Suchen

Energieeffizienz Knappe Ressourcen erfordern neue Technologien

| Redakteur: Matthias Vogel

Fortschritte in den Produktionstechnologien sind Grundvoraussetzung für volkswirtschaftliche Weiterentwicklung. Im globalen Wettbewerb können Hochlohnländer langfristig nur bestehen, wenn sie ihre Produktionsprozesse nachhaltig und ressourcenschonend weiterentwickeln. Unter dem Motto «Werkzeugmaschinen und mehr» steht im besonderen Fokus deshalb die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktentstehung bis zur Wiederverwertung.

Firmen zum Thema

Festkörperlaser zeigen im Schmelzschnitt in Blechdicken bis 4 mm Edelstahl deutliche Vorteile bei Ge-schwindigkeit, Produktivität und Wirtschaftlichkeit.
Festkörperlaser zeigen im Schmelzschnitt in Blechdicken bis 4 mm Edelstahl deutliche Vorteile bei Ge-schwindigkeit, Produktivität und Wirtschaftlichkeit.
(Bild: Trumpf, Ditzingen)

Nach Ansicht von Prof. Dr.-Ing. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in München, müssen Hersteller in Hochlohnländern künftig in der Lage sein, immer mehr Produkte aus vollständig wiederverwertbaren Komponenten zu fertigen. Am Ende sollen Hochleistungsprodukte stehen, die komplett aus Produkt- und Prozessabfällen gefertigt werden. Wir sprachen mit Professor Bullinger über seine Vorstellungen von der Produktionstechnologie für Hochlohnländer.

Welche praktischen Möglichkeiten hat der überwiegend mittelständisch geprägte Maschinenbau heute noch, wettbewerbsfähig und gewinnbringend in Hochlohnländern zu produzieren?

Professor Hans-Jörg Bullinger: Produzenten in Niedriglohnländern können wegen der Kostenvorteile Nachteile bei Bearbeitungszeiten oder Prozessbeherrschung hinnehmen. Hersteller in Hochlohnländern müssen dagegen ihre Produktionsprozesse optimieren und hohe Produktqualität bei gleichzeitig hoher Produktionsflexibilität erreichen. Ziel ist es, über Technologieführerschaft Marktführerschaft zu erlangen. Das setzt voraus, dass ständig neue technologische Lösungen entwickelt werden. Am Ende geht es für die mittelständischen Unternehmen vor allem darum, sich den Herausforderungen schnell ändernder Märkte und Produkte zu stellen. Voraussetzung dafür sind Produktionssysteme, die extrem anpassungsfähig sind.

Bildergalerie

Sie sprechen in Ihrem Grusswort zum Aachener Werkzeugmaschinenkolloquium 2011 von Effizienztechnologien und davon, Energien intelligenter zu managen – die Vision heisse «Produktion ohne Rohstoffe». Was hat man darunter praktisch zu verstehen?

Bullinger: Ressourceneffiziente Produktion ist angesichts der weltweit absehbaren Trends nicht mehr länger «nur» eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit und der Sicherung von Zukunftsmärkten, der sich die deutschen Unternehmen nicht entziehen können. Die Anwendung von Effizienztechnologien wird eine wesentliche Voraussetzung für den langfristigen Erfolg am Markt darstellen.

Wir betrachten die Unternehmensabläufe vom Lieferanten über Infrastruktur, Produktionsprozesse und -systeme, Gebäude bis zu den Mitarbeitern, um alle Potenziale zur Steigerung der Ressourcenproduktivität identifizieren und heben zu können. Der Fraunhofer-Verbund Produktion hat sechs Handlungsfelder identifiziert, in denen Lösungen erarbeitet werden: Ressourceneffizienz durch Werkstoffe und Komponenten, ressourceneffiziente Fertigungssysteme, Ressourceneffizienz in mechanischen, thermischen und chemischen Fertigungstechnologien, Ressourceneffizienz durch stabilere Produktionsprozesse, Methoden für eine ressourceneffiziente Produktion und ressourceneffizienter Infrastrukturbetrieb.

Rohstoffe stehen auf unserem Planeten nicht unbegrenzt zur Verfügung. Dennoch verbrauchen wir schon heute anderthalb mal so viel an Ressourcen wie die Natur uns unbeschadet liefern kann – in Industrieländern noch deutlich mehr. Ein erster Lösungsansatz ist konsequentes Recycling. Nachwachsende Rohstoffe und eine kundennahe Fertigung mit geringem Energieverbrauch helfen, den Ressourcenverbrauch weiter zu reduzieren. Unter dem Schlagwort «Produzieren ohne Rohstoffe» gehen wir noch einen Schritt weiter: Unser Ziel sind Produkte, die ohne jeglichen Einsatz nicht erneuerbarer Primärrohstoffe hergestellt und gleichzeitig qualitativ, ökologisch und ökonomisch höchsten Ansprüchen gerecht werden.

(ID:32389230)