Bestimmte Probleme im Unternehmen nimmt man also selbst gar nicht mehr wahr
Zimmermann: Nun, das ist eine ganz schöne Herausforderung und geht auch nicht von heute auf morgen. Eine bestehende Organisation in eine nicht nur schlanke, sondern auch effiziente Richtung zu bringen – das bedarf Tausender von Schritten. Das wichtigste dabei ist, salopp gesagt, die Köpfe mitzunehmen. Die Leute müssen vom Wandel und dem, was zu tun ist, überzeugt sein. Schließlich können wie unsere Belegschaft ja nicht auswechseln. Und wenn viele unserer Mitarbeiter schon zehn oder 20 Jahre bei uns arbeiten, dann ist es sehr schwer, dem „Herrn Müller“ zu erklären, dass er das, was er 20 Jahren so gemacht hat, jetzt plötzlich anders machen soll. Dann fragt er natürlich: „Warum? Habe ich schlecht gearbeitet?“. Sie können sich also vorstellen: Die Reise zur effizienten Organisation war sehr beschwerlich. Heute ist sie es nicht mehr. Das freut uns. Denn wir haben es geschafft, unsere 350 Leute mitzunehmen.
Wie haben Sie das gemacht?
Zimmermann: Wir haben eine Mink Akademie gegründet, eine interne Veranstaltungsreihe, die durch die KVP-Abteilung organisiert wird. Kleine Gruppen aus Verwaltung und Produktion werden in Halbtages-, Tages- und Zwei-Tages-Seminaren während der Arbeitszeit fortgebildet, von externen Fachleuten oder Kräften aus dem eigenen Haus. Wir tun das ganz bewusst während der Arbeitszeit. Das hat am Anfang auch zu großen Aversionen geführt. „Während der Arbeitszeit ein Seminar - der soll doch eigentlich arbeiten“. So haben damals viele gedacht. Unsere externen Berater haben aber darauf gepocht und gesagt: „Sie müssen sich überwinden, es geht“. Und es hat wirklich geklappt. Wenn Mitarbeiter an einem Seminar teilnehmen und nicht in der Produktion sind, helfen die anderen in dieser Zeit aus.“
Zimmermann: Diesen ganzen Verbesserungsprozess hat natürlich auch der Kunde gespürt. Wir haben heute eine Reklamationsquote, die fast Null ist. Fast Null bei 250.000 unterschiedlichen Produkten und täglich etwa 300 Aufträgen etwa 450 Positionen. Jede Bürste ist anders, jeder muss aufpassen, jeder muss seinem Kollegen das richtige Teil weiterleiten, alles muss ordentlich verpackt werden und zur richtigen Zeit an den richtigen Kunden gehen. Das hört sich alles so einfach an und ist bei großen Versendern wie Amazon auch ganz normal. Aber wir reden ja von einem mittelständischen Zulieferunternehmen. Und unsere Kunden werden immer anspruchsvoller, fordern termingerechte Lieferung plus/minus einen Tag - ansonsten bekommen sie eine schlechtere Lieferantenbewertung. Verständlich, denn auch unser Kunde muss ja seine Prozesse optimieren. Wenn wir pünktlichst liefern, hat er ein kleines Lager und damit weniger Kapitalbindung. Genau dazu wollen wir beitragen. Denn wenn es dem Kunden gut geht, geht es auch uns automatisch gut. Genau das hat der Kunde gemerkt und hat in den letzten Jahren zu dem Umsatz- und Wachstumsschub bei Mink beigetragen hat, der nun wiederum die anfangs erwähnten Investitionen erforderlich macht.
Sind auch andere Mittelständler in Sachen Prozessoptimierung so weit wie Mink? Schließlich wird über KVP gerne mit Blick auf die Großindustrie diskutiert.
Zimmermann: Nein, ich denke, dass wir da noch sehr viel Reserve haben. Und diese Reserve wird häufig in mittelständischen Betrieben vernachlässigt. Viele Unternehmen sagen sich: Nun, die Löhne sind gestiegen, also erhöhen wir die Preise. Bei Mink zum Beispiel haben wir über sieben Jahre keine Preisänderungen gemacht - mit Absicht, weil wir uns gesagt haben: Nur wenn wir uns selbst unter Druck setzen, dann kommen wir auf Ideen. Selbst wenn uns kein Kunde deswegen, bildlich gesprochen, um den Hals gefallen ist, steht fest: Wir selbst haben uns dazu gebracht, über unsere Dinge nachzudenken, weil wir darüber nachdenken mussten.
Wie geht es weiter, wo will Mink hin?
Zimmermann: Ja, wo will die Firma Mink hin? Wie viele technische Bürsten braucht die Welt in fünf oder zehn Jahren? Ganz offen gestanden, ich weiß es nicht. Das ist wie mit dem iPad. Bevor das iPad auf den Markt kam, wusste keiner, dass er jetzt unbedingt ein solches iPad will. Vielmehr wurde ihm gezeigt: „Schau, das kannst du damit machen.“ Und der potenzielle Käufer sagte: „Toll! Das will ich“. Was ich damit sagen will, ist, dass wir unsere Märkte selbst machen oder zumindest beeinflussen müssen. Jeder Kunde fragt: „Warum soll ich das jetzt kaufen?“ Wenn diese Frage von ihm positiv beantwortet wird, weil etwa die Bürste bestimmte Dinge tut und sie die Maschine, in die sie eingebaut wird, produktiver, zuverlässiger oder kostengünstiger macht, dann wird er sich für die Bürste entscheiden. Um noch einmal auf die Frage zurückzukommen, wo Mink hin will: Die Größe ist nicht der entscheidende Faktor, aber wir wollen der Beste sein. Und der Beste heißt, dass die Konkurrenz nicht so gut ist wie wir. Einen Berg zu besteigen und da oben zu sitzen, ist eine Sache. Aber da über Jahre oder Jahrzehnte oben zu bleiben, das ist schwer. Das ist der härteste Job der Welt und diesen Job muten wir uns jeden Tag zu.
Stand vom 30.10.2020
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* Das Interview führte Jürgen Schreier, MM-Redakteur
Der Welt der Bürsten kennt keine Grenzen
Mink Bürsten
Die August Mink KG, 1845 gegründet, beliefert heute mehr als 15.000 namhafte Kunden rund um den Globus mit technischen Bürsten. Jährlich werden am Standort Göppingen mit 350 Beschäftigten über 6 Mio. technische Bürsten in rund 250.000 Varianten produziert. 80 % der Bürsten sind Sonderanfertigungen. Standardprodukte können über einen Onlineshop bezogen werden.
Die Anwendungen der Bürsten sind überaus vielfältig. Zum Einsatz kommen sie unter anderem in der Oberflächenbehandlung (Reinigen, Entgraten, Auftragen, Strukturieren, Abstreifen). Technische Bürsten von Mink helfen beim Abdichten (etwa von Gehäusen) und beim Transportieren sensibler Produkte. Auch Folien-, Textil- und Papierbahnen lassen sich mit Bürsten effektiv und preiswert glätten. Auch die „Kreativen“ haben an Bürsten- und Fasertechnologie aus Göppingen ihre Freude. Innenarchitekten oder Landschaftsgestalter erzielen verblüffende Ergebnisse durch den Einsatz von Designbürsten – etwa bei Faserwänden, „Bürstenbilderm“, Deckendekoration oder in der Messestandsarchitektur.