SMM-Kongress 2013 Mit optimierten Prozessen gewappnet für die Zukunft

Redakteur: Luca Meister

>> In unserer letzten Ausgabe berichteten wir über den 2. SMM-Kongress, der im Dezember in der neuen Kongresshalle der Messe Luzern stattgefunden hat. Mit einem speziellen Fokus auf den Bereich Blechbearbeitung und Oberflächentechnik folgt hier der zweite Teil des Nachberichts. Das Kongress-Thema «Produktivität steigern – Prozesse optimieren» bestätigte sich auch in diesen technologischen Bereichen als extrem relevant.

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Dr. Urs Hirt, Staufen AG, zeigte anhand eines in Schieflage geratenen Unternehmens, wie es dank Lean Production wieder wettbewerbsfähig gemacht werden kann.
Dr. Urs Hirt, Staufen AG, zeigte anhand eines in Schieflage geratenen Unternehmens, wie es dank Lean Production wieder wettbewerbsfähig gemacht werden kann.
(Bild: SMM)

mei. Der zweite SMM-Kongress mit dem Thema «Produktivität steigern – Prozesse optimieren» fand am 5. Dezember 2013 in Luzern statt und mobilisierte mehr als 160 Teilnehmer. Es hat sich gezeigt, dass das Veranstaltungsthema ein Kernthema der Schweizer Industrie darstellt und derzeit viele Geschäftsleitungen beschäftigt. Wer in einem Hochlohnland wie der Schweiz nicht hochproduktiv fertigt, wird international kaum konkurrenzfähig bleiben. Die Referenten deckten mit ihren Vorträgen ein breites Spektrum dieses vielschichtigen Themas ab.

Lean Management

Dr. Urs Hirt von der Staufen AG zeigte anhand eines in Schieflage geratenen Unternehmens, wie es durch Lean Management wieder wettbewerbsfähig getrimmt wurde. Dabei sei zentral, so Dr. Hirt, dass Lean Management als Führungsaufgabe verstanden werde und eine dementsprechende Kultur entwickelt werden müsse. In der angeschlagenen Firma zeigte sich, dass die wertschöpfenden Tätigkeiten brach lagen bzw. schlecht organisiert waren. Zufolge wurden die Prozessabläufe optimiert und wertschöpfende Tätigkeiten von der Logistik getrennt. Das heisst, von einer Standplatzfertigung wurde zu einer Flussfertigung gewechselt. Heute arbeitet das Unternehmen wieder erfolgreich.

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Über die gesamte Prozesskette

Dipl.-Ing. Rainer Ludorf, Alstom (Schweiz) AG, erläuterte aus der Sicht eines Energieunternehmens, wie im Turbomaschinenbau die Produktivität gesteigert werden kann. Auf einem Geschäftsfeld mit sehr eigenen Umständen und hochkomplexen Produkten muss die Prozessoptimierung übergreifend erfolgen, um wirksam zu werden. Lean Management wird u.a. erreicht mit Standardprozessen, minimierten Liegezeiten (mittels Analysen) und sauberer Datenpflege (im Service-Fall muss schnell auf bis zu 30 Jahre alte Daten zugegriffen werden können). Ebenfalls integriert im Produktlebenszyklus werden Wartungsintervalle (alle vier bis sechs Jahre) und die kontinuierliche Entwicklung neuer Materialien. Schliesslich liegt die Herausforderung darin, höhere Qualität zu liefern als z.B. die Chinesen, die zum gleichen Preis Schlechteres liefern.

Vom File zum Teil

Michael Merkle, Dipl. Betriebswirt, MBA, von der Bystronic Laser AG, zeigte auf, wie die Digitalisierung die Blechbearbeitung effizienter machen kann. Um mit möglichst geringen Nebenzeiten zu fahren und Material zu sparen, bietet Bystronic ein Softwarepaket an, das den Anwender durch den ganzen Biegeprozess führt. Das Tool hilft, möglichst speditiv vom File zum Teil zu gelangen. Konkret heisst das: unkompliziertes Einlesen von Schneid- und Biegeplänen, automatische Maschinenplanung, optimale Maschinenauslastung und Schachtelungsprogramme, um Material zu sparen. Um durch und durch produktiver zu werden, müssen ausserdem Wartungszyklen eingeplant werden, Daten auch auslesbar sein (OPC-Interface) und Teile identifizierbar sein (lasermarkierte Teile können von der Biegemaschine eingelesen werden, damit das entsprechende Programm geöffnet wird).

Auf neue Technologien setzen

Bruno Vogelsang, Inhaber der Verwo AG, setzt in Bezug auf Produktivitätssteigerung auf drei Pfeiler: Mensch, Maschine und Prozesse. In den Prozessen stecken grosse Effizienzpotenziale, die durch strukturierte Arbeitsmethoden, One-Piece-Flow und intelligente Werkzeuganordnung, Wertanalysen (u. a. Komplexität vermeiden) und Kennzahlen (Mitarbeiter schreiben z.B. Störungen auf) erreicht werden können. Grossen Einfluss hat ausserdem Ressourcen-Verschwendung, die möglichst minimal gehalten werden sollte. Was Maschinen betrifft, sind Investitionen in neuere Generationen von bewährten Maschinen nicht ausreichend. Vermehrt muss auf neue Technologien gesetzt werden, bei Verwo wird z.B. auf das 3D-Laserschweissen gesetzt, das an den Komponenten weniger Wärme einbringt und so weniger Verzug verursacht. Durch die konsequente Umsetzung dieser Punkte hat es das Unternehmen geschafft, sich von einer klassischen Schlosserei zu einem Industriebetrieb zu entwickeln.

Hochpräziser Wasserstrahl

Walter Maurer, Geschäftsführer und VR-Präsident der Waterjet Group, ging in seinem Vortrag auf die Unterschiede bzw. verschiedenen Einsatzgebiete und Potenziale des Makroschneidens und Mikroschneidens mit Wasserstrahl ein. Im Makro-Bereich ist ein Trend zur Kostenreduktion notwendig und auch erkennbar. Schon realisiert wird das gleichzeitige Schneiden mehrerer Teile, künftig immer wichtiger wird in diesem Bereich die Automatisierung (momentan wird viel von Hand gemacht). Ein weiterer Trend ist das 3D-Schneiden, das aber noch spezifischer ausgebildetes Personal erfordert (Ergänzungsausbildung). Im Bereich Mikroschneiden bieten die Wasserstrahlanlagen der Waterjet Group diverse Vorteile: Sie sind zehnmal präziser, schneiden mit einem fünfmal kleineren Schnittspalt als herkömmliche Wasserstrahlanlagen und zeichnen sich aus durch eine reproduzierbare Teilegenauigkeit.

Schichten, die Geschichte machen

Beschichtungen spielen in allen Technologiebereichen eine immer grössere Rolle. Was Verschleissschutzschichten in der modernen Fertigung und Blechbearbeitung für Vorteile bringen, erklärte Dipl. Ing. Andreas Reiter von der Spezialistin OC Oerlikon Balzers AG. Reduziert werden damit neben den Produktionskosten Werkzeugkosten und der Wartungsaufwand. Im Fokus stand die neue Generation von Verschleissschutzschichten auf Basis der patentgeschützten Technologie «S3p». Unter der neuen Marke «BALIQ» überzeugen diese Schichtprodukte für Mikrowerkzeuge und Gewindewerkzeuge mit einer massgeschneiderten Mikrostruktur, deren Herstellung einen technologischen Meilenstein markiert. Die Technologie von Oerlikon Balzers vereint die Vorteile von «Arc Evaporation» und «Sputtering» auf intelligente Weise. Ausserdem wurde «Primeform» vorgestellt, ein plasmaunterstützter Behandlungsprozess, bei dem eine Diffusionsschicht mit einer gradierten Oberfläche erzeugt wird. Verbessert werden dabei das Verschleiss- und Korrosionsverhalten sowie Festigkeit und Optik.

Blech statt Block

Den Bogen von der zerspanenden Fertigung zur Blechbearbeitung machte schliesslich auch Enrico Wyss von der Trumpf Maschinen AG. In seiner Präsentation ging er darauf ein, wie die Produktivität gesteigert werden kann mit komplett anderen Ansätzen bzw. Produktionsmethoden. So demonstrierte er aus der Sicht des Blechmaschinenspezialisten Trumpf, wie Werkstücke, die früher gefräst wurden, heute viel kostengünstiger aus Blech hergestellt werden können. Blechkomponenten sind in vielerlei Hinsicht effizienter in der Produktion, da sie mit einfachen Mitteln und einer intelligenten Teilegestaltung hergestellt werden können. Generell, lautete die Kernbotschaft, sollte man schon in der Produktentwicklung Gängiges hinterfragen und neue Methoden aus vielleicht noch entfernteren Technologiebereichen ausprobieren.

Wie schon beim 1. SMM-Kongress in Olten, sorgte auch in Luzern das Vokalquartett «Les Dezibelles» für akustische Unterhaltung und Entspannung zwischen den Vorträgen. <<

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