Internationale Fertigung

Made in India – mit Hilfe von Schweizer Präzisionsmaschinen

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Gleiche Qualität, geringere Produktivität

Die Fertigung bei Titan unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sehr von der Fertigung in Europa. Die Mitarbeiter fertigen auf modernen Bearbeitungszentren von DMG und Starrag. Die Hochpräzisionsfertigung ist in einem klimatisierten Raum untergebracht mit neuesten Maschinen von Schaublin Machines und auch von Hembrugg, nur die SIP Hydroptic stammt noch aus einer anderen Ära.

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Die neueste Schweizer Errungenschaft hier ist die Hochpräzisionsdrehmaschine 125-CCN mit drei simultanen Achsen von Schaublin. Hier hat nicht nur die reine Technik von Schaublin überzeugt, sondern das gesamte Leistungspaket: «Wenn wir Schaublin kaufen, können wir sicher sein, dass auch der After Sales Service funktioniert», konstatiert N. P. Sridhar, Business Head bei Titan Präzisionsmechanik. «Auffällig für Indien ist der Sinn der Mitarbeiter für gute Präzision. Das ist nicht in allen asiatischen Ländern der Fall», bestätigt R. Muster den optischen Eindruck.

Der vielleicht auffälligste Unterschied zur Fertigung in Europa ist demnach nicht die Präzision und Genauigkeit, sondern eine geringere Automatisierung und eine entsprechend geringere Produktivität. In der Einarbeitungsphase gibt es pro Maschine einen Maschinenbediener, erst später soll ein Bediener drei Maschinen betreuen. Das hängt vor allem mit den wesentlich niedrigeren Personalkosten zusammen, hat aber auch politische Gründe. Auf Grund der sehr hohen Arbeitslosigkeit sind Unternehmen verpflichtet, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, wenn sie in Maschinen investieren.

Medizintechnische Fertigung für Forschung und Entwicklung

Nicht nur in der Luft- und Raumfahrt ist Indien bestrebt, auf eigenen Beinen zu stehen, sondern auch in der Pharmaindustrie und in der Medizintechnik. Westliche Medizin- und Pharmaprodukte sind für den grössten Teil der indischen Bevölkerung unerschwinglich. So befindet sich die weltweit grösste Generikaproduktion in Indien. Medizintechnische Entwicklungen werden staatlich gefördert, so gibt es verschiedene Institute für die Forschung und Entwicklung medizintechnischer Teile, die vom Staat direkt unterstützt werden. Werden Produkte und Prozesse in der Praxis umgesetzt, werden Lizenzgebühren fällig, mit denen sich die Institute zusätzlich finanzieren.

Zu den entwickelten Medizinprodukten gehören Herzklappen sowie die gesamten Ausrüstungen für offene Herzoperationen, wie zum Beispiel Zentrifugal-Blutpumpen. Das sind sehr komplizierte Konstruktionen, da sich ein 6-poliger Magnet im Inneren befindet, der nicht mit Blut in Berührung kommen darf. Diese vom Institut entwickelte Operation wird in ganz Indien angewandt.

Hochpräzisionsmaschinen für Präzisionsfertigung

Für die Entwicklung und Fertigung solch präziser Bauteile ist natürlich auch eine entsprechende technische Ausstattung notwendig. Am Institut werden nicht nur Einzelteile und Prototypen gefertigt, sondern auch Serien von über 1000 Stück für medizinische Tests an Spitälern in Indien. Hier setzen die Verantwortlichen aus der Präzisionsfertigung auf Schweizer Präzision, speziell auf Maschinen von Schaublin. Insgesamt drei Schaublin-Maschinen sind am Institut im Einsatz; unter anderem die 28-CCN, eine 3,5-Achs-Präzisionsfräsmaschine, wie sie auch an der ETH in der technischen Werkstatt von Inspire im Einsatz ist. Hier werden alle Frästeile am Institut hergestellt. Drehteile, wie zum Beispiel Schrauben für eine Dialysezentrifuge, werden auf der Schaublin 125-CCN gefertigt. Das kleinste an der Maschine gefertigte Drehteil hat einen Aussendurchmesser von 2,2 mm und einen Innendurchmesser von 1,0 mm. Für Einzelkomponenten nutzen die Mitarbeiter des Instituts die konventionelle Hochpräzisionsdrehmaschine 102N-VM/CF von Schaublin.

Ausbildung in der Präzisionsmechanik

Auch in Indien nimmt die Berufsbildung einen wichtigen Stellenwert ein. Allerdings ist die berufliche Bildung im Gegensatz zur Schweiz über staatliche Trainingszentren organisiert. Das Government Tool Room & Training Centre ist in Bangalore angesiedelt und auf metallverarbeitende Berufe spezialisiert. Insgesamt gibt es in ganz Indien 20 solcher Institutionen. Zum einen erhalten die Berufsbildungszentren finanzielle Unterstützung vom Staat, aber sie finanzieren sich auch über Zulieferverträge. Doch die Studenten müssen sich mit Studiengebühren von 45 000 Rupien (etwa 500 CHF) beteiligen, was für viele indische Familien ein sehr hoher Betrag ist.

Jährlich werden hier rund 5000 Studenten von 150 Lehrern ausgebildet. Es werden unterschiedlich lange Ausbildungen angeboten: von Kurzzeittrainings, die von vier Monaten bis zu maximal einem Jahr dauern können bis hin zu Diploma-Studiengängen, die mehrere Jahre dauern. In Indien ist das Diploma ein spezieller Ausbildungsgrad, der vor allem in der Berufsausbildung erworben werden kann. Diplomas können in drei verschiedenen Fachgebieten erworben werden: Mechatronik, Werkzeugmacher und Feinwerkmechaniker. Der Unterricht besteht dabei zu 30 Prozent Theorie und 70 Prozent Praxis. Die Studenten werden an den modernsten und neusten Maschinen ausgebildet. Nachdem im ersten Ausbildungsjahr die Studenten vor allem manuelle Fähigkeiten erlernen, findet in den höheren Jahrgängen die Ausbildung an hochpräzisen CNC- Dreh- und Fräsmaschinen statt. Im Jahr 2013 hat das Berufsbildungszentrum zehn neue Maschinen im Wert von 1,6 Millionen USD angeschafft und setzt hierbei speziell auch auf Schweizer Qualität. Allein von Schaublin nutzt das Trainingscenter acht Maschinen für seine Ausbildung.

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