Prozessoptimierung

KVP im Mittelstand – so funktioniert’s

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Man muss also offensiv auf den Kunden zugehen, ihm neue, vielleicht auch ungewöhnliche Lösungsmöglichkeiten aufzeigen?

Zimmermann: Ja. Kundenorientierung und Kundenzufriedenheit – das sind die Schlagworte, mit denen wir uns sehr intensiv befassen. Das heißt für uns: Nicht warten, bis eine Anfrage oder ein Auftrag kommt, sondern aktiv auf den Kunden zugehen, ihm intensiv zuhören und dann daraus seine Schlüsse ziehen. Dabei geht es keineswegs immer um ein neues Produkt. Man muss dem Kunden auch zuhören, wenn man erfahren will, was er in seiner eigenen Firma verbessern möchte und wir als Firma Mink dazu beitragen können. Denken Sie nur einmal an das Problem der Reklamationen. Jede Reklamation kostet Geld, nicht nur uns, sondern auch dem Kunden. Das gleich gilt für Lieferterminprobleme, wo dann langwierige Telefonate geführt werden müssen, um die Dinge zu klären. Solche Prozesse sind – so würde man in Japan sagen – Muda, also Verschwendung, Zeitverschwendung, Energieverschwendung...

: ...und haben folglich keinen wertschöpfenden Charakter.

Zimmermann: Genau! Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass wir etwa 50 % der Tätigkeiten in der Industrie für Dinge aufwenden, die faktisch sinnlos sind. Also etwa die Hälfte der Zeit, die im Durchschnitt gearbeitet wird, hat eigentlich keinen wertschöpfenden Wert, sondern man befasst sich mit Dingen, die nicht notwendig sind: mit Suchen, Finden, Rückfragen, dem Bearbeiten von Reklamationen oder verspäteten Lieferungen. Ein Kollege hat einen Vorgang nicht genau bearbeitet, man muss ihn nochmal fragen. Man sucht etwas, man findet es dann vielleicht. Wenn man sich dann sich vor Augen hält, dass es sehr viele Firmen gibt, die ihre Produktion aus Kostengründen in Niedriglohnländer verlagern, dann stellt sich uns unweigerlich die Frage: Warum machen wir nicht zuerst unsere Hausaufgaben und verbessern unsere Prozesse derart, dass wir auch hier, in Deutschland, in Göppingen, effizienter und kostengünstiger arbeiten.

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Unternehmen, die ihre Produktion verlagert haben, haben also Ihrer Meinung nach nicht genügend über Prozessverbesserungen nachgedacht?

Zimmermann: Pauschalisieren sollte man natürlich nicht, das wäre sehr vermessen. Außerdem sind nicht wenige Unternehmen, die verlagert haben, reumütig wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Sicher kann man sich fragen: Machen wir in Deutschland wirklich etwas falsch und was machen wir falsch? Sind es wirklich die Stundenlöhne und Sozialleistungen? Nun, an denen können wir nicht groß drehen. Auch an den Grundstückspreisen oder den deutschen Bauvorschriften kann man als Unternehmen nichts verändern. Also muss man sich mit diesen Dingen, selbst wenn es schwer fällt, auseinandersetzen, um sich dann schließlich die wichtigste aller Fragen zu stellen: Machen wir eigentlich in unserem Unternehmen noch alles richtig?

Und genau diese Frage hat sich Mink gestellt?

Zimmermann: Richtig! Wir haben uns vor sieben Jahren entschlossen, im Bereich Produktion eine eigene KVP-Abteilung (KVP=kontinuierlicher Verbesserungsprozess) zu gründen. Wir haben qualifizierte Techniker und Ingenieure für diese Tätigkeit ein- bzw. freigestellt, um in allen Bereichen der Firma Mink – sei es in der Produktion oder in der Administration – die Prozesse zu betrachten und gemeinsam mit den Mitarbeitern zu durchleuchten, zu hinterfragen und zu verbessern. Obwohl wir damals keine Wachstums- oder Ertragsprobleme hatten, haben wir uns entschlossen, diesen Weg zu gehen. Ein externes Unternehmen fungierte dabei als Begleiter und Moderator

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