Zulieferindustrie Lagerdichtung für eine Million Kilometer

Redakteur: Lya Bartholet

>> Radsatzlager der Marke FAG-Tarol sind bei Herstellern von Schienenfahrzeugen weltweit ein Begriff für höchste Qualität. Diese zweireihigen Kegelrollenlager sind bereits werkseitig spieleingestellt, gefettet, abgedichtet und werden mit allen notwendigen Befestigungselementen und Anschlussteilen montagefertig ausgeliefert. Die modifizierte Linienberührung zwischen Rollen und Laufbahn verhindert Kantenspannungen und die Radsatzlager können Radial- und hohe Axialkräfte aufnehmen.

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Das FAG-TAROL-Radsatzlager hat sich schon vielfach bewährt bei Schienenfahrzeugen.
Das FAG-TAROL-Radsatzlager hat sich schon vielfach bewährt bei Schienenfahrzeugen.
(Bild: Schaeffler)

her. Die herausragenden Vorteile der FAG-Komponenten der Schaeffler-Unternehmenssparte Industrie werden auch für die U-Bahn-Projekte in Shanghai und Singapur genutzt. Die Anforderungen hierfür sind aussergewöhnlich anspruchsvoll: So sollen beispielsweise die Dichtungen für die Kegelrollenlager in der Radlagerung der Drehgestelle eine Lebensdauer von mindestens einer Million Kilometer haben und auch dann noch zuverlässig abdichten, wenn die Schienenfahrzeuge beispielsweise in regenreichen Gebieten betrieben werden, wo auch Eisenbahngleise gelegentlich überflutet werden. Darüber hinaus müssen die Dichtungen eine möglichst geringe Reibung aufweisen, weshalb schon während der Entwicklung verschiedene Prüfungen, unter anderem nach AAR-Spezifikationen (Association of American Railroads), durchgeführt wurden.

Speziell für diese hohen Anforderungen wurden die FAG-Komponenten noch einmal optimiert. Eine besondere Herausforderung waren die begrenzten Bauraumverhältnisse. Das Branchenmanagement «Bahn» der Schaeffler-Unternehmenssparte Industrie setzte hierfür auf Simrit als Entwicklungspartner, dessen Werkstoff- und Fertigungs-Know-how hier besonders gefragt war. Zumal von Schaeffler für diese Tarol-Variante eine speziell hierfür ausgelegte Kassettendichtung entwickelt wurde. Mit einer Hauptdichtlippe, die keinerlei Federunterstützung besitzt, ist es gelungen, Reibung und somit die Temperaturbelastung zu minimieren. Darüber hinaus wurde der Dichtungswerkstoff optimal an die besonderen Anforderungen und Betriebsbedingungen in den Radsatzlagern angepasst, natürlich unter Berücksichtigung der Anforderungen der AAR-Regularien.

Serienreif in wenigen Monaten

Die langjährige Zusammenarbeit zwischen Schaeffler und Simrit erwies sich auch im Projekt «Kassettendichtungen für Tarol» einmal mehr als besonders zielführend. So konnten beispielsweise einige zusätzliche Optimierungen, die im Rahmen der Vergabe der U-Bahn-Projekte anfielen, in nur sieben Monaten – von der Anfrage bis zur Auslieferung der ersten Serienteile – abgewickelt werden. Eine so kurze Entwicklungszeit ist das Ergebnis einer engen Abstimmung der Anforderungen im Vorfeld einerseits und der grossen Erfahrung von Simrit in der Umsetzung von anspruchsvollen Designs in produktionsreife Produkte andererseits. Mittlerweile sind fünf Abmessungen der Kassettendichtung zur Serienreife gebracht worden. <<

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