Vom Trottinett zum Elektroauto

Microlino – das Schweizer Mini-Elektroauto

| Autor: Silvano Böni

Der Microlino wird bereits in diesem Frühjahr auf den Schweizer Strassen anzutreffen sein.
Der Microlino wird bereits in diesem Frühjahr auf den Schweizer Strassen anzutreffen sein. (Bild: Micro Mobility Systems AG)

Die Zulassung ist da, die Produktion läuft auf Hochtouren, die Reservationen stapeln sich: Bereits in einigen Wochen sollen die ersten Exemplare des Microlino, das Mini-Elektroauto, welches stark an eine modernisierte Isetta erinnert, an Schweizer Käufer ausgeliefert werden.

Vom Trottinett zum Elektroauto. Das ist in etwa die Kurzbiografie von Wim Ouboters Erfolgsgeschichte. Der Schweizer Unternehmer mit holländischen Wurzeln, sein Grossvater war Niederländer, ist Chef von Micro Mobility Systems, welche Tretroller und Kickboards entwirft und vertreibt – und das, trotz einiger Rückschläge und zahlreicher Konkurrenz, äusserst erfolgreich.

Nun wagt sich Ouboter aber in neue Gefilde. Von zwei auf vier Räder, vom Trottoir auf die Strasse.
Die Rede ist vom Microlino, einem Kabinenroller-­ähnlichen Gefährt, angetrieben von einem Elektro­motor. Eine moderne BMW Isetta sozusagen. Vorgestellt wurde der erste Prototyp bereits 2016 auf dem Auto­mobilsalon in Genf.

Von der Vision zu ersten Entwürfen zum Prototyp

Die Idee dazu hatte Ouboter zusammen mit seinen Söhnen Oliver und Merlin. Die Vision: ein platz­sparendes und umweltfreundliches Verkehrsmittel. In Zeiten, in denen in jedem noch so grossen Fahrzeug meistens nur eine Person sitzt und kurze Strecken an der Tagesordnung sind, sei der Microlino die perfekte Antwort für den täglichen Individual­verkehr.

Zusammen mit der Zürcher Hochschule ZHAW und der Firma Designwerk wurden 2015 erste Entwürfe gemacht und Studien durchgeführt. Im gleichen Jahr wurde bereits der erste Prototyp gebaut und 2016 in Genf präsentiert. Das Konzept begeisterte sofort die Massen. Nach nur einer Woche waren bereits über 500 Bestellungen für den Microlino eingegangen.

Die inneren Werte des Microlino

Anfang 2018 wurde ein erstes Vorserienfahrzeug vorgestellt, welches bereits sehr nah am Endprodukt war. Der Microlino verfügt wie erwartet über zwei Sitzplätze, die über die Vordertüre erreicht werden. Angetrieben wird er von einem 15 kW starken Elektromotor. Zwei Batterien stehen zur Auswahl: eine 8-kWh-Version mit einer Reichweite von 125 km sowie eine Variante mit 14,4 kWh, womit einer rund 200 km langen Fahrt nichts im Wege stehen soll. Der Ladevorgang an einer Ladesäule beträgt eine Stunde (für die kleinere Batterie), über die Haushaltssteckdose dauert es rund viermal länger. Die Maximalgeschwindigkeit liegt für das konzipierte Stadtauto bei sportlichen 90 km/h. Das Leergewicht der «Knutschkugel» beträgt 435 kg, die maximale Zuladung rund 200 kg. Das Kofferraumvolumen von 300 Liter ist für die Grösse des Microlino schon beinahe üppig, immerhin vier Getränke-Harasse finden Platz darin. Im Gegensatz zum Kofferraum fällt das Interieur dagegen eher spärlich aus. Elektrische Fensterheber sucht man genauso vergebens wie die im Winter äusserst beliebte Sitzheizung.

In der Schweiz erdacht, in Deutschland gebaut

Als Fertigungspartner war vorerst die in Imola ansässige Tazzari GL S.p.A. geplant, ein erfahrener Partner in Sachen Elektroautos. Schon bald trat aber ein kleines «Luxusproblem» auf. Die Produktion der Italiener war nur für eine Kleinserie ausgelegt. Da die Reservationen für den Microlino aber mittlerweile die 10 000-Stück-Marke überschritten hatten, musste eine Dimension grösser gedacht werden. So wurden die Rechte für die Produktion an Artega übertragen. Der deutsche Automobilhersteller, bisher bekannt durch seine Sportwagen, investierte rund 3 Millionen Euro in ein Produktionsgebäude und Fertigungslinien und schaffte rund 50 neue Arbeitsplätze. Auf rund 3000 Quadrat­metern sollen so langfristig bis zu 8000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden.

In diesem Frühjahr auf der Strasse anzutreffen

Verkauft werden sollen die Fahrzeuge über eigene Flagshipstores. Erhältlich ist das Mini-Elektroauto, welches rund 14 000 Franken kostet, in acht verschiedenen Farben – unter anderem passend zur Schweizer Herkunft in «Zurich blue». Die ersten Microlinos sollen hierzulande bereits diesen Frühling ausgeliefert werden. Für den Service und Unterhalt konnte eine Partnerschaft mit Bosch Schweiz eingegangen werden, welche an über 70 Standorten in der Schweiz vertreten sind. SMM

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