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Es gibt verschiedene Innovationskategorien: Produktinnovation, Prozessinnovation, Geschäftsmodellinnovation etc. In welchen Innovationskategorien forschen Sie oder welche werden von Ihnen berücksichtigt?
W. Paul: Wir betreiben unsere Forschung in der Produkt- und Prozessinnovation. Bei den Produktinnovationen geht es um Schaltanlagen, Transformatoren, Leistungselektronik, Energiespeicher, Sensoren usw. Die Forschungsaktivitäten bei den Prozessen konzentrieren sich auf die Automatisierung, also z.B. auf Leitsysteme für die Prozessindustrie oder elektrische Netze.
Sie verfügen ja über eine enorme Bandbreite an Themengebieten, wie schaffen Sie es, Forschungsschwerpunkte zu setzen und wo setzen Sie letztlich Ihre Forschungsschwerpunkte?
W. Paul: Wir erstellen jährlich eine Forschungsstrategie, die vorgibt, in welchen Bereichen die Schwerpunkte gesetzt werden. Gleichzeitig legen wir Roadmaps an, die aufzeigen, wann welche Ziele zu erreichen sind. Die Schwerpunkte werden in den Gebieten gesetzt, die den grössten potentiellen Impact für ABB haben. Dazu gehören natürlich die traditionellen Kerngeschäfte, wie z.B. Leistungsschalter, HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung), Motoren und Motorantriebe, aber auch neuere Gebiete wie z.B. Energiespeicher oder e-Mobility. Im Fokus steht bei unseren Forschungsaktivitäten generell auch immer die Energieeffizienz.
Über welche Kanäle generieren Sie das nötige Wissen, um in der Forschung erfolgreich zu sein?
W. Paul: Wir schaffen vor allem Wissen durch unsere eigene Forschungsarbeit. Weiter analysieren wir publizierte Forschungsergebnisse aus dem industriellen und universitären Umfeld sowie Patente anderer Firmen. Nicht zuletzt holen wir neues Wissen in das Unternehmen durch die Zusammenarbeit in den entsprechenden Gebieten mit nationalen und internationalen Universitäten. Als schöner Nebeneffekt können wir so bereits zu einem frühen Zeitpunkt talentierte Studenten kennenlernen und für unser Unternehmen begeistern.
Auf dem Sektor der Halbleiterforschung usw. sind Sie auf höchst spezialisierte Fachkräfte angewiesen. Wie rekrutieren Sie solche Spitzenkräfte?
W. Paul: Einerseits schreiben wir Stellen international aus und rekrutieren auf diesem Weg die geeigneten Bewerberinnen und Bewerber. Andererseits sprechen wir auch Studenten, welche uns durch ihre Arbeiten bekannt sind, direkt an. Sehr wichtig ist für uns, dass wir international rekrutieren können.
Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Attraktivität des Standortes Schweiz für Sie als Entwicklungszentrum bezüglich der Personalentwicklung?
W. Paul: Die Attraktivität des Standorts Schweiz ist für uns ausserordentlich wichtig, denn nur solange der Standort interessant bleibt, können wir Top-Wissenschaftler aus aller Welt rekrutieren. Dabei hilft es uns enorm, dass die Schweiz ausgezeichnete Universitäten hat, die bereits internationale Talente in die Schweiz holen.
Wie viele der Technologien, die bei Ihnen entwickelt werden, fliessen letztlich in den operativen Bereich rein?
W. Paul: Der typische Innovationsprozess besteht aus: Ideen-Generation, Ideen-Auswahl, Technologie-Entwicklung, Produkt-Entwicklung und erfolgreicher Markteinführung. Ich schätze etwa 30–50 % der von uns entwickelten Technologien fliessen direkt in die Produktentwicklung ein. Das hängt jedoch stark von den Technologiegebieten ab und lässt sich generell nicht genau messen, da ja jedes Projekt wertvolles Wissen generiert.
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