Berufliche Weiterbildung Karriere: Am Ball bleiben

Die erstklassige, duale Berufsbildung in der Schweiz ist einer ihrer Erfolgsfaktoren im globalen Markt. Schweizer Firmen, insbesondere in der Industrie, leben vom hohen Kompetenzgrad ihrer Mitarbeiter. Nicht nur das, es besteht auch eine gegenseitige Abhängigkeit, denn gute Fachkräfte sind nicht ohne Weiteres ersetzbar. Dank dieser Symbiose geniessen Arbeitnehmer in Schweizer Firmen trotz mehrheitlich liberaler Rahmenbedingungen eine erfreulich hohe Arbeitsplatzsicherheit.

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Dr. Jürg M. Stettbacher
Dr. Jürg M. Stettbacher
(Bild: Stettbacher Signal Processing)

Wo stehen Sie in fünf Jahren? Wie wird Ihr Arbeitsplatz aussehen? Welchen Marktwert werden Sie haben? Diese Fragen sollten Sie sich gelegentlich stellen. Und was wird in zehn Jahren sein, oder in zwanzig? Wie steht es mit Ihrer Planung?

Wer an einer Wirtschaftsfakultät studiert, wird früh auf diese Fragen sensibilisiert. Karriereplanung ist integraler Bestandteil der Management­ausbildung. Kampfwertsteigerung ist angesagt. Dabei vertraut man nicht allein dem Lernerfolg, sondern greift ebenso – beispielsweise – auf das Networking in einer Studentenverbindung zurück. Berufliches Fortkommen wird nicht dem Zufall überlassen, es wird disponiert und budgetiert.

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Im Gegensatz dazu fokussieren die Informatik- und Inge­nieurausbildungen auf technische Fachkompetenzen. Das ist zwar nicht falsch, aber auch nicht immer optimal. Für das Fortkommen im Beruf reicht natürlich technischer Sachverstand allein nicht aus. Und natürlich gibt es auch einen technischen Karrierepfad. Er beginnt mit dem Bachelor- und Master-Studiengang an einer Fachhochschule oder einer Uni/ETH. Die Inhalte dieser Studiengänge sind jedoch keineswegs unumstritten. Zahlreiche Firmenvertreter wünschen sich, dass die Studenten möglichst gut auf den Berufseinstieg vorbereitet werden und bei der Erstanstellung vom ersten Tag an produktive Arbeit leisten. Das klingt vernünftig, greift aber zu kurz. Denn es sind nicht die Kenntnisse über SQL, ARM-CPUs, oder C#, die einen guten Ingenieur ausmachen.

Immer wichtiger: Grundlagen be­herrschen …

An einer FH-Tagung waren sich Fachexperten weitgehend einig, dass auf den Bachelor- und Master-Stufen technisch-mathematische Grundlagen im Vordergrund der Ausbildung stehen sollten. Prioritär sind also nicht Java oder Android, sondern Konzepte und Architekturen. Prioritär sind nicht irgendwelche FEM-Simulatoren, sondern die physikalischen Prozesse. Prioritär sind nicht Tools wie Maple oder Matlab, sondern die Mathematik und deren Anwendung. Daneben werden inter- und transdisziplinäre Fähigkeiten immer wichtiger. Für die technische Karriere ist es entscheidend, dass man die erwähnten Grundlagen und Methoden beherrscht. Aber der Bachelor- oder Master-Absolvent steht erst ganz am Anfang seiner beruflichen Laufbahn, denn die Ausbildungsdauer ist schlicht und einfach zu kurz für eine umfassende Auseinandersetzung mit allen Aspekten der betreffenden Informatik- oder Ingenieurdisziplin.

… und lebenslanges Lernen

Daher ist lebenslanges Lernen notwendig. Wer stehen bleibt, ist auf dem Abstellgleis angelangt. Es geht nicht darum, den Bildungsstand zu halten, sondern sich weiterzuentwickeln. Man bleibt am Ball. Man gestaltet mit. Man redet mit. Man ist dabei, wenn Entscheide gefällt werden. Auf dem Markt ändern sich Bedürfnisse und Anforderungen beständig. Damit muss die berufliche Weiterbildung Schritt halten. Neue Technologien kommen und gehen. Es ist wichtig, dass der weitsichtige Experte diese Entwicklungen rechtzeitig einschätzen und bewerten kann. Das braucht Erfahrung und spezifisches Fachwissen. Erfahrung kommt mit der Zeit. Das Fachwissen muss man sich erarbeiten. Für innovative Firmen sind entsprechende Fachkräfte wertvoll. Und auch hier gilt: Anwendungstechnologien wie Programmiersprachen, Mikroprozessoren und Tools vergehen. Die Grundlagen bleiben.

Wie steht es mit Ihrer Planung? Wie wird Ihr Arbeitsplatz in fünf oder zehn Jahren aussehen? Mit welchen Technologien werden Sie zu tun haben? Bleiben Sie am Ball. <<

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