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Schwierige Zeiten MEM-Industrie: Kein Aufschwung in Sicht

Redakteur: Silvano Böni

Die Schweizer MEM-Industrie durchlebt eine ungewöhnlich lange Baisse, welche durch die Covid-Pandemie deutlich verstärkt und verlängert wird. In den ersten neun Monaten dieses Jahres reduzierten sich die Auftragseingänge gegenüber der Vorjahresperiode um -8,6 Prozent, die Umsätze um -11,5 Prozent und die Exporte um -13,9 Prozent – ausserdem bestehen kaum Hinweise auf einen baldigen, nachhaltigen Aufschwung.

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(Bild: ©Funtap - stock.adobe.com)

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie kämpft durchlebt schwierige Zeiten. Die Auftragseingänge sanken in den ersten neun Monaten 2020 gegenüber der Vorjahresperiode erneut um -8,6 Prozent. Betrachtet man nur das dritte Quartal, so betrug der Rückgang im Vergleich zum Vorjahresquartal -4,8 Prozent. Ein ähnliches Bild präsentiert sich bei den Umsätzen. Im Zeitraum von Januar bis September 2020 sanken die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um -11,5 Prozent. Im dritten Quartal 2020 betrug der Rückgang -8,4 Prozent. Vom Umsatzrückgang sind KMU deutlich stärker betroffen als Grossfirmen. Diese negative Geschäftsentwicklung wirkte sich auch auf die Kapazitätsauslastung in den Betrieben aus. Sie betrug im dritten Quartal 2020 nur 77 Prozent, was deutlich unter dem langjährigen Mittel von 86,4 Prozent lag. Gemäss der jüngsten KOF-Umfrage stieg sie im Oktober 2020 auf 78,3 Prozent an. Diese Zahlen bringen lediglich den Branchendurchschnitt zum Ausdruck. Die Situation in den einzelnen Unternehmen zeigt sich je nach Subbranche und Zielmärkte sehr unterschiedlich.

Die Unsicherheiten sind sehr gross. Das dämpft weltweit massiv die Investitionsbereitschaft.

Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher

Exportrückgang in allen Märkten

Die Güterexporte der MEM-Industrie reduzierten sich gemäss den Zahlen der Eidgenössische Zollverwaltung in den ersten neun Monaten 2020 im Vergleich zur Vorjahresperiode um -13,9 Prozent. Sie erreichten einen Warenwert von 43,9 Milliarden Franken. Alle wichtigen Absatzmärkte entwickelten sich negativ. Die Exporte in die USA sanken um -13,8 Prozent, in die EU um -15,2 Prozent und nach Asien (trotz leichter Erholung in China) um -8,9 Prozent. Auch alle Warengruppen erfuhren Exportrückgänge. Die Ausfuhren im Maschinenbau verringerten sich um -15,1 Prozent, bei den Metallen um -14,2 Prozent, bei der Elektrotechnik/Elektronik um -10,6 Prozent und bei den Präzisionsinstrumenten um -10,3 Prozent.

Trotz schwacher Erholung weiterer Rückschlag möglich

Mittlerweile sind die Auftragseingänge in der MEM-Industrie seit Mitte 2018 während neun aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgegangen – dies je im Vergleich zu den entsprechenden Vorjahresperioden. Dabei hat die Branche rund 30 Prozent des Auftragsvolumens verloren. Die MEM-Industrie durchlebt somit eine ungewöhnlich lange Baisse. Es besteht aber die Hoffnung, dass der Tiefpunkt im zweiten Quartal durchschritten wurde und sich die Geschäftslage auf sehr tiefem Niveau schwach zu erholen beginnt. So hat das Auftragsvolumen hat im dritten Quartal 2020 gegenüber dem extrem schwachen zweiten Quartal um sieben Prozent zugenommen. Auch die Stimmungslage der Unternehmerinnen und Unternehmer der MEM-Branche hat sich im dritten Quartal 2020 leicht aufgehellt. Im zweiten Quartal rechneten nur 22 Prozent der Unternehmer für die kommenden zwölf Monate mit steigenden Aufträgen. Dieser Anteil erhöhte sich im dritten Quartal auf 38 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil jener, welcher von weiteren Auftragsverlusten ausgeht, von 51 Prozent im zweiten auf 29 Prozent im dritten Quartal. Dennoch bestehen wenig Anzeichen für einen baldigen, nachhaltigen Aufschwung. Vielmehr brachte die zweite Covid-Infektionswelle die Gefahr eines erneuten Rückschlages. «Die Unsicherheiten sind sehr gross», sagt Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher. «Das dämpft weltweit massiv die Investitionsbereitschaft». Als exemplarisches Beispiel weist er auf den Exporteinbruch bei den Werkzeugmaschinen (-34,2 Prozent) hin, einem typischen Investitionsgut. SMM

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