Jungheinrich-Infotag 2016 Intralogistik – schnell und billig war gestern

Redakteur: Sergio Caré

Immer schneller und immer billiger ist in Zukunft nicht mehr das wichtigste Kriterium bei der Ausgestaltung der Intralogistik. Innovativ und komplex werden die Lösungen sein, da eine Vermengung von Produkten, IT und Services entsteht.

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Jungheinrich lud 40 Gäste zum Infotag nach Hirschthal ein. Diskutiert wurde der Wandel in der Logistik.
Jungheinrich lud 40 Gäste zum Infotag nach Hirschthal ein. Diskutiert wurde der Wandel in der Logistik.
(Bild: Jungheinrich)

Wie sieht die Zukunft der Logistik aus? Dieser Frage ging der Hersteller von Flurfördertechnik Jungheinrich an seinem letzten Infotag 2016 in Hirschthal nach. Antworten lieferten der Logistikexperte Herbert Ruile von der Fachhochschule Nordwestschweiz sowie Präsident und Geschäftsführer des Vereins Netzwerk Logistik (VNL) und Geschäftsleiter und Leiter Produktionsbereich Thomas Widmer von der Firma Debrunner AG.

Intralogistik in der Theorie ...

Die heutigen optimierten Wertschöpfungsketten ermöglichen eine rationelle Fertigung, eine effiziente Lagerung und Distribution und nicht zuletzt ein Ressourcen schonendes Recycling der verwendeten Materialien. Moderne Kommunikationsmittel sowie der Einsatz intelligenter Software ermöglichen kurze Produktions- und Montagezeiten sowie eine zeitlich optimierte Güterversorgung. «Das reibungslose und effiziente Zusammenspiel aller am Prozess beteiligten Instanzen ist heute eine der grössten Herausforderungen bei der Umsetzung intralogistischer Systeme», sagt Ruile. Immer schneller und immer billiger ist in Zukunft aber nicht mehr das wichtigste Kriterium bei der Ausgestaltung der Intralogistik. «In Zukunft beinhaltet Intralogistik das Denken in geschlossenen Lebenszyklen. Die Nachverfolgung von Produkten wird zum Lifetime-Datenmanagement», erklärt der Professor der FH Nordwestschweiz. «Dazu gehört auch das Denken in vermengten und integrierten Lösungen. Das heisst vom Artikel zur integrierten Lösung in Form von Sensor- und Kommunikations-Technologie, Datenanalyse und Dienstleistungen», fügt Ruile hinzu.

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... und in der Praxis

«Die Welt verändert sich rasant. Der Erfolg einer Handelsfirma wird nicht mehr vom Verkäufer, sondern von der prozessoptimierten Logistik abhängig sein. Der «Star» in Zukunft wird der Logistikleiter und nicht mehr der Verkaufsleiter sein», ist sich Widmer von Debrunner sicher. Innovationen stellen in der Intralogistik eine interdisziplinäre Aufgabe dar. Neue Geschäftsmodelle erfordern aber auch ein neues Denken in der Logistik. Die heutigen automatisierten Materialflusss-Systeme gelten als unflexibel und ihre Komplexität ist immer schwieriger zu beherrschen. Mit kooperativen Plattform-basierten Logistik-Innovationen mit vernetzten Partnern können Zeit und Kosten eingespart, die Qualität verbessert und der Innovationsgrad erhöht werden. Moderne Logistikprozesse müssen weiter optimiert werden. Im Zentrum steht dabei die echtzeitfähige, intelligente, horizontale und vertikale Vernetzung von Menschen, Maschinen, Objekten und der Informations- und Kommunikations-Technik – auch unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bekannt.

Strategien rücken ins Zentrum

Das Thema Industrie 4.0 hat in der Intralogistik bereits eine recht hohe Bedeutung bei zahlreichen Schweizer Unternehmen erlangt. Allerdings stehen bei ihnen Industrie-4.0-Strategien noch immer eher am Anfang. Um den zukünftigen Anforderungen einer effizienten Logistik genügen zu können, müssen aber Industrie-4.0-Lösungen für die Intralogistik erarbeitet und realisiert werden. Dies in enger Zusammenarbeit zwischen den Nutzern und den Anbietern effizienter Logistiklösungen. Für die Infotaggäste ist dieses Thema aber mehr Theorie als Tagesgeschäft. Einig waren sie sich jedoch im folgenden Punkt: Innovative Intralogistiklösungen werden komplex sein, da eine Vermengung von Produkten, IT und Services entsteht.

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