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Warum nicht bis 70 arbeiten?
Auch eine flexible Ausweitung des Renteneintrittsalters, wie sie kürzlich vom Präsidenten der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise in die Diskussion gebracht wurde, halten die Düsseldorfer Arbeitswissenschaftler für machbar. Denn für die Mitarbeiter biete eine dehnbare Ausweitung des Rentenalters Motivation, Wertschätzung und Beschäftigung. Was grundsätzlich zähle, sei das biologische und nicht das kalendarische Alter, argumentiert Sibylle Adenauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Ifaa. „Dies kann von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedlich sein. Ein trainierter 65-Jähriger ist oftmals fitter als ein untrainierter 45-Jähriger“, ergänzt Adenauer.
Die Arbeitswissenschaftlerin bezieht sich dabei keineswegs nur auf die körperliche, sondern auch auf die geistige Fitness. Diese könne durch geistiges Training und lebenslanges Lernen verbessert und erhalten werden. „Da es den normierten älteren Mitarbeiter nicht gibt, sollte es keine Pauschallösungen geben. Stattdessen sind individuelle, mitarbeiterspezifische Lösungen gefragt“, so Adenauer weiter.
Zusätzlich möchten viele Ältere auch gerne länger arbeiten – sogar über die berühmt-berüchtigte Rente mit 67 hinaus. Dafür aber sei das aktuelle Rentensystem zu starr, beklagt unter anderem Ulrich Grillo. Jeder, der über 67 hinaus arbeiten möchte und dies auch könne, solle einen Rentenbonus erhalten, schlägt der BDI-Präsident vor. Arbeit sei schliesslich gut „und jeder sollte selbst entscheiden, wie lange sie ihm Spass macht“, so Grillo weiter.
Renteneintritt flexibler gestalten
Für eine grundlegende Flexibilisierung des Renteneintrittsalters plädiert Deutschlands bekanntester Ökonom Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, womit der Präsident des Münchner Ifo-Instituts viele Unternehmen auf seiner Seite haben dürfte. „Eine generelle Flexibilisierung des Renteneintritts ist sicherlich sinnvoll. Es gibt Arbeitnehmer, die mit 63 oft gesundheitlich angeschlagen sind und daher häufig ausfallen“, so Ronald Stiehl, Personalleiter Osborn in Burgwald, einem Hersteller technischer Bürsten für die Oberflächenbearbeitung. Umgekehrt gebe es fitte Mitarbeiter, die mit 65 in Rente gehen müssten.
Bei der Hettich Holding, einem Automobilzulieferer, würde man das Modell der Rente mit 70 auf freiwilliger Basis begrüssen, schliesslich seien bei dem Druck- und Spritzgusswerk in Frankenberg schon heute etliche Mitarbeiter, die sich im Ruhestand befinden, zur Freude von Firmenchef Dr. Andreas Hettich weiterhin auf freiwilliger Basis beschäftigt.
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