Energieeffizienz

Knappe Ressourcen erfordern neue Technologien

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Was versteht man unter integrativer Produktion?

Bullinger: In der integrativen Produktion wird die Produktionstechnik zum Integrator der anderen anwendungsorientierten Forschungsdisziplinen. Wir konzentrieren uns hierbei auf fünf Entwicklungsfelder: adaptive Produktion, digitale Produktion, integrierte und vernetzte Produktion, wissensbasierte Produktion sowie High-Performance-Produktion.

Schnelle Änderungen der Märkte erfordern flexible Produktionen. Dazu wiederum sind neue anpassfähige – adaptive – Strukturen in den Unternehmen nötig. Ziel der digitalen Produktion ist, die Produkt- und Produktionsentwicklung zu synchronisieren und eine durchgängig digitale Produktentstehung über Unternehmensgrenzen hinweg zu verwirklichen. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehme müssen Wege gefunden werden, die Effizienz einer robusten, adaptiven Produktion mithilfe des Konzepts einer digitalen Fabrik zu realisieren. Zukünftige Produktionssysteme sind vernetzte Systeme miteinander kooperierender teilautonomer Elemente.

Die Integration des Wissens aller Disziplinen innerhalb und ausserhalb der Unternehmen wird zur Voraussetzung, um alle Potenziale zu erschliessen und zugleich die Komplexität zu beherrschen. Der Trend geht hin zur unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit in wandelbaren, kooperativen Produktionsnetzen. Neue Bearbeitungsverfahren ermöglichen einen Technologiesprung mit deutlicher Steigerung von Leistung, Anwendungsbreite oder Wirtschaftlichkeit. Diese High-Performance-Produktion kann letztlich zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden, weil sie liefert, was die internationalen Märkte verlangen: Schnelle Produktion und zugleich erstklassige Qualität.

Wie können wandlungsfähige Produktionssysteme, oder die individualisierte Grossserienproduktion, die Massenfertigung in Hochlohnländer zurückbringen – gibt es praktische Ansätze oder realisierte Beispiele?

Bullinger: Die Automobilindustrie ist ein typischer Vertreter der individualisierten Grossserienfertigung und der Serienfertigung von Zulieferteilen. Zwei Hauptbedingungen sind es, die es uns heute ermöglichen, die Massenproduktion in Hochlohnländern zu halten oder wieder zurückzuholen: Standardisierung und Individualisierung.

Ein aktuelles Beispiel ist die vollautomatisierte Fertigung von Kfz-Motorenkomponenten. Voraussetzung für den wachsenden Einsatz von Turboladern war, dass sie in hohen Stückzahlen kostengünstig gefertigt werden können. So entstanden vollautomatisierte Bearbeitungszentren, die hohe Produktivität bei gleichzeitig hoher Fertigungsqualität ermöglichen. Auch aus dem Technologiewandel zu Elektro- und Hybridantrieben ergeben sich neue Chancen für die produzierenden Unternehmen. Wenn deutsche Unternehmen jetzt Produktionskompetenz für elektronische Komponenten, Antriebskomponenten und Energiespeicher aufbauen, können sie die neuen Massenmärkte mit Fertigungstechnik ausstatten und zentrale Komponenten liefern. Entscheidend ist der Innovationsvorsprung gegenüber den globalen Wettbewerbern.

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