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Welche Rolle spielt der persönliche Erfolg im Bereich der Forschung und Entwicklung? Oder treibt Sie als Forscher und Entwickler mehr das Unbekannte respektive der Forschergeist an?
W. Paul: Die meisten Wissenschaftler definieren ihren persönlichen Erfolg über die Ergebnisse ihres Projektes, d.h. ob sie neues Wissen generiert oder eine neue Technologie geschaffen haben, ihre Technologie in ein neues Produkt umgesetzt wird oder es gibt eine internationale Anerkennung für ihre Ergebnisse. Somit ist der persönliche Erfolg sehr eng mit dem Forschergeist verknüpft.
Ist Erfolg in der F&E messbar, wenn ja, wie messen Sie ihn?
W. Paul: Den Erfolg quantitativ zu messen, ist schwierig. Man kann, wie in den Hochschulen praktiziert, Veröffentlichungen zählen und deren internationale Beachtung messen. Ein weiteres Erfolgsindiz ist, ob unsere Wissenschaftler zu Vorträgen auf internationalen Tagungen eingeladen werden. Natürlich versuchen wir für unsere Projekte auch, deren finanzielle Auswirkungen auf das Business abzuschätzen.
Was sind aus Ihrer Sicht die erfolgreichsten Forschungsprojekte in den letzten Jahren gewesen und wie machen Sie sich heute im Alltag bemerkbar?
W. Paul: Zu unseren erfolgreichsten Forschungsprojekten gehört sicher die Entwicklung von sogenannten Selbstblas-Schaltern. Die dafür eingesetzte Technologie hat sich weltweit durchgesetzt. Ein anderes Highlight, die Entwicklung von Leistungselektronik, ermöglichte neue Produkte und Systeme wie z.B. frequenzgeregelte Motorantriebe, welche zu signifikanter Effizienzerhöhung führen. Leistungselektronik ist ebenfalls wesentlich bei der Hochspannungsgleichstrom-Übertragung HGÜ, welche den effizienten Energietransport von sehr hohen Leistungen über sehr lange Strecken sowie die Einbindung von grossen Offshore-Windparks erlaubt. Nicht zuletzt ermöglicht Leistungselektronik sogenannte FACTS (Flexible AC Transmission Systems), welche eine effizientere und zuverlässigere Kontrolle des Leistungsflusses in Stromnetzen garantiert und vom internationalen Ingenieurverband IEEE zur Nummer neun der «Top Technologies» des letzten Jahrzehntes erklärt wurde – noch vor der digitalen Kamera. Zu den wichtigsten Forschungsergebnissen, welche gerade umgesetzt werden, gehören unter anderem die Automation von elektrischen Netzen (Smart Grids) sowie die Energiespeicherung.
Energie ist ja ein Kernthema der ABB. In welchen Bereichen forschen Sie hier und wo sehen Sie das grösste Potential?
W. Paul: Wir forschen unter anderem an der Weiterentwicklung der oben erwähnten Technologien. Wobei im Bereich Schalter das Unterbrechen von Gleichströmen (DC) einen neuen Fokus darstellt. In der Leistungselektronik erhalten neue Halbleiter wie SiC (Siliziumcarbid) zunehmende Aufmerksamkeit. Bei den Netzsystemen ist die weitere Automation sowie die Integration von erneuerbaren Energien und Energiespeichern ein heisses Forschungsthema. Materialforschung (wie z.B. im Bereich der Isolationstechnologie) ist für uns ebenfalls permanent sehr wichtig, ist sie doch die Grundlage für viele unserer Produkte.
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