinvasiver Operationstechnik. Bereits in den 1980er-Jahren ersparte es durch die Verwendung der Ballonkathetertechnik zahlreichen Herzpatienten aufwändige Bypass-Operationen. Im hochsensiblen Bereich der Gesichtschirurgie haben Spezialisten des Inselspitals ein computergestütztes Navigationssystem entwickelt. Mit dieser minimalinvasiven Technologie kann der Tumor präziser operiert werden. Diese und andere innovative Technologien wurden im Maurice E. Müller-Institut entwickelt. <<

(ID:32594450)