Interview: Felix Heimgartner, Geschäftsführer Härterei Gerster AG

Neue Dienstleistungen – Mehrwert für den Kunden

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Was beinhaltet Ihr zweiter neuer Geschäftsbereich, das Contracting?

F. Heimgartner: Zu der engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden gehört auch, dass wir ihn unterstützten, wenn dieser sich mit eigenen Wärmebehandlungsanlagen selber einrichten will. Wir helfen unseren Kunden bei der Konzipierung – von der Evaluation über den Prozessbeschrieb und der Programmierung bis hin zum Service und Unterhalt. Auch wenn sich der Kunde entscheidet, Produkte im Ausland zu fertigen, bleiben oft stattliche Auftragsmengen trotzdem bei der Firma Gerster. Zum Teil kommen gar neue Volumen dazu. Indem die Kunden für Wartung, Audits, Notfallbackups und Prototypenentwicklung auf Gerster zurückgreifen, wird die Zusammenarbeit intensiver und nachhaltiger.

Was erbringt Ihnen diese neue Ausrichtung?

F. Heimgartner: Als Partner für jegliche Anliegen im Zusammenhang mit Wärmebehandlung und metallischen Werkstoffen können wir unseren Kunden noch mehr Nutzen bieten. Gerade in der aktuell herausfordernden Zeit gilt es, gemeinsam innovative Lösungen über den gesamten Wertschöpfungsprozess zu entwickeln. Ausserdem erlaubt uns die neue Angebotbreite, vermehrt auch Konzernkunden abzuholen.

Gibt es Know-How-Bereiche, die dem Kunden verborgen bleiben? Oder: Haben Sie keine Angst, dass Wissen gestohlen werden könnte?

F. Heimgartner: Uns ist der gezielte Wissensaustausch mit unseren Kunden wichtig. Dazu gehört auch, dass man etwas von seinem Know-How preisgibt. Dabei gibt es jedoch klare Grenzen. Das Contracting beispielsweise bieten wir nur für gewisse Härteverfahren an. Bei den Hard-Inox-Verfahren sind wir sehr restriktiv. Dieses Wissen wollen wir schützen – das ist ja auch unsere Spezialität.

Was beobachten Sie momentan für Trends?

F. Heimgartner: Sowohl Preisnachlassforderungen als auch steigende Anforderungen…

… Wie reagieren Sie darauf?

F. Heimgartner: Wir helfen dem Kunden, seine Prozesse, das verwendete Material und die Geometrie seines Bauteils zu analysieren und zu verbessern. Im Endeffekt spart er dabei meistens mehr als die verlangten fünf oder zehn Prozent Rabatt. Ein Paradebeispiel ist eine Kurvenscheibe, die wir zusammen mit unserem Kunden optimiert haben. Deren Herstellungskosten konnte er dank unserer Beratung um über 50 Prozent reduzieren, da nach der Wärmebehandlung der Schleifprozess nicht mehr nötig war. Die Kosten der Wärmebehandlung blieben zwar gleich, doch die Gesamtkosten konnten halbiert werden.

Was müssen Sie in Zukunft tun, um international wettbewerbsfähig zu bleiben?

F. Heimgartner: Mit unseren umfassenden Wärmebehandlungsmöglichkeiten und den zusätzlichen Dienstleistungsangeboten – also Beratung, Labor und Contracting – bauen wir die Zusammenarbeit mit unseren Kunden noch weiter aus. Dabei suchen wir gemeinsam nach Lösungen und bieten den Kunden in vielerlei Hinsicht noch mehr Nutzen. Vor ein paar Jahren haben wir zum Beispiel begonnen, unser Wissen zur Korrosionsbeständigkeit auszubauen und dem Kunden als Zusatznutzen anzubieten. Nun müssen wir weiter gehen und in andern Bereichen wie etwa Oberflächeneigenschaften einen Mehrwert bieten. Zum Beispiel in Form von Kombinationsschichten oder selbstschmierenden Oberflächen, die auf verschleissfestem Grundwerkstoff basieren. Oder wir simulieren stickstofflegierte Stähle, indem wir Stickstoff in den Randbereich eindiffundieren. Und so weiter.

Demnach scheint hier noch lange Nichts ausgeschöpft zu sein...

F. Heimgartner: Im Gegenteil, es besteht viel Potenzial und wir sind fest davon überzeugt, mit dem nötigen Streben nach Technologievorsprung, den neuen Geschäftsfeldern sowie der engen Kundenbindung für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. <<

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