Kernprojekt für die digitale Transformation der Industrie Manufacturing-X – wer, wie, was, wann, wo?

Quelle: Pressemitteilung 4 min Lesedauer

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Ende Oktober hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Strategiepaper «Industriepolitik in der Zeitenwende» vorgestellt. Darin skizziert das BMWK unter anderem, wie die digitale Transformation innerhalb der Industrie in Deutschland vorangetrieben werden soll, und betont dabei, dass Manufacturing-X das Kernprojekt für die digitale Transformation der Industrie ist – inklusive Beteiligungsmöglichkeiten auch für den Mittelstand.

Manufacturing-X ist das Kernprojekt für die digitale Transformation der Industrie – inklusive Beteiligungsmöglichkeiten auch für den Mittelstand.(Bild:  Proalpha)
Manufacturing-X ist das Kernprojekt für die digitale Transformation der Industrie – inklusive Beteiligungsmöglichkeiten auch für den Mittelstand.
(Bild: Proalpha)

An Manufacturing-X beteiligen sich derzeit insbesondere die Bundesregierung, grosse Verbände wie VDMA, ZVEI, VDI und Bitkom, die innovativsten Fertigungs- und IT-Unternehmen Deutschlands – darunter Bosch, die Telekom, SAP, Siemens, DMG Mori und Trumpf – sowie renommierte Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer. Sie investieren Kapazitäten und Know-how in die Initiative, weil sie endlich Ernst machen wollen mit der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft. Denn ohne eine gemeinsame Datenökonomie werden Digitalisierungsprojekte an der Oberfläche kratzen und nicht viel weiter als bis ans eigene Werkstor führen.

Manufacturing-X reiht sich ein in die grossen X-Initiativen, die Europa als Datenökonomie voranbringen sollen, und profitiert von den in diesen Projekten bereits entwickelten Grundlagen. Zur Erinnerung: Gaia-X ist die europäische Plattform zum Austausch von Daten, von Deutschland und Frankreich 2019 initiiert und im Februar 2021 in Brüssel ins Leben gerufen. Catena-X ist das speziell für die Automobilindustrie im Mai 2021 als Verein gegründete Pendant. Die mittlerweile auf 160 Mitglieder angewachsene Organisation schuf damit frühzeitig ein Ökosystem, um Daten innerhalb eines branchenspezifischen Wertschöpfungsnetzwerks sicher, selbstbestimmt und schnell auszutauschen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) will für die X-Initiativen viel Geld in die Hand nehmen. Für Catena-X sind 250 Millionen Euro an Zuschüssen vom BMWK im Gespräch und für Manufacturing-X wurden in einem ersten Schritt im April 2023 rund 150 Millionen Euro zugesagt.

Digitale Transformation neu definiert

Die digitale Transformation hat in den vergangenen zehn Jahren die Bedürfnisse des Kunden ein Stück weit vernachlässigt. Der Fokus lag zu stark auf der eigenen Produktionslandschaft. Die Transformation der Zukunft wird allerdings nicht nur in der Fabrikhalle, sondern massgeblich auch ausserhalb der Fabriktore, insbesondere in Datenräumen (Data­spaces), stattfinden.

Dabei ist Manufacturing-X mehr als ein föderativer Datenraum für das produzierende Gewerbe. Neben dem sicheren Teilen von Daten soll laut Bitkom-Positionspapier zu Manufacturing-X auch eine Struktur für «Services, etwa zur Datenveredelung, Anonymisierung, Datenvalidierung oder Überwachung von Compliance» geschaffen werden.

Digitale Wertschöpfungsketten – 80 Prozent erhobener Industriedaten bislang ungenutzt

Als juristische Grundlage zum Datenaustausch hat das Europäische Parlament den EU Data Act auf den Weg gebracht. Um eine höhere Wertschöpfung aus Daten zu erreichen, regelt die EU-Verordnung den fairen und rechtsicheren Datenaustausch und die faire Datennutzung zwischen Unternehmen, Verbrauchern und öffentlichen Einrichtungen.

Bildlich gesprochen wird das Gesetz die Schleusen vermeintlich privater Data Lakes öffnen und die Stauseen von Catena-X, Manufacturing-X und weiterer X-Initiativen fluten, um den Datenraum für eine föderative, datengetriebene Wertschöpfung zu schaffen. Das Potenzial ist riesig – laut Europäischer Kommission sind 80 Prozent der in der Industrie erhobenen Daten bisher noch ungenutzt. Die EU rechnet damit, dass dies in etwa einem Volumen von 270 Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung bis etwa 2028 entspricht.

Digitale Geschäftsmodelle

Ein Papier von McKinsey im Auftrag des VDMA teilt die Digitalisierung im Maschinenbau in zwei Bereiche: zum einen in die Plattform-, zum anderen in die Anwendungsebene mit Mehrwertdiensten. Diese werden auch als digitale Wertschöpfungsketten dargestellt, in denen Daten analysiert, neu ausgewertet oder zu innovativen Services konfiguriert werden. Damit können dann leicht nutzbare «Industrie-Apps» oder «zubuchbare» Services für Endnutzer einer Produktionsmaschine zur Verfügung gestellt werden. Das Ökosystem arbeitet vertrauensvoll in den föderativen Datenräumen, um gemeinsam Nutzen und Mehrwerte für den Kunden zu erarbeiten (Beispiel siehe Kastentext).

CO2-Bilanzierung und Lieferkettengesetz: ohne Datenräume deutlich schwieriger

Um die Klimaziele umzusetzen, schnürt der Gesetzgeber das Korsett inzwischen immer enger. Sowohl Regulierungen auf Bundes- als auch auf EU-Ebene verpflichten Unternehmen zu einer umfangreichen Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ohne einen gemeinsamen Datenraum führt das im besten Fall zu einem Flickenteppich, denn in ihren eigenen Systemen finden Unternehmen längst nicht alle benötigten Daten.

Dasselbe gilt für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, das von Unternehmen verlangt, die Verantwortung für ESG-Aspekte auch für Lieferanten zu übernehmen. Es verpflichtet sie, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschädigungen innerhalb der eigenen Geschäftstätigkeit oder der Zulieferer zu identifizieren und ihnen proaktiv zu begegnen. Neben einem umfassenden Risikomanagement ist die Dokumentation ein Muss. Sie enthält Prozesse, Risikoanalysen, Präventionsmassnahmen, Verstösse, Abhilfemassnahmen und Hinweise, die über das einzurichtende Beschwerdeverfahren eingehen.

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Fazit

Mit Manufacturing-X sollen Unternehmen flächendeckend in die Lage versetzt werden, Wertschöpfung auf Basis von Daten zu betreiben sowie resilienter und nachhaltiger zu werden. Damit wächst die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft, entsteht zusätzliche Wertschöpfung aus Daten und es bildet sich eine Infrastruktur für nachhaltige Produktion: Ohne einen unternehmensübergreifenden, föderativen Datenraum rücken beispielsweise eine produktspezifische CO2-Datenermittlung und die nächsten Schritte für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in weite Ferne. Manufacturing-X reiht sich ein in die grossen X-Initiativen (Gaia-X als europäische Plattform zum Austausch von Daten und Catena-X für die Automobilindustrie) und sollte gleichsam von den in diesen Projekten bereits entwickelten Grundlagen profitieren, um Europa als Datenökonomie voranzubringen. (neu) SMM

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