Rückblick auf den 14. SMM-Kongress Frischer Wind für die MEM-Industrie

Von Nastassja Neumaier 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Am 21. Mai trafen sich rund 150 Fachleute aus der Schweizer MEM-Industrie im Messe Forum Luzern zum 14. SMM-Kongress. Unter dem Motto «Industrie im Aufwind» bot die Veranstaltung ein dichtes Programm mit hoher Praxisrelevanz. Das verbindende Thema: Der Aufschwung der MEM-Industrie ist keine Schönwetterfahrt. Er muss aktiv mitgestaltet werden – mit der richtigen Software-Architektur, intelligenter Automatisierung, sicherer Antriebstechnik, echtem Führungscommitment und einer klaren Energiestrategie.

Erich Sannemann, Direktor von Swissmechanic, präsentierte die Ergebnisse der Swissmechanic-Quartalsumfrage.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Erich Sannemann, Direktor von Swissmechanic, präsentierte die Ergebnisse der Swissmechanic-Quartalsumfrage.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Den inhaltlichen Auftakt setzte Erich Sannemann, Direktor von Swissmechanic, mit einem Plädoyer für die MEM-KMU. Die eigentliche Kraft der Schweizer Industrie komme nicht aus Konzernzentralen, sondern aus den Werkhallen hoch spezialisierter Kleinbetriebe, den sogenannten «Hidden Champions». Trotz Margendruck, Fachkräftemangel und volatiler Märkte investieren diese Unternehmen in Automatisierung, Digitalisierung und Ausbildung. Ihre Stärken – Spezialisierung, Flexibilität, Kundennähe – sind laut Sannemann keine Nischeneigenschaften, sondern Wettbewerbsvorteile erster Güte.

Der SMM-Kongress 2026 in Bildern
Bildergalerie mit 81 Bildern

Carlo Buck, Managing Director und Head of Market Region Central Europe bei United Machining Solutions, demonstrierte, wie der gezielte Kundendialog die Umstellung einer gesamten Produktion bewirken kann.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Carlo Buck, Managing Director und Head of Market Region Central Europe bei United Machining Solutions, demonstrierte, wie der gezielte Kundendialog die Umstellung einer gesamten Produktion bewirken kann.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Carlo Buck, Managing Director und Head of Market Region Central Europe bei United Machining Solutions, legte nach: Wettbewerbsfähigkeit im Maschinenbau erfordere das konsequente Hinterfragen etablierter Strukturen. Anhand zweier Praxisbeispiele aus den Bereichen der Lasertechnik und der Frästechnologie verdeutlichte er, was offener Dialog in der Praxis bewirken kann. Die Botschaft: Veränderung beginnt mit der Bereitschaft zur konstruktiven Auseinandersetzung.

Stephan Schüpbach, CEO der Quinx AG: «Die Produktion von morgen wird nicht durch einzelne Maschinen gewonnen, sondern durch die Intelligenz ihrer Vernetzung.»(Bild:  Thomas Entzeroth)
Stephan Schüpbach, CEO der Quinx AG: «Die Produktion von morgen wird nicht durch einzelne Maschinen gewonnen, sondern durch die Intelligenz ihrer Vernetzung.»
(Bild: Thomas Entzeroth)

Stephan Schüpbach, CEO der Quinx AG, brachte das auf den Punkt, was viele Fertigungsbetriebe täglich erleben: Systeme, die nicht miteinander kommunizieren, kosten Zeit, Geld und Nerven. Sein Vortrag «Vom Silo zum System» argumentierte klar: Die nahtlose Integration verschiedener Softwarelösungen ist kein «Nice-to-have» mehr, sondern die Grundlage für Prozesssicherheit. Manuelle Schnittstellen, Medienbrüche und isolierte Dateninseln gefährden die Steuerbarkeit der Produktion – ein synchronisiertes digitales Ökosystem schafft die nötige Transparenz und Effizienz.

Daniel Scheufele, Product Manager Digital Products bei der Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH, demonstrierte, wie in Werkzeugmaschinen integrierte Assistenzsysteme die Produktivität steigern.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Daniel Scheufele, Product Manager Digital Products bei der Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH, demonstrierte, wie in Werkzeugmaschinen integrierte Assistenzsysteme die Produktivität steigern.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Nach der ersten Networking-Pause widmete sich Daniel Scheufele, Product Manager Digital Products bei der Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH, den praktischen Auswirkungen von KI-Lösungen im Fertigungsalltag. Integrierte Assistenzsysteme unterstützen Bediener von Werkzeugmaschinen aktiv entlang der Produktionsschritte. Das steigere die Produktivität, so Scheufele. Anschliessend berichtete der nächste Redner aus Anwendersicht von seinen Erfahrungen mit Heller-Maschinen.

Tobias Fischer, Operations Manager der Eugen Seitz AG, begleitete den Transformationsprozess des Unternehmens von einzelnen Fräsarbeitsplätzen zum automatisierten Fräsverbund. Er betonte dabei die Bedeutung eines starken Partnerökosystems.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Tobias Fischer, Operations Manager der Eugen Seitz AG, begleitete den Transformationsprozess des Unternehmens von einzelnen Fräsarbeitsplätzen zum automatisierten Fräsverbund. Er betonte dabei die Bedeutung eines starken Partnerökosystems.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Tobias Fischer, Operations Manager der Eugen Seitz AG, schilderte den Weg seines Unternehmens von einzelnen Fräsarbeitsplätzen zum automatisierten Fräsverbund. Das Ergebnis: eine Autonomie von bis zu 150 Stunden und flexible Fertigung bis Losgrösse 1. Dass dieses Ziel erreicht wurde, führt Fischer nicht zuletzt auf die richtige Partnerwahl zurück: Mit Heller als Maschinenhersteller und Goodj Automation als Automationsspezialist habe Eugen Seitz auf ein eingespieltes Team gesetzt und damit die Grundlage für eine funktionierende, skalierbare Lösung und mehr Prozessstabilität geschaffen.

Michael Lendi, Leiter Entwicklung Automation der Goodj Automation AG: «Die strategische Notwendigkeit, Werkzeugmaschinen zu automatisieren, ist unbestritten.»(Bild:  Thomas Entzeroth)
Michael Lendi, Leiter Entwicklung Automation der Goodj Automation AG: «Die strategische Notwendigkeit, Werkzeugmaschinen zu automatisieren, ist unbestritten.»
(Bild: Thomas Entzeroth)

Michael Lendi, Leiter Entwicklung Automation der Goodj Automation AG, ergänzte aus Anbieterperspektive: Der Markt für Automationslösungen ist gross und unübersichtlich. Skalierbare, integrale Systeme mit maximaler Hardware-Flexibilität seien der Schlüssel zu echter Investitionssicherheit – gerade in einem Umfeld, in dem sich Anforderungen schnell ändern.

Matthias Meyering, Technischer Produktmanager der Stöber Schweiz AG, zeigte auf, wie das Sicherheitsmodul «SX6» Masstäbe für die Sicherheitsanforderungen an das Bremsenmanagement bei schwerkraftbelasteten Achsen setzt.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Matthias Meyering, Technischer Produktmanager der Stöber Schweiz AG, zeigte auf, wie das Sicherheitsmodul «SX6» Masstäbe für die Sicherheitsanforderungen an das Bremsenmanagement bei schwerkraftbelasteten Achsen setzt.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Matthias Meyering, Technischer Produktmanager der Stöber Schweiz AG, rückte nach dem Mittag ein oft unterschätztes Thema bei der Anlagenautomatisierung in den Fokus: das sichere Bremsenmanagement bei schwerkraftbelasteten Achsen. Durch Verschleiss oder verunreinigte Bremsen können solche Achsen unkontrolliert absinken und damit Mensch und Maschine gefährden. Mit dem Sicherheitsmodul «SX6» bietet Stöber einen Lösungsansatz, der die Anforderungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) erfüllt – und gezielt darüber hinausgeht. «Zur Steigerung von Produktivität und Verfügbarkeit haben wir die Überwachungsmechanismen über die normativen Grundanforderungen hinaus erweitert. Positionsbasierte Grenzwertüberwachung und prädiktives Ausblenden von Störsignalen ermöglichen das Anfahren der angestrebten Grenzwerte mit minimalem Störabstand», so Meyering.

Raphaël Müller, Head of Industrial Solutions bei der Brütsch/Rüegger Werkzeuge AG, stellte provokativ die Frage: «Es wird viel über Digitalisierung gesprochen, aber sind wir in kritischen Situationen wirklich effizienter?»(Bild:  Thomas Entzeroth)
Raphaël Müller, Head of Industrial Solutions bei der Brütsch/Rüegger Werkzeuge AG, stellte provokativ die Frage: «Es wird viel über Digitalisierung gesprochen, aber sind wir in kritischen Situationen wirklich effizienter?»
(Bild: Thomas Entzeroth)

Raphaël Müller, Head of Industrial Solutions bei der Brütsch/Rüegger Werkzeuge AG, nahm ein weit verbreitetes Phänomen ins Visier: Digitalisierungsprojekte, die auf dem Papier überzeugend klingen, aber keine messbaren Ergebnisse liefern. Sein Vortrag zeigte praxisnah, wie Materialflüsse, Werkzeugmanagement und Maschinendaten so verknüpft werden können, dass Transparenz und Effizienz tatsächlich steigen – ohne die Organisation dabei zu überlasten.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die Denkanstösse von Michael Jahn, CEO der Phoenix Mecano Solutions AG, und Dagmar Frank, Organisationsentwicklerin und Coach, sorgten im Saal für Gesprächsstoff.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Die Denkanstösse von Michael Jahn, CEO der Phoenix Mecano Solutions AG, und Dagmar Frank, Organisationsentwicklerin und Coach, sorgten im Saal für Gesprächsstoff.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Der wohl provokanteste Vortrag des Tages kam von Michael Jahn, CEO der Phoenix Mecano Solutions AG, gemeinsam mit Dagmar Frank, Organisationsentwicklerin und Coach. «Vertrauen schlägt Methode» – unter diesem Titel legten die beiden offen, warum Lean-Projekte trotz Kanban-Boards, KVP-Prozessen und Schulungen oft wirkungslos bleiben. Was den Vortrag besonders glaubwürdig machte: Jahn sprach nicht aus sicherer Distanz, sondern aus eigener Erfahrung – und die schliesst auch Scheitern ein. Ausgerechnet ein Unternehmen, das mit dem Swiss Lean Award ausgezeichnet wurde, musste lernen, dass Methoden allein nicht reichen. Die Antwort liegt laut Jahn und Frank woanders: Es fehlt nicht an Werkzeugen, sondern an Management-Commitment und psychologischer Sicherheit.

Gemeinsam mit Dominik Läng von Dihawag (Mitte) zeigte Kevin Meier, Produktmanager bei der Kistler Instrumente AG (rechts), am Beispiel des Langdrehens, dass mit dem «Piezo Tool System» ein hochauflösendes Monitoring bis zum Schlichten möglich ist.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Gemeinsam mit Dominik Läng von Dihawag (Mitte) zeigte Kevin Meier, Produktmanager bei der Kistler Instrumente AG (rechts), am Beispiel des Langdrehens, dass mit dem «Piezo Tool System» ein hochauflösendes Monitoring bis zum Schlichten möglich ist.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Kevin Meier, Produktmanager bei der Kistler Instrumente AG, präsentierte das «Piezo Tool System» (PTS) als Antwort auf eine Lücke im Monitoring-Bereich: Bisherige Lösungen seien aufgrund ihrer fehlenden Sensitivität für die Mikrozerspanung oft ungeeignet. Gemeinsam mit Dominik Läng von Dihawag zeigte er am Beispiel des Langdrehens, dass mit dem PTS ein hochauflösendes Monitoring bis zum Schlichten möglich ist. Das Resultat laut Meier: weniger Ausschuss, weniger Maschinenstillstände, reale Kosteneinsparungen.

Claus Martin, Geschäftsführer und Inhaber der Martin Mechanic Friedrich Martin GmbH & Co. KG, spricht sich für Matrix-Produktionssysteme aus. Diese verbinden die Vorteile der Flexibilität der Werkstattfertigung mit der Produktivität der Fliessfertigung.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Claus Martin, Geschäftsführer und Inhaber der Martin Mechanic Friedrich Martin GmbH & Co. KG, spricht sich für Matrix-Produktionssysteme aus. Diese verbinden die Vorteile der Flexibilität der Werkstattfertigung mit der Produktivität der Fliessfertigung.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Für Claus Martin, Geschäftsführer und Inhaber der Martin Mechanic Friedrich Martin GmbH & Co. KG, ist Industrie 4.0 kein Zukunftsprojekt, sondern gegenwärtige Praxis. Seine entscheidende Aussage: Stückzahl 1 kommt wirtschaftlich in Reichweite, wenn Fertigungskonzepte konsequent auf adaptive Robotik und Matrix-Organisation ausgerichtet werden.

Christoph Rössner (Mitte), Gründer und CEO, sowie Jan Rothenbächer (rechts), Senior Account Manager, von der Laserhub GmbH sind offen für neue Produktionspartner. Mit Moderator Heiko Visarius diskutierten sie über das «Henne-Ei-Problem» einer Beschaffungsplattform.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Christoph Rössner (Mitte), Gründer und CEO, sowie Jan Rothenbächer (rechts), Senior Account Manager, von der Laserhub GmbH sind offen für neue Produktionspartner. Mit Moderator Heiko Visarius diskutierten sie über das «Henne-Ei-Problem» einer Beschaffungsplattform.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Christoph Rössner, Gründer und CEO, und Jan Rothenbächer, Senior Account Manager der Laserhub GmbH, beleuchteten die Rolle und Stärken digitaler Beschaffungsplattformen im industriellen Einkauf: Effizienzgewinne, mehr Transparenz, niedrigere Preise – das Versprechen ist bekannt. Das Duo zeigte jedoch auch auf, wo die Grenzen liegen und warum Plattformen klassische Prozesse sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen.

Gemeinsam auf dem Weg zu Netto-Null- und Elektrifizierungszielen: Keynote-Speaker Patrik Meli, Managing Director der Everllence Schweiz AG, stellte die strategische Partnerschaft mit der ETH Zürich vor. Im Fokus der Zusammenarbeit stehen Sektorkopplung und Energiesystemmodellierung, die durch den Einsatz neuester KI-Technologien ermöglicht werden sollen.(Bild:  Thomas Entzeroth)
Gemeinsam auf dem Weg zu Netto-Null- und Elektrifizierungszielen: Keynote-Speaker Patrik Meli, Managing Director der Everllence Schweiz AG, stellte die strategische Partnerschaft mit der ETH Zürich vor. Im Fokus der Zusammenarbeit stehen Sektorkopplung und Energiesystemmodellierung, die durch den Einsatz neuester KI-Technologien ermöglicht werden sollen.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Den Abschluss des inhaltlichen Teils gestaltete Patrik Meli, Managing Director der Everllence Schweiz AG, mit einer Keynote zum Thema «Grosswärmepumpen als Gamechanger». Die Energiewende sei auch eine Wärmewende, so Meli. Grosswärmepumpen seien längst mehr als eine Alternative zu fossilen Heizsystemen: Sie erschliessen ungenutzte Wärmequellen, können erneuerbaren Überschussstrom aufnehmen und zur Netzstabilität beitragen. Anhand realer Projekte machte Meli deutlich, dass die Technologie heute funktioniert – und warum Grosswärmepumpen zu einem zentralen Pfeiler der Dekarbonisierung werden müssen. Eine Keynote mit Weitblick, die auch für die MEM-Branche unmittelbare Relevanz hat: Wer Energiekosten als strategische Grösse begreift, kommt an diesem Thema nicht vorbei.

(Bild:  Thomas Entzeroth)
(Bild: Thomas Entzeroth)

Moderiert wurde der Tag von Dr. Heiko Visarius, Managing Director der Visartis Healthcare GmbH. Die Pausen und den abschliessenden Apéro nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv für den Austausch – ein Zeichen dafür, dass das Netzwerk rund um den SMM-Kongress selbst zu einem der wichtigsten Werte der Veranstaltung zählt.

(ID:50859722)