Zukunftsblog der ETH Zürich

Mobilität ohne CO2: Ist das möglich?

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Was Technik leisten kann – zwei Wege

Ziehen wir nun die absehbar verfügbaren Technologien heran: Mit diversen Optimierungen am Motor und am Fahrzeug, Hybridantrieb und dem Umstieg auf Erdgas kann man den CO2-Ausstoss neuer Fahrzeuge bei gleicher Verkehrsleistung kurz- bis mittelfristig um etwa 50 Prozent verringern von etwa 11 auf 5,5 Mio. t CO2/Jahr (siehe Abbildung, linke Seite). Wir nennen das den «evolutionären» Absenkpfad. Der «revolutionäre» bzw. systemverändernde Weg wäre eine breitflächige Elektrifizierung der Antriebe durch Batterien und Brennstoffzellen – so wie es einige europäische Staaten andenken. Sobald man aber den Elektrifizierungspfad einschlägt, sind beträchtliche zusätzliche Mengen an Elektrizität erforderlich. Dabei gilt: Die Elektrifizierung schneidet beim CO2-Ausstoss nur dann deutlich besser als der «evolutionäre» Weg ab, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Im Fall von batterieelektrischen Antrieben ist Strom aus Gaskombikraftwerken knapp von Vorteil, derjenige aus dem EU-Export-Strommix leicht schlechter als der «evolutionäre» Weg (siehe Abbildung, rechte Seite). Für Brennstoffzellenfahrzeuge sieht der Vergleich noch ungünstiger aus.

In diesen Berechnungen ist allerdings nur der CO2-Ausstoss aus dem Betrieb des Fahrzeugs berücksichtigt. Wenn man auch die CO2-Emissionen von der Herstellung dazurechnet (die grösstenteils im Ausland entstehen), zeigen Lebenszyklusanalysen, dass der gesamte CO2-Ausstoss des MIV heute etwa 14 Mio. t CO2/Jahr beträgt. Stammte der Strom für die Elektromobilität vollständig aus erneuerbaren Quellen, wäre das ein guter Anfang – doch ohne eine Entkarbonisierung der industriellen Prozesse lässt sich der Emissionsanteil des MIV auch in diesem Fall nicht unter 4 Mio. t CO2/Jahr senken. Fazit: Es reicht leider nicht, einfach auf Verbrennungs­motoren zu verzichten, wie das einige Länder andenken.

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