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Apropos Energiespeicher, aus heutiger Sicht ist der beste Energiespeicher nach wie vor die Wasserkraft, oder liege ich da falsch?
W. Paul: Ja, das kann man so sagen. Die Schweiz ist natürlich mit Wasserkraft gesegnet, wie alle Länder mit hohem Gebirgsanteil. Jedoch ist diese Technologie offenkundig ortsgebunden. Eine neue, von uns entwickelte Technologie basiert auf thermischer Energiespeicherung, die ortsunabhängig ist und keine umweltkritischen Chemikalien verwendet.
Wo sehen Sie die zukünftigen Energieressourcen?
W. Paul: Die Windenergie ist zurzeit stark im Kommen und birgt noch einiges Potential. Bei der Solarenergie sehe ich persönlich aber langfristig das grössere Potential, da auf unserem Planeten einfach mehr Solar- als Windenergie zur Verfügung steht. Meiner Meinung nach wird in ferner Zukunft ein Grossteil der Energienachfrage mit Solarstrom abgedeckt werden können – Solar wird in 100 Jahren unsere Energiequelle Nr. 1 sein.
Ein entscheidendes Thema im Bereich der Elektromobilität sind die Energiespeicher. Hayek sagte diesbezüglich, hier müssen Physiker forschen, keine Ingenieure, weil Ingenieure nicht das Unmögliche denken. Wie denken Sie darüber?
W. Paul: Etwa 30 Prozent der Forschenden hier sind Physiker, ich eingeschlossen. Wir haben sogar eine Gruppe von theoretischen Physikern. Mehrheitlich beschäftigen wir jedoch Ingenieure aus den unterschiedlichsten Fachbereichen wie z. B. Elektrotechnik, Maschinenbau, Automation und auch Informatik. Wir glauben an interdisziplinäre Teams, da es verschiedene Expertisen braucht, um eine ganze Innovationskette abzudecken. Physiker stehen am Anfang dieser Kette, da sie vorwiegend Grundlagenforschung betreiben. Die Ingenieure kommen innerhalb der Kette etwas später, sie sind aber mindestens genauso wichtig für die Umsetzung. Wenn Herr Hayek sagt, es braucht Physiker, dann schliesse ich daraus, dass er der Meinung war, dass die bestehenden Batterietechnologien prinzipiell nicht gut genug sind. Wenn dem so ist, dann sollte man Physiker als Pioniere voranschicken, um grundlegend neue Konzepte zu erforschen. Wenn aber die aktuellen Batterien optimiert werden sollen, dann braucht es wieder Ingenieure.
Einer Ihrer Forschungsbereiche ist die Werkstofftechnik. Der Luxusuhrenhersteller Hublot hat ein Verfahren zur Herstellung von Metall-Keramik-Verbundwerkstoffen (patentiert) entwickelt, der z.B. Gold eine Vickershärte von 1000 HV verleiht. Werden Sie bei solchen Entwicklungen hellhörig und könnte ein solcher Verbundwerkstoff auch für ABB von Interesse sein?
W. Paul: Materialien sind für uns generell sehr wichtig, weil wir sie an sehr vielen verschiedenen Stellen brauchen. Dementsprechend betreiben wir sehr viel Materialentwicklung, zum Teil auch zusammen mit Zulieferfirmen. Ganz wichtig für uns sind die Isolationsmaterialien und Halbleiter, aber auch magnetische Materialien oder solche, die für elektrische Kontakte verwendet werden. Hier sind Metallkeramiken tatsächlich ein Thema.
Welche Themen sind in naher Zukunft für ABB – aber auch in einem grösseren Rahmen für die Gesellschaft – von Bedeutung?
W. Paul: Die Energieversorgung der Menschheit wird in der Zukunft das grosse Thema sein und da wird ABB ihren Beitrag dazu leisten. Speziell die elektrische Energie wird zukünftig immer wichtiger werden, da sie die bevorzugte «Währung» darstellt – sie lässt sich am einfachsten umwandeln.
Was sind die Herausforderungen im Bereich der elektrischen Energie?
W. Paul: Der elektrischen Energie kommt generell eine Schlüsselrolle zu. Hierbei ist es entscheidend, dass sie umweltfreundlich und effizient erzeugt und verteilt wird. Von grosser Bedeutung ist aber auch die Speicherung. Weiter wird zukünftig die Automation in der Industrie und in den elektrischen Netzen – Stichwort Smart Grids – eine wichtigere Rolle übernehmen. ABB ist aus meiner Sicht dafür ausgezeichnet positioniert. <<
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