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Technologiestandort Schweiz 2020: Max Lehner & Co. AG Max Lehner & Co. AG: Technologisches Rückgrat der Gasturbinenindustrie

Redakteur: Matthias Böhm

Die ISO-9001-zertifizierte Max Lehner & Co. AG entwickelt und produziert komplexe Baugruppen, die zum Messen, Steuern und Regeln von Gasturbinen eingesetzt werden. Der Umgang mit Hochleistungswerkstoffen und -legierungen bedeutet für sie Alltag. In Zukunft will das Unternehmen sein Kompetenzfeld mit dem Konstruieren und Herstellen von komplexen Komponenten und Systemen in anderen Geschäftsfeldern erweitern. Zielmärkte sind neben der Energietechnik die Luft- und Raumfahrt-, Prozess- und Pharmaindustrie.

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Beat Leu gemeinsam mit Deftim Mehmedoski (Polymechaniker) vor dem neuen Doosan-Puma-SMX-3100S-Dreh-Fräszentrum mit B-Achse, um komplexe Dreh-Frästeile zu fertigen.
Beat Leu gemeinsam mit Deftim Mehmedoski (Polymechaniker) vor dem neuen Doosan-Puma-SMX-3100S-Dreh-Fräszentrum mit B-Achse, um komplexe Dreh-Frästeile zu fertigen.
(Bild: Matthias Böhm)

Mit dem neuen Inhaber und Geschäftsführer Beat Leu entwickelt sich die Max Lehner & Co. AG konsequent zu einem strategischen Entwicklungs- und Fertigungspartner über die ganze Supply Chain für Baugruppen und Systeme von High-End-Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen. Unter der neuen Führung von Beat Leu werden alle Bereiche des Unternehmens konsequent modernisiert, um sich für die Zukunft als hochkompetenter Technologiepartner perfekt auszurichten. Nicht zuletzt deshalb wurde in den letzten 24 Monaten massiv in den Ausbau der Fertigung und die Verbesserung der Geschäftsprozesse investiert, unter anderem in die Beschaffung neuer Dreh-/Fräszentren, den Ausbau bestehender Bearbeitungszentren und die weitere Vernetzung und Digitalisierung der Prozesse und Arbeitsmittel (CAD, CAM, ERP).

Hervorragende Gasturbinen-Expertise

Beat Leu sagt zum Kompetenzbereich seines Unternehmens: «Unser Know-how kommt aus dem Bereich der Turbinentechnologie, das sich im Rahmen einer jahrzehntelangen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Gasturbinenherstellern entwickeln konnte. Die fertigungstechnischen und qualitativen Anforderungen, die an uns herangetragen werden, sind technologisch auf höchstem Niveau. Bei diesen Komponenten darf nichts dem Zufall überlassen werden. Ob materialtechnisch, produktionstechnisch oder messtechnisch: alles muss bis ins kleinste Detail in kontrollierten und zertifizierten Prozessen umgesetzt werden. Wir müssen als Lieferant von Gasturbinenkomponenten sicherstellen, dass die Prozesssicherheit zu 100 Prozent gewährleistet ist. Qualität und Zuverlässigkeit steht im Anforderungsspektrum ganz weit oben.»

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Die Kernkompetenzen der Max Lehner & Co. AG liegen nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen in diesem Technologiefeld im Bearbeiten von komplex aufgebauten Baugruppen, die oft aus schwierig zu bearbeitenden Materialien sind.

B. Leu: «Bei oben genannten Werkstoffen handelt es sich unter anderem um hochwarmfeste Materialien wie Inconel oder Hastelloy mit schwierigsten Zerspanungseigenschaften. Auch unsere Fügekompetenz ist auf diese Werkstoffe zugeschnitten, damit sich in den Wärmeeinflusszonen keine Gefügeveränderungen oder unerwünschte Eigenspannungen ergeben.»

Produktionsgerechte Konstruktions­dienstleistungen

Ein weiteres Kompetenzfeld der Max Lehner & Co. AG ist die Konstruktion. B. Leu: «Wenn unser Engineering erkennt, dass spezifische konstruktive Elemente aus produktionstechnischer Sicht perfektioniert werden können, dann machen wir unserem Kunden einen entsprechenden Vorschlag. Mittlerweile hat sich hier eine enge Engineering-Kooperation mit den meisten unserer Kunden herausgebildet. Solche konstruktiven Weiterentwicklungen werden heute immer entscheidender, gerade im Bereich komplexer Baugruppen. Um konstruktionstechnisch auf höchstem Niveau mit unseren Kunden zu interagieren, wurde jüngst in neue 3D-CAD-Systeme investiert.»

Millionen-Investitionen in Maschinenpark

Die Investitionen zeigen, dass das Unternehmen seine Bearbeitungskompetenzen ausbaut, wie Beat Leu betont: «Mit den beiden 5-Achs-Bearbeitungszentren DMG Mori DMC 125FD und DMC 80FD entwickeln wir uns klar in Richtung Hochpräzisionsbearbeitung kubischer Werkstücke. Ziel ist es, uns strategisch breiter auszurichten im Bereich von Baugruppen und Bauteilen im High-End-Segment. Unser jüngstes Fertigungsprojekt geht in den Werkzeugmaschinenbereich, wo wir Komponenten mit 1000 mm Kantenlänge im 5-µ-Toleranzbereich fertigen. Mit den beiden Dreh-Fräszentren Doosan Puma SMX 3100S und DMG Mori GMX 400 linear sind wir in der Lage, komplexeste Bauteile mittels Dreh-Fräsprozessen in einer Aufspannung herzustellen. Damit decken wir eine vollumfängliche Fertigungskompetenz von kleinen bis mittelgrossen Dreh- und Fräswerkstücken ab, 5-Achs-Simultanbearbeitung inklusive. Dank der Integration und Vernetzung weiterer HyperMill-​CAM-Stationen zu unseren Bearbeitungszentren konnte eine wesentliche Effizienzsteigerung erzielt werden.»

Messtechnik inklusive Röntgenverfahren

Im Bereich der Qualitätssicherung wurde in neue Zeiss-3D-Messtechnik investiert. Hier werden die Werkstücke geprüft, Messprotokolle angefertigt und auf Wunsch die Wareneingangskontrolle der Kunden übernommen. Eine Besonderheit ist die Röntgenkontrolle, die gemeinsam mit einem externen Partner bei spezifischen Bauteilen durchgeführt wird, um Risse oder Einschlüsse in den Bauteilen auszuschliessen.

Neue Führungsmethoden – Arbeitnehmer handeln als Unternehmer

Nicht zuletzt dank der Implementierung eines ERP-Systems neuester Generation sowie der Anschaffung einer modernen IT-Infrastruktur konnten die Geschäftsprozesse auf die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. Entscheidend im Rahmen der Modernisierung und Diversifizierung des Unternehmens ist es, so B. Leu, «die Mitarbeiter in die neue Technologieumgebung mit einzubinden, um die neuen Technologien voll auszureizen. Ich versuche auf der einen Seite, eine moderne Führungskultur und -struktur zu entwickeln, in der jeder Mitarbeiter unternehmerisch denkt und agiert und mehr Selbstverantwortung übernimmt. Das heisst auf der anderen Seite, dass ich meinen Mitarbeitern Freiheiten gebe, um die Prozesse eigenständig im Team zu optimieren, und dass wir gemeinsam Optimierungsprozesse initiieren. Eine solche unternehmerische Weiterentwicklung ist massgeblich mitentscheidend, um unsere bestehenden Kunden halten und neue Kunden und neue Geschäftsfelder aufbauen zu können.»

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