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Interview mit Yoshimaro Hanaki, Präsident und CEO Okuma Corporation
2017 ist ein bedeutendes Jahr für CNC-Komplettanbieter Okuma. Neben dem 120. Firmenjubiläum feiert das Unternehmen auch die Eröffnung seiner zweiten Smart Factory, Dream Site 2 (DS2), am Firmenhauptsitz in Oguchi, Japan. Mit der vollautomatisierten Anlage zeigt Okuma seine Lösungen in Sachen Industrie 4.0. Im Interview spricht Yoshimaro Hanaki, Präsident und CEO der Okuma Corporation, über die wachsende Bedeutung von Smart Manufacturing, die Highlights, die das Unternehmen auf der diesjährigen EMO Hannover präsentieren wird, und die zugrundeliegende Philosophie, die bei Okuma seit mehr als einem Jahrhundert als Triebfeder für Innovation dient.
SMM: Die zweite Smart Factory für die Produktion von Okuma-Werkzeugmaschinen hat gerade ihren Betrieb aufgenommen. Welche Bedeutung hat Smart Manufacturing für Ihr Unternehmen?
Yoshimaro Hanaki: 2013 haben wir unsere erste Smart Factory Dream Site 1 für die lückenlose Produktion von Multitasking-Maschinen und mittelgrossen und grossen Drehmaschinen eröffnet. Die Anlage hat es uns ermöglicht, die Durchlaufzeit zu verkürzen und die Produktivität durch die Integration von Werkzeugmaschinen und Robotern im Internet of Things (IoT) zu steigern. Dream Site 2 ermöglicht eine gesteigerte Automatisierung und Effizienz in der Produktion der Werkstücke für unsere kleinen und mittelgrossen Dreh- und Schleifmaschinen. Sogar das Material- und Werkstück-Handling zwischen verschiedenen Verfahrensstufen ist komplett automatisiert. Fortschrittliche Visualisierungsmethoden erlauben eine Echtzeit-Datenanalyse und ermöglichen unmittelbare Korrekturen. Dream Site 2 nutzt intelligente Maschinen und das IoT, mit dem Ziel, auch in Fertigungslinien mit hohen Produktmixen und geringen Stückzahlen eine Effizienz auf dem Niveau von Massenproduktion zu erreichen. Diese Fortschritte sind nicht nur von Bedeutung für unser Unternehmen, sondern auch für unsere Kunden. Das beim Bau von Dream Site 1 und Dream Site 2 erworbene Know-how hat zu entscheidenden Entwicklungen beim Smart Manufacturing geführt. Mit unserer Expertise zeigen wir Kunden auf der ganzen Welt Lösungen und Konzepte auf, die massgeblich zur Weiterentwicklung ihrer Fertigungs- und Produktionssysteme beitragen. In Japan haben derzeit ungefähr 50 Unternehmen unsere Smart Factory Solutions angefragt, die mittels IoT und Visualisierung die Effizienz und Produktivität in der Fertigung steigern. Zusammen mit dem Elektronik- und Maschinenzulieferer Hitachi entwickeln wir ferner Smart-Factory-Applikationen für mittelgrosse und grosse Hersteller.
Gibt es bereits Pläne für eine dritte «Dream Site»?
Y. Hanaki: Der Zeitpunkt der Eröffnung, das Fabriklayout und weitere Spezifikationen werden derzeit abgestimmt. Der genaue Ablaufplan wird in der nahen Zukunft festgelegt. In jedem Fall investieren wir auch künftig in die Weiterentwicklung unserer Produktion. Im Moment konzentrieren wir uns darauf, die Dream-Site-2-Komponenten-Fabrik zu vergrössern. Der nächste Schritt ist der Bau eines Montagebereichs, um DS2 in eine in sich abgeschlossene integrierte Produktionsanlage zu verwandeln, die sämtliche Prozesse von der Fertigung der Teile bis zur Montage der fertigen Werkzeugmaschine unter einem Dach vereint. Zur Steigerung der Effizienz planen wir zudem die Optimierung der Fabrik am Hauptsitz in Oguchi und unserer Anlage in Kani.
Der Slogan für die diesjährige EMO lautet «Connecting systems for intelligent production». In der eigenen Produktion hat Okuma dies bereits erfolgreich umgesetzt. Inwiefern greifen die Messe-Neuheiten, die Sie in Hannover präsentieren, dieses Motto auf?
Y. Hanaki: Wir glauben, dass zwei Elemente entscheidend für eine Smart Factory sind. Unsere EMO-Exponate bilden diese Faktoren ab. Den Anfang machen intelligente Maschinen. Auf der Messe führen wir ein absolutes Highlight ein, das die Idee des Multitasking auf eine neue Ebene transportiert: Unsere Laser-Ex-Maschinen kombinieren Drehen, Fräsen, Laserhärtung und Laserauftragsschweissen in einer einzigen Werkzeugmaschine. Insbesondere in Fertigungslinien mit hohen Produktmixen und geringen Stückzahlen eröffnen diese Super-Multitasking-Maschinen völlig neue Möglichkeiten. Unser neues vertikales 5-Achsen-Bearbeitungszentrum MU-S600V wurde in Hinblick auf den wachsenden Bedarf an «Mass Customisation», der kundenindividuellen Massenproduktion, entwickelt. Die Maschine ermöglicht den komplett automatisierten Transfer eines Werkstücks von einer Einheit zu einer potentiell unbegrenzten Anzahl an weiteren Einheiten, die sich in einer intelligenten Fertigungslinie verbinden lassen, ohne dass weiteres Equipment für den Werkstücktransfer benötigt wird.
Welche Rolle spielt Software in der Smart Factory für Sie?
Y. Hanaki: Das ist das zweite Element, das ich angesprochen habe: Smart Manufacturing. Unsere Smart-Factory-Lösungen wurden eigens als Methode zur Verbesserung der Produktionseffizienz entwickelt. Erheblich verkürzen wollen wir die benötigte Zeit von der Zeichnung bis zur tatsächlichen Fertigung des Werkstücks. Unser softwarebasierter 3D Virtual Monitor ermöglicht unseren Kunden, den gesamten Schnittprozess im Vorfeld zu planen und zu simulieren. So können wir insbesondere bei kleineren Chargen die Effizienz massgeblich steigern. Um die Zeit von der Produktionsplanung bis zum Versand zu verkürzen, arbeiten unsere Smart Factory Solutions auf Basis von Visualisierung, um den Werkstückfluss zu optimieren. Die Anwendungen zeigen den Fertigungsfortschritt, den Betriebsstatus der Maschine, Alarmverläufe und vieles mehr. Alle diese Informationen werden in Echtzeit gespeichert und verarbeitet, so dass die Leistung der Produktion jeden Tag optimiert werden kann. Zusätzlich zu unseren Industrie-4.0-Lösungen entwickeln und verbessern wir kontinuierlich unsere Intelligent Technology – eine Fusion von Maschine, Steuerung (CNC) und Informationstechnologie. Auch die Integration mechanischer Automatisierungslösungen sowie unsere neue CNC-Steuerung mit künstlicher Intelligenz ergänzen unsere Smart-Factory-Lösungen. Mit der neuesten intelligenten Steuerungsgeneration und unserer «OSP suite» als Kerntechnologie werden wir auch künftig Smart-Manufacturing-Lösungen entwickeln, die das IoT nutzen, um die Fertigung zu optimieren.
Auf welche Branchen werden Sie sich in den kommenden Jahren konzentrieren und wie wird Okuma auch weiterhin deren Anforderungen begegnen?
Y. Hanaki: Wir sind stets darauf bedacht, den Bedürfnissen von Kunden aus einer Vielzahl von Industriezweigen gerecht zu werden. Momentan engagieren wir uns stark in der Luft- und Raumfahrt, einer der für uns wichtigsten Branchen. Dort sehen wir ein enormes Wachstumspotential. Wir glauben, dass hier der Bedarf an 5-Achsen-Bearbeitungszentren und Multitasking-Maschinen steigen wird. Besonders in dieser Branche erwarten wir ein vermehrtes Interesse an Super-Multitasking-Maschinen, die auch additive Fertigung und Hitzebehandlung ermöglichen. Die zuvor erwähnten Laser-Ex-Maschinen wurden mitunter mit Blick auf diese Entwicklung konzipiert. Speziell für Anwender im Luftfahrtsegment bieten wir auch Lösungen an, die wir in unseren drei Aerospace Centres of Excellence (ACE) in Japan, den USA und Europa entwickelt haben. Diese Anlagen wurden als Testgelände für Hersteller aus dieser Industrie konzipiert. Insbesondere in der Automobilindustrie wird es zudem immer wichtiger, eine Vielzahl von Produkten in kleinen Mengen herstellen zu können. Die Herausforderung liegt darin, mit Blick auf die Produktivität den Standard der Massenproduktion zu halten. Maschinen wie die oben erwähnte MU-S600V bieten hier durch den automatischen Werkstücktransfer ein hohes Mass an Flexibilität.
Immer mehr Wettbewerber expandieren in neue Märkte und verändern ihre Produktpalette. Wie positioniert Okuma sich im Vergleich zu ihnen?
Y. Hanaki: Wir sind stolz darauf, der einzige Komplettanbieter der Branche zu sein. Dieser Umstand ermöglicht es uns, auf die sich stetig verändernden Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen. Künftig werden wir uns verstärkt auch auf die Bereitstellung von Konzepten und Plänen für die Produktionsstätten unserer Kunden, insbesondere im Bereich Industrie 4.0, sowie Pre- und After-Sales-Dienstleistungen konzentrieren. Natürlich werden wir auch unser Portfolio an Werkzeugmaschinen, Steuerungen und Software weiter ausbauen, um so unsere Kunden in sämtlichen Aspekten der Fertigung zu unterstützen. -ari- SMM
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